50 Jahre Kita St. Bonifatius Osnabrücker Kinder reisen in die 1960er Jahre

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Osnabrück. Nein, das ist keine Frisbee-Scheibe, sondern eine Schallplatte. Und auch das Telefon stellt die Vorschulkinder vor ein Rätsel. Eine Wählscheibe kennen sie nicht. Zum 50-jährigen Bestehen des Kindergartens St. Bonifatius wurde ein Raum mit Alltagsgegenständen aus der Zeit um 1964 eingerichtet.

Die Idee zu dieser Zeitreise hatte Erzieherin Jana Stephan: In dem Seniorenheim, in dem ihre Oma lebt, werden manchmal Gegenstände aus der Jugendzeit der Bewohner präsentiert, um in Erinnerungen zu schwelgen. Ein Blick zurück könnte doch auch für Kinder, deren Eltern und Großeltern interessant sein, dachte sie sich und erhielt die Unterstützung vom gesamten Team.

Kita-Leiterin Schwester Dominik hatte auch sofort ein paar Dinge im Kopf, die sie bei Johanthans und Annas Laden in der Johannisstraße gesehen hat. Dort werden oft Einrichtungsgegenstände aus Haushaltsauflösungen zum Verkauf angeboten. Bei Filialleiterin Anke Osmaers rannte die Ordensfrau offene Türen ein: „Nehmen sie doch noch mehr mit!“ Und auch das Transportproblem war schnell gelöst: Die Sachen wurden ins Widukindland geliefert.

Als Gegenleistung für diese Hilfsbereitschaft versprach Schwester Dominik, den Erlös des Martinsfestes am Freitag der gemeinnützigen GmbH Möwe zu spenden. In dem von Möwe betriebenen Laden werden langzeitarbeitslose Menschen qualifiziert, gefördert und beschäftigt, um sie wieder in den Arbeitsmarkt zu integrieren.

Ob Tretnähmaschine, Zinkbadewanne, klobiges Tonbandgerät, Kaffeemühle oder der Glücksklee-Dosenmilchöffner – für die Kinder bietet der Raum Einblicke in eine für sie fremde Welt. Ein Exemplar des Bilderbuches „Häschenschule“ ist ebenfalls zu finden. 1964 passte es noch in die deutsche Familienwelt, in den antiautoriräten 70ern wurde es verbannt und ist heute wieder bei vielen beliebt.

Einen ganz besonderen Beitrag steuert Pastor Heiner Langewand bei: Ein Heft der Bundesligasaison 1965/66, für das er fast alle Bilder der Spieler von den damals beteiligten 18 Mannschaften gesammelt hatte. Zu sehen ist ein blutjunger Günter Netzer, der spätere Torschützenkönig Lothar Emmerich und natürlich noch einmal die Weltmeisterelf von 1954.

Das Museumszimmer ist bis zum Martinsfest am kommenden Freitag zu sehen. In der Jubiläumsfestwoche gab es bereits eine Modenschau mit Kleidung aus den 60er Jahren. Auf den Tisch kommt ein in dieser Zeit sehr beliebtes, weil preiswertes Gericht: Himmel (Äpfel) und Erde (Kartoffeln).

Die Zeitreise findet ihreem Höhepunkt beim Martinstag. Zu dem Beatles-Song „Twist and shout“ wird der vor 50 Jahren außerordnetlich beliebte und von den Älteren belächelte Twist getanzt. Der Tanz gab einem damals äußerst populären Spiel den Namen: Gummitwist. Auch Seilchenspringen darf dabei nicht fehlen. Die Erzieherinnen sind vorgewarnt: Sie sollten zu dem Fest mit flachen und bequemen Schuhen erscheinen. Die Orchesterklasse der Gesamtschule Schinkel wird das Fest musikalisch begleiten. Der Erlös aus dem Verkauf von Brezeln, Berlinern und Getränken geht an die Möwe.

Der Kindergarten St. Bonifatius war 1964, sechs Jahre nach dem Bau der Kirche, eröffnet worden. Damals gab es drei Halbtagsgruppen. Heute gibt es immer noch drei Gruppen, zwei für Drei- bis Sechsjährige und eine Krippengruppe für Kinder unter drei Jahren. Diese und eine weitere Gruppe sind ganztags geöffnet.


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