NOZ-Blätterwald in Bramsche Alles hat seinen Preis: Bäume auch

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Bramsche. Alles hat seinen Preis – auch die Natur. Frederic Vester, habilitierter Biochemiker, Umweltexperte und Autor vieler Bücher, nahm diese Aussage im Jahr 1984 wörtlich und machte eine detaillierte Rechnung für den volkswirtschaftlichen Wert eines Baums auf. Mit Blick auf den NOZ-Blätterwald, der am 30. November in Bramsche-Engter entstehen wird, stellen wir die Baum-Mathematik des Vordenkers der Umweltbewegung vor.

Nicht dass der vor elf Jahren verstorbene Verfechter einer ökologisch-nachhaltigen Wirtschafts- und Lebensweise schlicht den Holzpreis eines Baums benannt hätte, Vesters Rechnung ging vielmehr aufs Ganze: Am Ende einer insgesamt 20 Positionen zählenden Rechnung steht unter Berücksichtigung der Inflation die Summe von rund 4900 Euro jährlich für die Leistungen, die eine alte, große Buche volkswirtschaftlich danach erbringe.

Bezogen auf die Lebenszeit von 100 Jahren ergibt sich bei dieser Rechnung heute die Summe von 490000 Euro an Naturkapital, das ein einzelner großer Baum in 100 Jahren demzufolge schaffe.

Vester legte seiner Rechnung eine 25 Meter hohe, circa 100 Jahre alte Buche mit zweieinhalb Festmetern Holzinhalt zugrunde und hielt fest, dass der volkswirtschaftliche Wert des Baums im Laufe seines langen Lebens seinen bloßen Holzwert um fast das 2000-Fache übertreffe.

Die Rechnung Vesters zum Wert eines Baums – so der gleichlautende Titel eines 1986 veröffentlichten Buchs – gliederte sich auf in die Berechnung der Leistung eines Baums für sich allein gesehen und die Berechnung der Leistungen, die der Baum in der Gemeinschaft des Waldes erbringt.

So bezifferte Vester neben dem Holzwertzuwachs unter anderen auch Faktoren wie den Wert des Baums als Fotosynthese-Maschine, als Wasserspeicher, als Faktor für das Bodenleben, als Partner für Symbiose, als Filter und Bioindikator sowie als Aufenthaltsort.

Für den Wert des Baums in der Gemeinschaft des Waldes schlagen in Vesters Berechnung Faktoren wie der Wald als Sammel- und Jagdrevier, der Baum als Klimaregler, sein Nutzen für den Wasserhaushalt, der Baum als Humusproduzent, sein Beitrag zur Artenvielfalt, seine Funktion im Bereich Abschirmung sowie Erosions- und Lawinenschutz und nicht zuletzt sein Erholungswert zu Buche.

Vesters Rechnung war mit starken Appellen für den Naturschutz verbunden. So kam er zum Schluss, dass der volkswirtschaftliche Wert der Bäume in Deutschland das Zweieinhalbfache des damaligen Bruttosozialproduktes betragen habe.

Vester zog Bilanz: „So viel müsste unsere Volkswirtschaft Jahr für Jahr zusätzlich aufbringen, wenn sie all diese zum Teil lebenswichtigen, aber praktisch kostenlosen Funktionen der Bäume durch eigene Leistungen ersetzen wollte – eine ohnehin illusorische Vorstellung!“


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