Guerilla-Marketing der Ameos-Azubis Giftgrüne Protest-Aufkleber verärgern Stadt Osnabrück

Meine Nachrichten

Um das Thema Osnabrück Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.


Osnabrück. Hunderte giftgrüne Aufkleber haften an Mülleimern, Straßenlaternen und Bauzäunen in der Osnabrücker Innenstadt. Auszubildende der Ameos-Kliniken in Osnabrück wollen mit ihnen auf ihre Situation aufmerksam machen. Die Stadt ärgert die Aktion: Die Klebe-Botschaften seien kaum wieder zu entfernen.

Wer dieser Tage mit wachem Blick durch die Große Straße in Osnabrück spaziert, könnte meinen, die städtischen Service-Betriebe hätten die Mülleimer gestrichen: Giftgrün-gesprenkelt strahlen sie aus der Ferne. Wer sie aus der Nähe betrachtet, erkennt: Sie sind lediglich beklebt – mit Hunderten von Sprüche-Stickern.

„Uns geht die Puste nicht aus!“, steht auf den Meisten. „Die Auszubildenden von AMEOS kämpfen weiter!“, prangt es von einigen. An manchen Stellen gesellen sich zu den professionell gedruckten Botschaften handschriftliche Kampfansagen in ähnlichem Duktus.

Protest für bessere Bezahlung

Die Absender der grünen Protest-Nachrichten wollten auf ihre Situation aufmerksam machen, berichtet Nicole Verlage, Verdi-Gewerkschaftssekretärin. Verdi unterstütze die Azubis bei der Aktion. Deren Hintergrund: Auch in Osnabrück hatte der Klinik-Konzern Ameos vor einem Jahr den Tarifvertrag gekündigt. Seitdem verdienen die neuen Auszubildenden weniger als vorherige Jahrgänge, so Verlage. Die Ameos-Angestellten traten Ende September in den Streik. Am vergangenen Freitag demonstrierten die jungen Mitarbeiter in Osnabrück für einen neuen Tarifvertrag. „Es gibt heutzutage aber vielschichtigere Möglichkeiten für Aufmerksamkeit zu sorgen als den Straßenkampf“, sagt die Verdi-Mitarbeiterin.

Genau das sei das Ziel der giftgrünen Aufkleber. Mehr als Tausend Exemplare druckten die Azubis. Sie kleben inzwischen an Straßenlaternen, Mülleimern, Bauzäunen und Skulpturen in der Innenstadt. „Die jungen Leute wollten sich mit einer lockeren, lustigen Aktion Gehör verschaffen“, erklärt Verlage.

„Einzeln abknibbeln“

Die Stadt Osnabrück findet die Idee allerdings alles andere als lustig. „Bei allem Verständnis und Respekt für die Lage und die Forderungen der Azubis: Für uns sind die Aufkleber ein Riesen-Ärgernis“, sagt Stadtsprecher Sven Jürgensen auf Nachfrage unserer Redaktion. Einmal angepappt seien die Sticker kaum noch zu entfernen. Die Mitarbeiter des Osnabrücker Servicebetriebs müssten theoretisch jeden einzelnen von ihnen abknibbeln. „Dafür hat die Stadt weder das Geld noch die Zeit“, so der Sprecher. Unabhängig davon sei die undankbare Tätigkeit den Mitarbeitern kaum zuzumuten. Eine Genehmigung hätten die Azubis nicht eingeholt.

Weitere Aktionen geplant

Ob die jungen Ameos-Beschäftigten in den nächsten Tagen weitere Aufkleber verteilten, wollte Verdi-Mitarbeiterin Verlage nicht verraten. Das Engagement gehe weiter, sagt sie. Die Azubis hätten noch einige Ideen auf Lager.

Bei der Stadt könnte das angesichts der mangelnden Begeisterung über die aktuelle Protestform als schlechte Nachricht aufgefasst werden. „Ob die Botschaft damit überhaupt die Richtigen erreicht, sollen andere beurteilen“, bemerkte Jürgensen. Die Stadt appelliere jedoch an die Azubis, selbst einmal zu versuchen, die Sticker zu entfernen. „Das ist einfach eine Last.“


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN