Studie der Universität Osnabrück Deutschland macht es türkischen Kindern schwer

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Von Schulen allein gelassen, bei Bewerbungen diskriminiert: Kinder und Enkel türkischer Einwanderer haben es in Deutschland noch immer schwer, stellt eine Studie der Uni Osnabrück fest. Unser Archivbild zeigt türkische Kinder bei einem Fest in der Halle Gartlage in Osnabrück im Mai 2010. Foto: Elvira PartonVon Schulen allein gelassen, bei Bewerbungen diskriminiert: Kinder und Enkel türkischer Einwanderer haben es in Deutschland noch immer schwer, stellt eine Studie der Uni Osnabrück fest. Unser Archivbild zeigt türkische Kinder bei einem Fest in der Halle Gartlage in Osnabrück im Mai 2010. Foto: Elvira Parton

Osnabrück. Beruflicher Erfolg und sozialer Aufstieg sind für junge Türken in Deutschland mit einer Ochsentour verbunden. Weder Hochschulen und Schulen noch Unternehmen und Betriebe bieten den Einwandererkindern ausreichend Starthilfe. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der Universität Osnabrück.

Sie trägt den Titel „Pathways to Success“ (Erfolgswege) und analysierte die Werdegänge von über 70 Persönlichkeiten, deren Eltern aus der Türkei eingewandert sind. Die meisten von ihnen arbeiten in verantwortungsvollen und führenden Positionen.

Den Wissenschaftlern berichteten sie davon, wie sie oftmals von der Schule alleingelassen oder bei Bewerbungen benachteiligt und diskriminiert wurden. Kaum jemand außerhalb der Familie habe sich für ihre Talente interessiert, geschweige denn daran geglaubt. Häufig sei das persönliche Fortkommen von Zufällen abhängig gewesen.

Kaum Starthilfe durch Schulen

Das Institut für Migrationsforschung und Interkulturelle Studien (Imis) der Uni Osnabrück hat für die Studie erstmals Daten erhoben und ausgewertet, die Aufschluss geben über Erfolgsfaktoren und Hindernisse bei der Integration von Kindern türkischer Einwanderer. Die Forscher stellten etwa fest, dass es in Deutschland immer noch sehr wenige Kinder aus türkischstämmigen Arbeiterfamilien aufs Gymnasium schaffen. In anderen EU-Staaten sei das weit häufiger der Fall. Die Befragten hätten überdurchschnittlich von Schulformen profitiert, die auf gesellschaftliche Eingliederung aller sozialen Schichten ausgelegt sind – darunter vor allem Gesamtschulen.

„Die Gesamtschule ist für die untersuchte Gruppe eine gute Alternative zum Gymnasium. Sie ist durchlässiger, gleicht Startnachteile besser aus und kann dadurch Wegbereiter für den beruflichen Aufstieg sein“, sagt Andreas Pott, Professor für Sozialgeografie und Imis-Leiter.

Ständiger Kampf gegen Vorurteile

Die Studie zeige außerdem, dass nach der schulischen Laufbahn häufig Vorurteile gegenüber Migranten den Eintritt in die Arbeitswelt erschweren. Die Beteiligten berichten, dass ihre Zuwanderungsgeschichte immer wieder in Bewerbungssituationen im Vordergrund gestanden habe. Dies sowohl in der freien Wirtschaft als auch im öffentlichen Dienst. Projektleiter Pott bemängelt das: „Besonders der öffentliche Dienst sollte Vorreiter sein für die stärkere interkulturelle Öffnung auch der Führungsetagen.“ Dazu gebe es eine Reihe vielversprechender Ansätze, zum Beispiel Quotenregelungen.

Ganze Generationen ausgeschlossen

Trotz der schlechten Erfahrungen fühlten sich die meisten Interviewten in Deutschland und an ihrem Wohnort zuhause. Sie seien stolz auf das Erreichte, würden aber sehen, dass ein vergleichbarer beruflicher Erfolg für die Kinder und Enkel türkischer Einwanderer bis heute mit erheblichen Hürden verbunden und keineswegs selbstverständlich ist. Im Gegenteil: Die zweite und dritte Generation wachse vielfach in dem Bewusstsein auf, nicht dazuzugehören und anders zu sein.

„Die Studie zeigt Chancenungleichheit auf. Wir wollen deshalb Diskriminierung und Hürden im Bildungssystem abbauen. Das ist wichtig, weil nur durch Bildung gesellschaftliche Teilhabe möglich wird“, erklärt Wolfgang Rohe, Geschäftsführer der Stiftung Mercator. Sie hat die Studie „Pathways to Success“ mit 365.000 Euro gefördert.


Die wesentlichen Ergebnisse der Studie und politische Handlungsempfehlungen hat das Institut für Migrationsforschung und Interkulturelle Studien (Imis) der Universität Osnabrück in einem „Policy Brief“ zusammengefasst. Er ist im Internet als PDF abrufbar.

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