Versuchter Totschlag Junger Messerstecher in Osnabrück vor Gericht

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In der Unterkunft für Asylbewerber in der Landwehrstraße in Eversburg hat ein junger Somalier im Juni einen Mitbewohner mit einem Messer attackiert. Foto: Michael GründelIn der Unterkunft für Asylbewerber in der Landwehrstraße in Eversburg hat ein junger Somalier im Juni einen Mitbewohner mit einem Messer attackiert. Foto: Michael Gründel

Osnabrück. Ein junger Messerstecher muss sich seit Donnerstag vor dem Landgericht Osnabrück verantworten. Er hatte sein Opfer schwer verletzt. Eine Schwierigkeit: Der junge Mann weiß sein Geburtstagsdatum nicht, dabei ist sein Alter für das Strafmaß nicht unwichtig.

Die Frage des Alters eines Straftäters ist nicht unerheblich. Jugendliche zwischen 14 und 18 Jahren unterliegen dem Jugendstrafrecht, ebenso können heranwachsende Straftäter, so sie das 21. Lebensjahr noch nicht vollendet haben, ebenfalls nach dem Jugendstrafrecht verurteilt werden. Ob das Jugendstrafrecht oder das allgemeine Strafrecht anzuwenden ist, muss das Gericht jeweils im Einzelfall zu entscheiden.

Nachdem die Altersfrage geklärt war, konnte die Vertreterin der Staatsanwaltschaft zur Verlesung der Anklageschrift schreiten. Die war kurz, der Tatvorwurf dafür umso heftiger: versuchter Totschlag. Der Angeklagte soll demnach in den frühen Morgenstunden des 25. Juni den Entschluss gefasst haben, seinen Mitbewohner in der Unterkunft für Asylbewerber an der Landwehrstraße in Eversburg zu töten. Vorausgegangen war der Tat ein Streit zwischen den beiden Kontrahenten.

Stich im Treppenhaus

Den ersten Stich in den Bauchmit der etwa elf Zentimeter langen Klinge eines Küchenmessers soll der Angeklagte seinem Opfer im Treppenhaus der Unterkunft zugefügt haben. Nach der Flucht aus dem Gebäude sei das Opfer noch einmal von seinem Verfolger mit dem Messer verletzt worden. Bei der Hatz durchs Treppenhaus soll der Angeklagte „Heute ist dein letzter Tag“ gerufen haben. Das Opfer konnte sich aber wieder in die Unterkunft retten, wo andere Bewohner den Angeklagten aufhalten konnten. Vor allem der Stich in den Bauch hatte lebensbedrohliche Folgen, da dabei auch der Dünndarm in Mitleidenschaft gezogen wurde. Das Opfer musste im Klinikum auf dem Finkenhügel notärztlich versorgt und operiert werden.

Andere Tatversion

Der Angeklagte stritt die Tat in einer von seiner Anwältin verlesenen Stellungnahme zwar nicht ab, schilderte den Tathergang aber grundlegend anders. Danach war es das spätere Opfer, von dem der Startschuss zu der gewalttätigen Auseinandersetzung ausgegangen sei, und das Messer habe er nur durch Zufall in der Hand gehabt, weil er sich gerade eine Scheibe Brot habe abschneiden wollen, als das Opfer die Küche betreten und ihn aufgefordert habe, ihn nach draußen zu begleiten, um „die Sache zu klären“. Vor der Tür habe das Opfer sein T-Shirt ausgezogen, sein Schlüsselbund abgelegt und ihn geschlagen. Er sei wütend gewesen, habe zurückgeschlagen und dabei vergessen, dass er noch das Messer in der Hand gehabt habe, ergänzte der Angeklagte auf Nachfragen des Gerichts.

