Polizei nimmt Stellung An jedem dritten Fahrradunfall ist der Radler schuld

Von Rainer Lahmann-Lammert

Bei einem schweren Unfall zieht der Radler immer den Kürzeren – unabhängig von der Schuldfrage. Foto: Archiv/HehmannBei einem schweren Unfall zieht der Radler immer den Kürzeren – unabhängig von der Schuldfrage. Foto: Archiv/Hehmann

Osnabrück. An jedem dritten Fahrradunfall in Osnabrück ist der Radler selber schuld, zu 55 Prozent sind es die Autofahrer, und auf sechs Prozent kommen Lkw-Fahrer. Diese Zahlen nannte Heiner Kröger, Unfallspezialist der Polizeiinspektion Osnabrück, vor dem Ausschuss für Stadtentwicklung und Umwelt.

Am 22. Oktober hatte ein Sattelzug beim Abbiegen vom Johannistorwall in die Kommenderiestraße einen Radler erfasst und ihm tödliche Verletzungen zugefügt. Es war schon das zweite Mal in diesem Jahr, dass ein Radfahrer an dieser Stelle sein Leben verlor. Für den Ausschuss ein Anlass, die Polizei um eine Einschätzung zu bitten.

Kröger registriert jedes Jahr um die 300 Radunfälle in der Stadt, die Zahl der Toten und Schwerverletzten variiere innerhalb gewisser Grenzen, erklärte er vor den Planern und Politikern. Beim Blick auf die Unfallschwerpunkte falle auf, dass viele Unfälle beim Abbiegen passierten.

Es sei wichtig, dass sich die Radfahrer beim Warten vor der Ampel besser im Blickfeld der motorisierten Verkehrsteilnehmer platzierten. Aus diesem Grund habe die Stadt an vielen Stellen Aufstellflächen markiert und Haltebalken verändert, über die Vorlaufzeiten der Ampeln gebe es allerdings unterschiedliche Meinungen.

Die Polizei trete außerdem dafür ein, Knotenpunkte leistungsfähiger zu gestalten und breitere Radwege (1,85 statt 1,20 Meter) anzulegen. Angesichts der nicht unbeträchtlichen Mitschuld von Radlern werde die Polizei in der dunklen Jahreszeit ihre Kontrollen wieder verschärfen und dabei nicht nur auf die Verkehrssicherheit achten, sondern auch die Aufmerksamkeit auf das Tragen von Helmen lenken.

Verkehrsplanerin Heike Stumberg erklärte auf Nachfrage aus der Politik, dass die Stadt eigentlich mehr Unfallhäufungspunkte umbauen wolle. Wegen Geldmangels könnten aber manche Vorhaben nicht umgesetzt werden. Stadtbaurat Frank Otte verwahrte sich gegen öffentlich geäußerte Kritik. Bei aller Tragik sei festzustellen, dass in den vergangenen Jahren viele Unfallschwerpunkte entschärft worden seien.