Urgewaltiges Familienstück Premiere von „Ronja Räubertochter“ im Osnabrücker Theater

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Pure Lebensfreude strahlt Anja S. Gläser als Ronja aus. Im Bild liefert sie sich gerade ein Wettspringen mit ihrem Räuberfreund über den Höllenschlund.Foto: Uwe LewandowskiPure Lebensfreude strahlt Anja S. Gläser als Ronja aus. Im Bild liefert sie sich gerade ein Wettspringen mit ihrem Räuberfreund über den Höllenschlund.Foto: Uwe Lewandowski

Osnabrück. Ziemlich wild und energisch geht es in Ramin Anarakis Inszenierung von „Ronja Räubertochter“ zu, das als Oskar-Familienstück im Theater am Domhof Premiere hatte. Doch auch in einer Räuberfamilie geht es um Liebe, Freundschaft und Abnabelung.

Zum Auftakt gibt es Donner und Blitz. Aus der grauen Burgkulisse dringen die Schreie einer Gebärenden, kurz darauf präsentiert Räuberhauptmann Mattis seiner Bande mit Vaterstolz ein kleines Bündel: Ronja Räubertochter ist geboren!

Was da so urgewaltig beginnt, ist der Einstieg der neuen Oskar-Produktion „Ronja Räubertochter“, die am Sonntag als „Abenteuermärchen zu Weihnachten“ im Theater am Domhof Premiere hatte. Ausgehend von Barbara Hass’ Bühnenbearbeitung der 1981 erschienenen Kinderbuchvorlage von Astrid Lindgren, zauberte Regisseur Ramin Anaraki ein 65-minütiges Familienstück zum Gucken und Staunen für ein Publikum ab sechs Jahren.

Themen wie Erwachsenwerden, Freundschaft und die mitunter schmerzhafte Abnabelung von der Familie stehen im Zentrum der Geschichte um die eigenwillige Ronja, die sich mit dem Sohn der gegnerischen Räubersippe anfreundet. Im Part des wilden Räubermädchens strahlte Darstellerin Anja S. Gläser kindliche Neugier wie pure Lebensfreude aus: Im bunten Kleidchen und mit zerzaustem Haar erkundet sie den aus Baumstämmen und gewaltigem Wurzelwerk bestehenden Mattiswald (Bühne/Kostüme: Margrit Flagner), lernt Rumpelwichte und Graugnome kennen oder liefert sich mit Räubersohn Birk Borkasohn (Thomas Hofer) ein Wettspringen über den Höllenschlund.

Fabian Baumgarten als Mattis gab dazu einen herrlich wilden Räubervater ab, der sein Kind wie wahnsinnig liebt, wenn er sich nicht gerade einen Zweikampf mit Gegner Borka (Alexandre Pierre) liefert. Als energische Räubermutter Lovis sang Christine Diensberg Kind und Räuber in den Schlaf und verpasste den verdreckten Mannsleuten schon mal eine kräftige Schneedusche.

Den raschen Wechsel von Burg- und Waldkulisse ermöglichte ein drehbares Bühnenbild, das wie ein Guckkasten den Blick frei- gab auf den rückwärtigen Burgteil mit Schlafkojen und dem Keller voller Diebesgut. Für die zünftige Räubermusik mit Gitarre, Geige und Gesang sorgten Eberhard Schneider und Mikhail Vernov, wobei schrille Geigentöne auch für die bösen Wilddruden standen.

Dramaturgisch hielten sich Elisabeth Zimmermann und Peter Helling an das derbe Räubervokabular der Lindgren-Vorlage; als Erzähler führte Räubersenior Glatzen-Per (Marius Lamprecht) durch die Geschichte und fasste längere Handlungsstränge zusammen.

Anrührend liebevoll wiedrum die Szene, in der die Räubermütter Lovis und Undis (Rébecca Marie Mehne) am Bühnenrand stehen und heimlich über ihre in den Wald geflüchteten Kinder wachen. Gerade hier wurde die zeitlose Sehnsucht nach Geborgenheit spürbar, die in jedem kleinen und großen Räuber steckt.

Weitere Familienvorstellungen : So. 16.11., 14.30 Uhr; So. 30.11., 14.30 u. 16.30 Uhr. Kartentel. 0541/7600076.


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