Szenetreffen im Blue Note Tamara Lukasheva gewinnt Jungen Deutschen Jazzpreis

Von Ralf Döring


Osnabrück. Zum zweiten Mal ist am Mittwoch der Junge Deutsche Jazzpreis vergeben worden. Gewonnen hat die Sängerin Tamara Lukasheva. Aber an diesem Abend gab es keine Verlierer.

Osnabrück. Um die Zukunft des Jazz in Deutschland muss man sich keine Sorgen machen: Dieses Fazit kann man nach der Finalrunde des Jungen Deutschen Jazzpreises im Blue Note getrost ziehen. Denn die drei Finalisten boten, jeder auf eigene Weise, feinsten Jazz.

Ausgewählt hat die Jury die drei Formationen aus fünfzig Einreichungen. Fünfzig Bands also, die sich aus Studierenden deutscher Jazz-Hochschulen gebildet haben und deren Musikerinnen und Musiker unter dreißig Jahre alt sind –so die Kriterien, die Niels Klein und Florian Weber für diesen Wettbewerb festgelegt haben. Da schwingt natürlich ein Gedanke im Hintergrund mit: der des Austausches, der Vernetzung mit anderen Hochschulen. Das dürfte auch ein Grund für die Hochschule sein, den Preis in Höhe von 2500 Euro bereits zum zweiten Mal zu stiften: Das Blue Note und das IfM werden zu einem Hotspot für die junge deutsche Jazzszene.

Ruhig und intim präsentiert die sich zunächst mit der Band „Schmid’s Huhn“: Tenor und Altsaxofon im engen Dialog, Stefan Karl Schmid mit bezaubernd weichem Ton und Evgeny Ring als brillanter Altsaxofonist werfen sich Motive zu, umspielen sich, lassen sich auf überraschende Harmonien und reizvolle Reibungen ein. Danach Sängerin Tamara Lukasheva: Sie hat ihr Quartett auf sich und ihre virtuose Stimmakrobatik zugeschnitten –sie gluckst, kiekst, scattet mit der Rasanz eines Instrumentalisten, lässt der Band trotzdem genug Raum, ihre Dynamik zu entwickeln. Das Johannes von Ballestrem Quartett schließlich startet mit einem völlig ungebrochenen, nur der Schönheit verpflichteten „Somewhere over the rainbow“ ins Rennen – dieses Bekenntnis zum Standard ist selten geworden und mutig. Der Bandleader gibt die Stimmung am Klavier vor, Altsaxofonistin Anna-Lena Schnabel fügt sich ein in die zauberhafte Traumstimmung; erst später lässt sie es virtuos und mit Hochdruck krachen, als ob sie einen Verzerrer zugeschaltet hätte.

Vierzig Minuten lang darf sich jede Band der Jury und dem Publikum präsentieren, ein langer, aber ein ausgesprochen kurzweiliger, weil abwechslungsreicher Abend. Gegen elf Uhr zieht sich die Jury – Jazz-Journalist Karsten Mützelfeldt und die beiden Musiker Pablo Held und eben der Erfinder des Preises Niels Klein – zur Beratung zurück. Die drei werden sehr schnell einig, vielleicht auch, weil es keine falsche Entscheidung gegeben hätte. Eine Formation hat dann aber doch die Nasenspitze vorn; „einstimmig“, wie Klein sagt, votierten die Juroren für die umwerfende Gesangskunst von Tamara Lukasheva und deren prickelndes Quartett mit Lucas Leidinger, Klavier, Jakob Kühnemann, Bass, und Dominik Mahnig am Schlagzeug. Eine gute Wahl an einem Abend, an dem eine schlechte gar nicht möglich gewesen wäre.