Richterlicher Ratschlag

Das nun wiederum mochte diesen Ausführungen nicht wirklich Glauben schenken. Was folgte, war der wohlmeinende Hinweis des Vorsitzenden Richters, dass, „wenn man bei Gericht etwas einräumt, dies die Strafe mildern kann“. Auf diesen richterlichen Ratschlag ging der Angeklagte nicht weiter ein, gab aber zu Protokoll, dass er es als ungerecht empfinde, dass derjenige, der ihn verletzt habe, „draußen“ sei und er nun in Haft sitzen müsse.

Der Prozess wird am Dienstag, 18. November, um 9 Uhr fortgesetzt.


Jugendstrafrecht

Jugendstrafrecht ist speziell für Jugendliche ausgerichtet. Es findet Anwendung bei Jugendlichen, welche zur Zeit ihrer Tat zwischen 14 und 18 Jahre alt sind. Es kann aber auch bei typischen Jugendstraftaten bei Personen bis 21 Jahre angewendet werden. Ein Kind, welches bei der Begehung der Tat noch unter 14 Jahre alt ist, kann noch nicht bestraft werden.

Das Jugendstrafrecht wird im Jugendgerichtsgesetz geregelt. Hinsichtlich der strafbaren Handlungen unterscheidet sich das Jugendstrafrecht nicht vom Strafrecht der Erwachsenen, es nimmt sogar darauf Bezug. Dies bedeutet, dass für den Jugendlichen alle Handlungen strafbar sind, die auch für den Erwachsenen strafbar sind.

Erziehung statt Strafe

Der wesentliche Unterschied zwischen dem Strafrecht für Erwachsene und dem der Jugendlichen liegt in den vorgesehenen Strafen. Während Erwachsene mit Haft- oder Geldstrafen bestraft werden, soll der Jugendliche noch erzogen werden. Es soll also nicht die Tat hart bestraft und die Bevölkerung vor dem Täter geschützt werden, vielmehr steht im Jugendstrafrecht der Erziehungsgedanke im Vordergrund. Es gibt daher im Vergleich zu den Erwachsenen sowohl Unterschiede im Verfahren (z. B. Anwesenheit der Jugendgerichtshilfe, größere Möglichkeiten zur Einstellung des Verfahrens), als auch insbesondere bei den vorgesehenen Strafen. Hier stehen deutlich mehr Maßnahmen zur Verfügung. Es können beispielsweise Arbeitsauflagen, Weisungen oder Arrest verhängt werden. Natürlich kann bei schweren Straftaten auch Jugendstrafe in Betracht kommen. Dem Gericht soll es so möglich sein, auf die individuellen Probleme des jungen Täters zu reagieren.

Auf wen ist Jugendstrafrecht anwendbar?

Jugendstrafrecht ist auf Jugendliche zwischen 14 und 18 Jahren anwendbar. Alle, die jünger als 14 Jahre sind, werden strafrechtlich noch nicht verfolgt.

Anders ist es bei Personen im Alter zwischen 18 und 21 Jahren – den so genannten Heranwachsenden. Diese können sowohl nach dem Jugend- als auch nach dem härteren Erwachsenenstrafrecht bestraft werden.

Welches Recht zur Anwendung kommt, ist zum einen abhängig von der “Reife” des Jugendlichen. Ein 20-Jähriger, der in seiner gesamten Verhaltensweise eher an einen Teenager erinnert, wird nach Jugendstrafrecht bestraft. Hingegen erhält ein 19-Jähriger, der nach seiner Ausbildung eine Familie gegründet hat und mit beiden Beinen im Leben steht, seine Strafe nach dem Erwachsenenstrafrecht. So genannte “Spätentwickler” erfahren also die Vorteile des Jugendstrafrechts.

Darüber hinaus kann Jugendstrafrecht zur Anwendung kommen, wenn es sich um eine typische Tat von Jugendlichen handelt. Beste Beispiele sind hier das Fahren ohne Fahrerlaubnis, der Ladendiebstahl, Graffitisprühereien, Drogendelikte oder Straftaten bei einer Mutprobe – all diese Taten spiegeln jugendtypisches Verhalten wider und können das mildere Jugendstrafrecht zur Anwendung bringen. Quelle: www.eplinius.de/

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