Fahrradklub lud zur verkehrspolitischen Radtour Politiker auf gefährlicher Radtour durch Osnabrück

Von Stefan Buchholz


Osnabrück. Schnell, sicher und komfortabel mit dem Rad durch die Osnabrücker Innenstadt? Das ist nicht möglich, meint der Allgemeine Deutsche Fahrradclub (ADFC). Zusammen mit einigen Mitgliedern des Ausschusses für Stadtentwicklung und Umwelt radelte man jetzt exemplarische neun Gefahrenpunkte und Ärgernisse an.

Nur wenige Meter nach dem Start am Stadthaus die erste brenzlige Situation: Um am Natruper Torwall auf Höhe des Heger Tores stadteinwärts weiterzufahren, muss ein Velofahrer die Autofahrbahn kreuzen, um auf den Radstreifen zu kommen. „Unser Vorschlag ist beispielsweise, schon ab dem Rissmüllerplatz für Radfahrer eine durchgehende Geradeausspur anzulegen“, erklärt Uwe Schmidt, 1. Vorsitzender des lokalen ADFC.

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Am Heger Tor haben die Klubmitglieder zudem ein Ärgernis festgestellt: Wer von dort in die Lotter Straße radeln will, muss sich beeilen. Nur sechs Sekunden zeigt die Ampel grün. Beheben ließ sich das mit einem Angleichen der Grünphase der Fußgänger in diesem Abschnitt, meinen sie.

Kritik gibt es auch an der engen Lotter Straße. Radfahrer werden durch Autos und Busse regelmäßig ausgebremst und abgedrängt. Zudem hat der ADFC hier zu geringe Abstände beim Überholen durch den motorisierten Verkehr festgestellt.

Radfahrer und Speditionen an einen Tisch bringen

Der mitradelnde Stadtbaurat Frank Otte verweist auf die parallel verlaufende Katharinenstraße. „Mich macht das ärgerlich, wenn ich höre, dass Radfahrer sagen, sie würden aus Prinzip nicht dem Autoverkehr ausweichen“, sagt er bei einem Halt. Und: „Wenn ich vom Blutzoll zahlenden Radfahrer lese, dann ist das ein Begriff auf dem Niveau der Sensationspresse.“

Ihm gehe es um mehr Differenzierung: Osnabrück sei als Logistikstandort gewerblich geprägt. Aber nur 15 Prozent der Lkw nutzten die Stadt zur Durchfahrt. Otte kündigte dazu neue Untersuchungen an. Auch die Speditionen hätten zugesagt, ihre Fahrer zu informieren. Das Problem seien die Ein-Mann-Spediteure mit ihren Pkw-Navis, für die jede Minute bares Geld bringe, ergänzen einige Ausschussmitglieder. Frank Otte teilte zudem mit, dass beim nächsten Runden Tisch „Radverkehr“ auch die Speditionen versammelt sein würden.

Wieder ein Stopp: Die sogenannte Todeskreuzung, wo erst vor kurzem ein Radfahrer von einem rechtsabbiegenden Lkw tödlich verletzt wurde. Die Ratspolitiker stellen die jüngst im Ausschuss diskutierte Sofortmaßnahme vor. Die letzten fünf bis sechs Parkplätze am Johannistorwall vor der Kreuzung werden entfernt. Damit will man die Radfahrer früher an die Fahrbahn heranführen.

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Verlegung der B68 kein Allheilmittel

Weiter ging ein Vorschlag der CDU-Ratsmitglieder, berichtet Thomas Niemann. Zusätzlich wollten sie einen Hochbordradweg bis in den Ampelbereich einrichten. „Wurde aber abgelehnt“, sagt Niemann knapp.

Immerhin soll geprüft werden, dass die rechte Fahrspur ausschließlich für Rechtsabbieger verwendet wird und ein eigenes Signal erhält. Geradeausspur und Radfahrer könnten dann zusammen grün erhalten, die Rechtsabbieger hätten in dieser Zeit rot, teilten die Ausschussmitglieder mit.

Von dem vielfach geforderten Durchfahrtsverbot für Lkw halten die Ratsmitglieder nicht viel. Das ist nicht zu kontrollieren, meint Ulrich Hus. Außerdem gebe es keine rechtliche Grundlage, um wegen Lärm oder aus Umweltgründen ein Totalverbot durchzusetzen.

Selbst die Verlegung der B 68, wie jüngst in einem Schreiben der Stadtverwaltung an das Bundesverkehrsministerium erbeten, ist für Hus kein Allheilmittel. Uwe Schmidt vom ADFC begrüßt das Schreiben als Geste. „Entscheidend aber bleibt, dass hier kein Lkw mehr über 7,5 Tonnen durchfährt.“

Er ist nach der zweistündigen Tour mit den Politikern zufrieden. „Wir haben uns mit ihnen ins Getümmel gestürzt und ihnen ermöglicht, das aus Sicht der Radfahrer mal erleben.“ Schmidt kündigte an, ein Aktionsbündnis aus Radaktivisten, Internetforen- und Leserbriefschreibern zu gründen.