Pläne für Freizeitstandort Ratspolitiker wollen die Kartbahn am Nettebad

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Osnabrück. Dürfen die Stadtwerke eine Gokartbahn betreiben? Am Nettebad will das städtische Tochterunternehmen einen groß angelegten Freizeitstandort errichten, mit Elektro-Kartbahnhalle, Biergarten und Kinderbelustigung. Die Politik unterstützt das Vorhaben – mit einer Ausnahme.

Einstimmig stellte sich der Ausschuss für Stadtentwicklung und Umwelt hinter die Pläne der Stadtwerke, nur Wulf-Siegmar Mierke (UWG) hielt entschieden dagegen und zwang seinen Ratskollegen eine Grundsatzdiskussion auf. Gegenstand der Abstimmung waren allerdings die Planänderungen, die den Freizeitstandort ermöglichen sollen.

Mit dem Segen der Politiker soll die Bürgerbeteiligung für eine Änderung des Flächennutzungsplans und für die Aufstellung eines Bebauungsplans eingeleitet werden. Mit den Einwendungen wird sich dann der Ausschuss beschäftigen und eine Entscheidung treffen.

Die Initiative für eine Ausweitung des Freizeitangebots am Nettebad kommt von Bäderchef Wolfgang Hermle. Vor allem von der E-Kartbahn erhofft er sich, das Defizit der städtischen Bäder senken zu können. Dabei hat er volle Rückendeckung aus dem Rat.

Aus dem benachbarten Wohngebiet jenseits der Vehrter Landstraße gibt es allerdings starke Vorbehalte gegen Hermles Pläne, weil mit einem höheren Verkehrsaufkommen gerechnet wird, mit Lärm und Flächenversiegelung. Auch die Landwehr, ein kulturgeschichtlich bedeutsamer Schutzwall aus dem 14. und 15. Jahrhundert, könne Schaden nehmen, wie Anwohner mutmaßen.

Die Wohngebäude aus den benachbarten Siedlungen kämen der Landwehr viel näher als das Nettebad, argumentierten die Politiker unabhängig von ihrer Parteizugehörigkeit. Volker Bajus von den Grünen bekundete zwar, eine Kartbahn löse in seiner Fraktion zwar nicht gerade Begeisterung aus, es sei aber sinnvoll, Freizeitaktivitäten zu bündeln, um das Verkehrsaufkommen und die Umweltauswirkungen zu begrenzen.

Bajus räumte ein, dass Flächen versiegelt werden müssten – aber dabei gehe es um einen ökologisch weniger bedeutsamen Maisacker, und hier zähle die grundsätzliche Abwägung. Von der Elektrokartbahn gehe kein Lärm aus, vermerkten andere Politiker wohlwollend, möglicherweise aber vom zusätzlichen Straßenverkehr, doch die Belastung sei zumutbar. „Es gibt eigentlich nichts, was man jetzt noch kritisieren könnte“, lautet das Fazit der CDU-Politikerin Anette Meyer zu Strohen.

Das sah Wulf-Siegmar Mierke von der UWG ganz anders. Die Stadtwerke sollten sich „besser um Strom, Gas und Wasser kümmern“, lautete seine Fundamentalkritik. Für den Freizeitstandort werde ein grüner Finger geopfert, und alles werde vom Geld der Steuerzahler finanziert. Es bestehe die Gefahr, dass aus dem Projekt eine Fehlinvestition werde – mit negativen Folgen für die gesamte Gewinnrechnung der Stadtwerke.

Mit dieser Befürchtung stand Mierke allein da. Selbst Maria-Theresia Sliwka von der sonst eher privatisierungsfreundlichen FDP stellte sich hinter Hermles Konzept und begrüßte es, die Freizeiteinrichtungen zu bündeln. So sah es auch der Grünen-Ratsherr Jens Meier: Nur an diesem Standort sei eine Kartbahn in der Hand der Stadtwerke sinnvoll. Überall sonst müsste man deren Eifer bremsen und sagen: „Das ist nicht eure Aufgabe!“


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