Beratung zur Patientensicherheit Kliniken in China setzen auf Osnabrücker Experten

Von David Hausfeld

Ein gefragter Experte zum Thema Patientensicherheit und leidenschaftlicher Osnabrücker ist Peter Gausmann. Sein Wissen gab er jetzt an chinesische Mediziner weiter. Foto: Michael GründelEin gefragter Experte zum Thema Patientensicherheit und leidenschaftlicher Osnabrücker ist Peter Gausmann. Sein Wissen gab er jetzt an chinesische Mediziner weiter. Foto: Michael Gründel

Osnabrück. Patientensicherheit und klinisches Risikomanagement sind die Fachgebiete des Osnabrückers Peter Gausmann. Auf der 27. Jahrestagung der Deutsch-Chinesischen und Chinesisch-Deutschen Gesellschaft für Medizin in Peking hielt der Geschäftsführer der Gesellschaft für Risiko-Beratung (GRB) jetzt einen Vortrag zum Thema „Patientensicherheit als Unternehmensziel“ und besuchte ein Volkskrankenhaus.

Gausmann ist Osnabrücker aus Leidenschaft. Sein Wohnort liegt immer noch in der Friedensstadt, sein Job als beratender Experte für die Vermeidung von Fehlern bei der Patientenbehandlung lässt ihn jedoch nur wenig Zeit hier verbringen. Stattdessen verlangt er ihm eine gewisse Internationalität ab. Ende Oktober zog es ihn ins Reich der Mitte, für die Deutsch-Chinesische Gesellschaft für Medizin, ein „altes Flaggschiff der deutsch-chinesischen Beziehungen“, wie er sagt.

„In den letzten zehn Jahren hat ein gewaltiger gesellschaftlicher Umbruch in China stattgefunden“, berichtet Gausmann. Dieser habe sich auch auf das Gesundheitssystem ausgewirkt und neue Herausforderungen geschaffen. Insbesondere für Patientensicherheit und Fehlervermeidung bei der Behandlung ist Deutschland ein großes Vorbild für den asiatischen Staat und soll nun durch eine Kooperation in den Bereichen Beratung und Hochschullehre Verbesserungen herbeiführen. Die Gründe für die Nachfrage liegen vor allem in fehlenden Haftpflichtversicherungen und der überdimensionalen Auslastung der chinesischen Krankenhäuser, die ihr Leistungsspektrum in den letzten Jahren enorm ausgebaut haben.

Neben dem Kongress in Peking besuchte Gausmann auch das Volkskrankenhaus Subei. Hier werden jährlich rund 1,5 Millionen ambulante Patienten versorgt. „Zum Vergleich: Das Marienhospital behandelt vielleicht 70000 ambulante Patienten im Jahr“, schätzt der Osnabrücker. „In manchen chinesischen Kliniken werden die Betten in einem Jahr von 3000 auf 4000 aufgestockt“, schildert er weiter, „ hier diskutieren wir, ob ein Krankenhaus in Dissen mit 160 Betten geschlossen werden soll.“

Die schiere Masse an Behandlungen allein birgt deshalb schon ein größeres Fehlerrisiko. Ausbildung der Ärzte oder Ausstattung der Kliniken würden stattdessen weniger ins Gewicht fallen. Medizin und Sicherheitsstandards seien auch in China international ausgerichtet, und darüber hinaus würden viele chinesische Ärzte in Deutschland oder den USA ausgebildet.

Die zweite Ursache für den notwendigen Ausbau des klinischen Risikomanagements betrifft derweil nicht nur die Gesundheit der Patienten, sondern auch die Unversehrtheit der chinesischen Ärzte. Aufgrund fehlender Haftpflichtversicherungen der Kliniken bietet China nicht die Möglichkeit, Ärzte im Falle einer Fehlbehandlung oder verursachter Schäden zu verklagen. Zu Schaden gekommene Patienten, Angehörige oder ganze Familienclans würden sich demnach ihren eigenen Weg suchen, um den Arzt zur Rechenschaft zu ziehen. „Es gibt Fälle, in denen Ärzte um Leib und Leben fürchten müssen“, sagt Gausmann.

Als Berater für Patientensicherheit und klinisches Risikomanagement erfährt Gausmann, „was in den Kliniken schiefgeht“. Dazu betreiben er und sein Team seit nunmehr 20 Jahren ausführliche Auswertungen von Schadensfällen, wozu beispielsweise das Vergessen von Fremdkörpern im Körper eines Patienten bei einer Operation zählt. Damit solche Fehler vermieden werden, begleitet und schult Gausmann Ärzte und medizinisches Personal auch während der eigentlichen Behandlungen.

Neben seiner beratenden Tätigkeit als Geschäftsführer für die GRB in Detmold hat der Osnabrücker einen Lehrauftrag an der Hochschule Osnabrück im Studienfach „Health Management“ (Gesundheitsmanagement) und eine Ehrenprofessur an der Donau-Universität Krems.

„Für die Chinesen hat Deutschland das beste Gesundheitssystem der Welt“, sagt der promovierte Betriebswirt und Pädagoge. Nicht verwunderlich also, dass die Chinesen auch in Sachen Patientensicherheit und Fehlervermeidung auf deutsche Pferde setzen. In den nächsten Monaten begibt sich Gausmann deshalb wieder selbst nach China. Die Sicherheitsanalyse sei zunächst Chefsache.