Verein Endzoo legt nach Weiter Streit um Affenhaltung im Zoo Osnabrück

Von Sebastian Stricker

Der Zoogegner-Verein Endzoo kritisiert die Haltung von Schweinsaffen am Schölerberg. Der Zoo Osnabrück wiegelt ab – und weiß das Veterinäramt hinter sich. Foto: Gert WestdörpDer Zoogegner-Verein Endzoo kritisiert die Haltung von Schweinsaffen am Schölerberg. Der Zoo Osnabrück wiegelt ab – und weiß das Veterinäramt hinter sich. Foto: Gert Westdörp

Osnabrück. Nach dem Direktor des Allwetterzoos in Münster hat nun auch der Zoogegner-Verein Endzoo die Haltung von Schweinsaffen am Schölerberg öffentlich kritisiert. Er nennt die Unterbringung von drei Tieren im Innengehege eine „Farce“ und verweist auf eigene Filmaufnahmen, die Leiden belegen sollen. Der Zoo Osnabrück wiegelt ab – und weiß das Veterinäramt hinter sich.

Endzoo-Vorsitzender Frank Albrecht spricht in einer am Mittwoch verbreiteten Mitteilung von einer „skandalösen und mehr als beengten Primatenhaltung“. Dabei beruft er sich auf Beobachtungen an zwei Tagen im August.

Aktivisten seiner Organisation hätten damals drei männliche Schweinsaffen während der gesamten Besucherzeit „auf nur knapp 30 Quadratmeter eingepfercht“ vorgefunden. Die Tiere hätten „aufgrund der qualvollen Enge bereits extreme Verhaltensstörungen gezeigt“ und seien auf blanken Fliesen fast unentwegt im Kreis gelaufen. Dies seien „nachweislich Anzeichen für Leiden“. Der Verein habe in Anbetracht der „jämmerlichen Bilder“ bereits am vergangenen Freitag das Veterinäramt eingeschaltet.

Zu voll, zu laut, zu eng

Erhebliche Zweifel hegt die in Nürtigen (Baden-Württemberg) beheimatete Organisation, die eine Abschaffung aller Zoos fordert, auch an Aussagen des Zoos Osnabrück, mit denen unlängst die Kritik des scheidenden Allwetterzoo-Direktors Jörg Adler aus Münster erwidert wurde. Dieser hatte im Oktober in einem Interview behauptet, den Affen gehe es seit der Eröffnung des Affentempels schlechter als vorher. Die Osnabrücker Zooführung erklärte daraufhin, dass es den Osnabrückern Schweinsaffen „sehr gut“ gehe. Begründet wurde dies unter anderem mit erheblichem Raumgewinn durch den Umbau des alten Betonfelsens zu einer fernöstlich inspirierten Ruine.

Grundsätzlich erachte Endzoo das „veraltete und absolut reizarme Affenhaus für alle Primaten als extrem überbevölkert, viel zu laut und beengt“, heißt es in der Mitteilung weiter. Vorsitzender Albrecht fordert deshalb eine „Reduzierung des gesamten Affenhausbestandes“ sowie eine Verringerung der Anzahl gehaltener Arten.

Zur Sicherheit separiert

Der Zoo Osnabrück nahm zu den Vorwürfen noch am Mittwochnachmittag Stellung. Die drei genannten Schweinsaffen seien „übergangsweise aus Tierschutzgründen und unter veterinärmedizinischer Beobachtung in dem Innengehege“ gehalten worden, heißt es.

Wissenschaftliche Mitarbeiter und Tierpfleger des Zoos hätten zunehmende Rangkämpfe in der Gruppe beobachtet. „Um Verletzungen zu vermeiden, entschieden sie sich, die jungen Tiere herauszunehmen.“ Die drei Affen hätten sich „vorübergehend“ in dem Innengehege befunden, wo Endzoo sie filmte. Dann seien sie in eine Junggesellengruppe mit zwei weiteren Männchen umgezogen. Dort stehen ihnen nach Angaben des Zoos zwei Innen- und zwei Außenbereiche zur Verfügung. Über kurz oder lang werde man sich aber von den fünf Schweinsaffen trennen. Denn weiter heißt es: „Parallel kontaktieren die wissenschaftlichen Mitarbeiter weltweit andere Zoos, um die Tiere zu vermitteln.“

„Ruhig und entspannt“

Mit Bezug auf das größtenteils im Zeitraffer wiedergegebene Endzoo-Video erklärt der Zoo, die aufgenommene Verhaltenssequenz zeige keine Stereotypie, weil der Affe „ruhig und entspannt“ die Grenzen seines Geheges abgehe und „interessiert nach draußen schaut“. Zwischendurch komme es auch zur Nahrungsaufnahme. Die Situation sei also nicht – wie von Endzoo behauptet – qualvoll, sondern „weitaus entspannter als in der aggressiven Gruppensituation im Harem“. Eine Reduzierung des gesamten Affenbestandes im Affenhaus erfolge im Übrigen laufend.

Auflagen vom Amt

Das zuständige Veterinäramt, angesiedelt beim Landkreis Osnabrück, erkennt in der vom Zoo gewählten Zwischenlösung zur Unterbringung der gemobbten Schweinsaffen „kein tierschutzrechtliches Problem“, wie Sprecher Burkhard Riepenhoff am Mittwochabend auf Anfrage unserer Redaktion erklärte. „Das war nicht anders zu lösen.“ Es habe dem Zoo jedoch zur Auflage gemacht, der inzwischen fünfköpfigen Außenseiter-Gruppe „einige Spielereien gegen die Langeweile“ in ihr Gehege zu bauen. Da habe die Behörde „ein Auge drauf“.