Avantgarde von ihrer fragilen Seite Komponistenforum des IfM mit Charlotte Seither

Von Ralf Döring

Komponistenforum: Sopranistin Angela Postweiler, Pianist Sebastian Berweck und Komponistin Charlotte Seither. Foto: Jörn MartensKomponistenforum: Sopranistin Angela Postweiler, Pianist Sebastian Berweck und Komponistin Charlotte Seither. Foto: Jörn Martens

Osnabrück. Zeitgenössische Musik ist kein Quotenhit – das belegte das Komponistenforum mit Charlotte Seither im Lutherhaus. Dafür waren diejenigen, die gekommen waren, umso enthusiastischer.

Die Musik von Charlotte Seither ist minimalistisch, bis zur Zerbrechlichkeit fragil – und zugänglich. Letzteres mag überraschen, schließlich ist Seither eine profilierte Komponistin, die zwar keine Probleme hat, dem etablierten Musikbetrieb die Hand zu reichen, aber doch ihre Mittel auslotet, um dem weiten Feld der musikalischen Avantgarde substanziell Neues hinzuzufügen. Ein Spagat, den die Pfälzerin locker vollführt.

Jetzt war sie im Lutherhaus zu Gast beim Komponistenforum des Instituts für Musik. Seit 2001 bietet Irmgard Brockmann dieses Forum für zeitgenössische Musik an, und zumindest im Hochschulbetrieb hat es sich etabliert. In der Breite des Osnabrücker Musikbetriebs tut sich die Neue Musik hingegen seit jeher schwer –schade.

Dabei würde sich gerade Seithers Musik eignen, ein paar Hemmschwellen abzubauen, wie ein einstündiges Konzert mit der Sopranistin Angela Postweiler und dem Pianisten Sebastian Berweck vorführt. Denn die Gesangslinie scheut sich nicht einer tonal gebundenen Melancholie, Basstöne im Klavier geben Orientierung wie eine Kompassnadel. Gleichzeitig deckt Postweiler ein breites Spektrum vom Flüstern über Vogelgezwitscher und -gegurre bis hin zum klassischen Operngesang. Und wenn Berweck ins Klavier greift, entstehen Klänge, die in ihrer Reinheit und Schönheit überraschen und einnehmen.

Ja, und auch humorvoll darf es da mal zugehen –gut, dass es wenigstens dieses eine Forum für Neue Musik in Osnabrück gibt.