Lorenz Raab und Thomas Rückert improvisieren im Blue Note Jazz-Performance für 30 Himbeer-Desserts

Von Ralf Döring

Geht doch: Thomas Rückert und Lorenz Raab. Foto: PartonGeht doch: Thomas Rückert und Lorenz Raab. Foto: Parton

Osnabrück.Das Konzert mit Julia Hülsmann im Blue Note stand unter keinem guten Stern: Sie musste absagen. Dass es doch noch spannend wurde, verdankt sich einer spannenden freien Improvisation von Pianist Thomas Rückert und Trompeter Lorenz Raab.

dö Osnabrück. Ein bisschen turbulent ging es am Donnerstagabend im Blue Note zu. Man muss dazu wissen: Das angekündigte Konzert mit Pianistin Julia Hülsmann und dem Trompeter Lorenz Raab war das Rahmenprogramm für eine Tagung der „Radio Jazz Research“ . Dieser Verbund von Radiojournalisten und Veranstaltern hat seine 25. Arbeitstagung im Institut für Musik (IfM) abgehalten, und dafür wollte WDR3-Jazzchef Bernd Hoffmann die beiden Musiker zusammenbringen.

Nun musste Hülsmann krankheitsbedingt absagen; ebenso der Einspringer Florian Weber. Als Ersatz für den Ersatz wurde schließlich Klavierdozent Thomas Rückert gefunden – leider wurde das Publikum weder über Plakate noch an der Kasse darüber informiert.

Dafür gab es drei Songs des Studierenden-Duos Benjamin Jungermann (Klavier) und Franziska Loos (Gesang), gefolgt von einer dreiviertel Stunde freier Improvisation von Rückert und Raab. Die Radiomacher standen da nicht zurück und unterlegten die Findungsphase mit einer kollektiven Percussion-Performance für dreißig Himbeer-Desserts im Glas – ein lustiger Effekt.

Im freien Spiel finden Rückert und Raab zueinander: Der Pianist rollt oszillierende Minimal-Music-Flächen aus, Trompetentöne decken das ganze Spektrum von der heißen Luft bis zur heißen Melodielinie ab. Dabei puschen sich die beiden schön gegenseitig hoch, finden eine gemeinsame Ebene, auf der sie sich musikalisch unterhalten, ohne sich in Plattidüten zu verlieren. Für die Zugabe greifen sie dann in den Fundus, spielen einen „Blues in Cif“, wie Rückert meint. Meine Güte, warum auch nicht.