Mindestlohn-Serie: Friseure „Unter 20 Euro ist ein Herrenhaarschnitt nicht machbar“

Von Jean-Charles Fays


Osnabrück. Der seit August gültige Mindestlohn von acht Euro pro Stunde bei Friseuren müsste zu massiven Preissteigerungen im Billigsegment führen. Das sagt der Obermeister der Friseur-Innung Osnabrück, Siegward Schneider, unserer Redaktion: „Unter 20 Euro ist ein Herrenhaarschnitt gerade bei Salons in der Innenstadt nicht machbar. Dabei liegen Dutzende der aktuell 130 Friseursalons in Osnabrück mit ihren Preisen weit darunter.

Schneider erläutert: „Ein Herrenhaarschnitt dauert im Schnitt 30 Minuten. Natürlich kommt es da auch auf die Frequenz an, aber man kann sich ja ausrechnen, wie viele Haarschnitte ein Friseur machen muss, um auf den Mindestlohn zu kommen.“ Dabei müsse man auch die Betriebskosten bedenken. Selbst in Innenstadtlagen wie der Johannisstraße, wo es eine Vielzahl von Billig-Friseuren gibt, seien Mieten von mehr als zehn Euro pro Quadratmeter fällig.

Schneider beklagt, dass die Zahl der Friseure in Osnabrück dramatisch zugenommen hat.

Innungsobermeister Schneider: „Das Problem ist dabei, dass die Löhne nicht ausreichend kontrolliert werden.“

Er bezweifelt, dass alle den Mindestlohn bezahlen, und kritisiert: „Das Problem ist dabei, dass die Löhne nicht ausreichend kontrolliert werden.“ Gerade im Kleinstrukturbereich mit ein bis zwei Friseuren sei es schwierig, konsequente Kontrollen durchzuführen.“

Schneider verlangt in seinem Osnabrücker Salon 22,50 Euro für einen Herren-Haarschnitt, bezahlt seinen Friseurgesellen im ersten Berufsjahr dafür aber auch jetzt schon 8,50 Euro pro Stunde. Nach dem allgemein verbindlichen Branchen-Mindestlohn wäre er dazu eigentlich erst ab August 2015 verpflichtet. Doch Schneider zahlt jetzt schon aus Überzeugung mehr, weil die Branche von dem Image wegkommen müsse, in dem Lohndumping eine große Rolle spiele: „Es müssen vernünftige Preise bezahlt werden.“

Billig-Friseurin: „Der Laden deckt die Kosten. Zum Leben habe ich meinen Mann.“

Eine Friseurin, deren Laden in der Innenstadt nur einen Steinwurf von Schneiders Salon entfernt liegt, erklärt, wie sie einen Haarschnitt bereits für 13 Euro anbieten kann: „Der Laden deckt die Kosten. Zum Leben habe ich meinen Mann.“ Die Frau, die namentlich nicht genannt werden will, sagt: „Mit diesen Preisen ist der Mindestlohn natürlich ein Problem.“ Früher hätten die Angestellten bei ihr mit 800 Euro netto angefangen. „Wenn sie gut waren, dann habe ich später auch 1200 Euro bezahlt“, sagt die lebensfrohe Türkin. Eine Weile will sie es jetzt erst einmal ohne Angestellten versuchen. „Auf Dauer ist das kein Zustand“, weiß sie. Vielleicht wolle sie es erst einmal mit einer 450-Euro-Kraft versuchen. „Wenn ich eine Angestellte in Vollzeit nach dem Mindestlohn bezahlen müsste, dann muss ich teurer werden.“ Und das wolle sie vermeiden, weil sie ohnehin schon vorwiegend nur auf Stammkunden setzen müsse.

Verdi-Expertin für das Friseurhandwerk in Niedersachsen, Ute Gottschaar: „Der Kunde muss sich darauf einstellen, dass es keine Haarschnitte mehr für 10 oder 13 Euro geben wird. Das kann sonst nicht funktionieren.“

Die Verdi-Expertin für das Friseurhandwerk in Niedersachsen, Ute Gottschaar, betont: „Der Kunde muss sich darauf einstellen, dass es keine Haarschnitte mehr für 10 oder 13 Euro geben wird. Das kann sonst nicht funktionieren.“

Auch Schneider appelliert an seine Kollegen: „Wir müssen endlich einen gleichen Wettbewerb durch gleiche Einstiegsbedingungen haben. Wenn sich alle an diese Bedingungen halten, dann wird der Preis im Billigsegment zwangsläufig steigen.“

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