Nach 3-D-Tatortanalyse Osnabrücker Frauenarzt vor Gericht: mehr Blutspuren

Vor dem Landgericht Landshut ist der frühere Chefarzt der Gynäkologie im Marienhospital Osnabrück wegen Totschlags angeklagt. Foto: Renate SchmidtVor dem Landgericht Landshut ist der frühere Chefarzt der Gynäkologie im Marienhospital Osnabrück wegen Totschlags angeklagt. Foto: Renate Schmidt

temp Osnabrück/Landshut. Auch am zweiten Verhandlungstag im Totschlagprozess gegen den Osnabrücker Frauenarzt vor dem Landgericht Landshut sind hochinteressante Details bekannt geworden. Kriminaltechniker berichteten am Montag von einer digitalen 3-D-Analyse des mutmaßlichen Tatorts.

Der Täter – entweder der Angeklagte oder ein bislang unbekannter Dritter – hat den Tatort offenbar von größeren Blutspuren gereinigt, bevor Nachbar, Notarzt, mehrere Rettungssanitäter und Polizeibeamte die Leiche von Brigitte B. am Abend des 4. Dezember 2013 zu sehen bekamen. Sie alle glaubten zunächst, dass die Frau bei einem unglücklichen Sturz ums Leben gekommen sei, weil sie im Bad, wo sie lag, nur eine einzige Blutspur sahen: eine kleine Lache auf dem Badezimmerboden, am Kopf der Leiche. Erst die Obduktion am folgenden Tag ergab, dass Brigitte B. nicht durch einen Unfall starb, sondern Opfer eines Gewaltverbrechens geworden war.

Gründlich geputzt

Die Spurenspezialisten der Kripo Erding und des bayerischen Landeskriminalamts (LKA) zeigten dem Gericht in einem digitalen 3-D-Film nun, dass im Bad gründlich geputzt worden war. Die Kriminalbeamten hatten dazu den Tatort mit der Substanz Luminol eingesprüht, mit der selbst kleinste Spuren Blut wieder sichtbar gemacht werden können. Das Bad und der Vorplatz im Flur wurden demnach großflächig nass gereinigt.

Zwar hatte der Angeklagte am ersten Prozesstag gesagt, er selbst habe sein Haus geputzt, nachdem Notarzt und Polizei zunächst von einem Unfalltod seiner Frau ausgegangen waren. Doch die Luminol-Bilder, die ein Sachverständiger am Mittwoch noch einmal detailliert erklären wird, zeigten, dass offenbar nicht nur die kleine Blutlache am Boden, sondern weitere Blutspuren in anderen Ecken und am Unterschrank der Waschbecken weggeputzt wurden. Das muss allerdings geschehen sein, bevor die Außenstehenden ins Haus kamen.

Sturz nicht plausibel

Denn der Notarzt, der in der Todesbescheinigung einen „häuslichen Unfall“ als Todesursache angekreuzt hatte, kam unter anderem zu dieser irrigen Annahme, da er nur die kleine Blutlache neben dem Kopf der Leiche sah. Auch sonst hatte am Abend des 4. Dezember niemand im Bad, im Flur davor oder auf der Treppe irgendwelche Blutspuren gesehen. Ein Polizeibeamter sagte, er habe sich sogar jede Stufe der Treppe ins Dachgeschoss genau angeschaut. Ein Rettungssanitäter sagte, er habe sich ebenfalls nach Blutspuren umgeschaut und definitiv nichts gesehen – „das wäre mir aufgefallen“. Ihm kam die Unfalltheorie aber auch so „komisch“ vor. Dass die Leiche auf der Seite lag – fast schon wie in stabiler Seitenlage – und nur ein sehr kleiner Blutfleck zu sehen war, sei für ihn „nicht ganz plausibel“ mit einem unglücklichen Sturz zu vereinbaren gewesen.

„Konnte nicht helfen“

Allerdings wurde die Annahme, Brigitte B. sei durch einen Sturz ums Leben gekommen, am Tatabend durch Hinweise des Angeklagten zusätzlich bestärkt: So sagte er einem Beamten des Kriminaldauerdienstes, der ihn als Erster polizeilich befragte, dass seine Frau schon öfter gestürzt sei. Zudem wies er den Polizeibeamten, den Notarzt und die Rettungssanitäter darauf hin, dass seine Frau ein Alkoholproblem hatte. Die Fahrerin des Notarztes erinnerte sich an einen „einprägsamen Satz“. Der Angeklagte habe gesagt: „Ich habe sehr, sehr vielen Frauen helfen können, nur meiner Frau nicht.“

Da die Ergebnisse eine Laboruntersuchung mit sehr schlechten Leberwerten seiner Ehefrau auf dem Tisch lagen, habe sie sogleich verstanden, dass er ein Alkoholproblem seiner Frau ansprach.

Der Prozess wird am Mittwoch fortgesetzt.