Dreitägiges Festival zum 25-Jährigen Alte Fuhrhalterei Osnabrück zeigt Facetten des Puppenspiels

Von Anne Reinert

Ein Programm für alle hat die Alte Fuhrhalterei zum Jubiläum geboten. Foto: dpaEin Programm für alle hat die Alte Fuhrhalterei zum Jubiläum geboten. Foto: dpa

Osnabrück. Drei Tage lang hat die Alte Fuhrhalterei ihr 25-jähriges Bestehen gefeiert. Bei dem Festival präsentierte das Osnabrücker Figurentheater viele Facetten des Puppenspiels.

Kaum zu glauben, dass da nur ein einziger Puppenspieler am Werk ist. Die Figuren in „Macbeth für Anfänger“ haben so viele Stimmfärbungen und Dialekte und bewegen sich so eigenständig durch die Kulisse, als hätte jede ihren eigenen Spieler. Tatsächlich setzt einzig und allein Puppenspieler Tristan Vogt die Handpuppen in Bewegung. Das Stück von Thalias Kompagnons aus Nürnberg war sicherlich ein Höhepunkt beim Festival zum 25-jährigen Bestehen des Figurentheaters Osnabrück.

Wobei eigentlich die drei Festivaltage nur aus Höhepunkten bestanden. Das Osnabrücker Figurentheater hatte zur Feier seines Jubiläums Bühnen aus ganz Deutschland geholt und ein Programm für Zuschauer aller Altersklassen zusammengestellt. Das reichte von einem „Das ist Anton Daumesdick“ mit Fingerspielen, Liedern und Versen für Kinder ab zwei Jahren bis hin zu einer Adaption von Hitchcocks Thriller „Psycho“. Letzteres war weit weg vom lustigen Kasper-Klischee des Figurentheaters. Denn das Dresdner Figurentheater begibt sich in die dunkle Psyche des Mörders Norman Bates.

Wie kann aus dem in geordneten Verhältnissen aufgewachsenen Jungen ein Verbrecher werden? Das Stück klärt die Frage fast wortlos und setzt vielmehr auf zum Teil drastische Bilder, etwa die überdimensionale Brust der Mutter, an der das Baby Norman gesäugt wird. Sein Vater, ein Saufkopp, wie er im Buche steht, will ihm den Platz streitig machen. Doch der Junge erobert sich die Mutter zurück – durch Mord.

Berühmte Filmszenen wie der Mord unter der Dusche kommen auch vor. Humor bringt Puppenspieler Jörg Brettschneider ein, wenn er als Psychologe vors Publikum tritt und über seine 50 Patienten pro Tag jammert, die alle nur über sich reden. Als schöne Pointe zeigt sich am Schluss, dass im Therapeuten selbst viel Norman Bates und Mutterkomplex steckt.

Ein Hit des Festivals waren „Die Berliner Stadtmusikanten“. Das Theater auf der Zitadelle bekam für seine Variante des Grimm’schen Märchens mit Kuh, Wolf, Katze und Spatz Standing Ovations. Wie fast alle Erwachsenenstücke wurde es im Lutherhaus aufgeführt, während die Kinderproduktionen in der Alten Fuhrhalterei zu sehen waren. Die Festivalstücke zeigten, was Figurentheater alles kann. Das reichte von Tischfiguren bis hin zu Marionetten, von lustigen bis ernsten Stoffen. Das Festival endete mit dem Singspiel „Im weißen Rößl“ in der Fassung der „Bar jeder Vernunft“.

Dass das Figurentheater Hochkultur mit dem eher belächelten Kaspertheater zusammenbringen kann, beweist „Macbeth für Anfänger“. Die Umsetzung des Shakespeare-Stoffs sei nicht fertig geworden, entschuldigt sich Puppenspieler Vogt zu Anfang vorm Publikum. Es werde stattdessen das Kasper-Stück „Die gestohlene Geburtstagstorte“ gezeigt. Doch wie schon im Auftaktstück des Festivals bei der Gala am Donnerstag („Kasper tot, Schluss mit lustig?“) haben die traditionellen Charaktere keine Lust mehr auf ihre vorgeschriebenen Rollen.

Und so wird Kasper zum Macbeth und sein Kumpel Seppl zur Lady Macbeth. Das ist lustig, aber auch ein bisschen unheimlich. Dem Publikum erstickt das Lachen im Halse, wenn Kasper mit immer noch hoher Stimme zum machthungrigen Königsmörder wird. Schwarzer Humor auf Kasperart, auch das geht im Figurentheater.