Erfolg für Drehbuchautor Dan Gilroy Regiedebüt mit „Nightcrawler“

Meine Nachrichten

Um das Thema Osnabrück Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.


Osnabrück. In seinem äußerst gelungenen Regiedebüt beschreibt Drehbuchautor Dan Gilroy den Aufstieg eines Kleinkriminellen zum skrupellosen Sensationsreporter, brillant dargestellt von Jake Gyllenhaal.

Es braucht nicht viel, um in der Liga der voyeuristischen Bilderjäger für die sensationslüsternen TV-Nachrichtenmagazine von Los Angeles mitzuspielen. Lou Bloom (Jake Gyllenhaal) , bislang mäßig erfolgreich als kleiner Dieb, der nachts Maschendrahtzäune und Gully-deckel klaut, stolpert bei einem seiner nächtlichen Streifzüge über so einen „Freelancer“. Tags darauf tauscht er ein geklautes Fahrrad gegen eine bescheidene Kameraausrüstung und einen Scanner für den Polizeifunk.

Die Codes hat er schnell drauf. Code 2 bedeutet ohne, Code 3 mit Blaulicht. Und die 187 für Mord kennt sowieso jedes Kind. Schon bald landen seine ersten Bilder beim kleinen Sender KWLA. Dessen von Erfolgsdruck getriebene Nachrichtenchefin Nina Romina (Rene Russo) erklärt ihm zynisch prägnant, was am meisten Quote und Kohle bringt: „Eine schreiende Frau, die mit durchschnittener Kehle die Straße runterläuft“. Lou erweist sich als lernfähiger Autodidakt, der schnell ein Auge für gute Bilder entwickelt und erkennt, dass Skrupellosigkeit der Schlüssel zum Erfolg ist. Ein unterbezahlter „Praktikant“ wird eingestellt. Und wenn es sein muss, wird die Konkurrenz einfach aus dem Weg geräumt und ein sterbendes Unfallopfer ins rechte Bild geschleift. „Entscheidend ist die Bildkomposition.“

„Nightcrawler – Jede Nacht hat ihren Preis“ funktioniert sowohl als kenntnisreiche, bitterböse Mediensatire als auch als düstere Charakterstudie. Das bemerkenswerteste an diesem äußerst gelungenen Regiedebüt von Drehbuchautor Dan Gilroy („Das Bourne Vermächtnis“) ist jedoch der Verzicht auf das Element der Läuterung. Der Protagonist geht auf seinem Weg zum Erfolg buchstäblich über Leichen, provoziert den Tod anderer Menschen und muss selber einen Verlust hinnehmen. Doch bei all den Schrecken, die er auslöst und erfährt, findet keine Katharsis statt. Eine bemerkenswerte Aussage im Subtext von Gilroy, der auch das Drehbuch verantwortet. Am Ende gießt der skrupellose „Nightcrawler“ Lou sein amoralisches Handeln sogar in einen zynischen Werbespruch. „Ich sag immer: Wer mich sieht, hat den schlimmsten Tag seines Lebens.“

Einen ganz und gar entscheidenden Anteil am Gelingen dieser bösen, zum Thriller avancierenden Mediensatire trägt natürlich Hauptdarsteller Gyllenhaal bei. Er verleiht dem medialen Werteverfall ein prägnantes Gesicht. Hager, mit stechendem Blick und abgrundtief kaltem Lächeln, erweist sich Gyllenhaal endgültig als brillanter Charakterdarsteller, der sich selbst vor Vergleichen mit einem Robert De Niro oder Al Pacino nicht länger verstecken braucht. Eine sehr oscarwürdige Leistung.

Nightcrawler – Jede Nacht hat ihren Preis. USA 2014. R: Dan Gilroy. D: Jake Gyllenhaal, Rene Russo, Rick Garcia, Bill Paxton. Laufzeit: 119 Minuten. Ab 16. Cinema-Arthouse, Filmpassage.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN