Drei Angeklagte in Osnabrück Einbruch bei VfL-Ultras: 21-Jähriger muss ins Gefängnis

Von Stefan Buchholz

Drei junge Einbrecher mussten sich vor Gericht verantworten. : Symbolfoto: Colourbox.deDrei junge Einbrecher mussten sich vor Gericht verantworten. : Symbolfoto: Colourbox.de

Osnabrück. Von der Einstellung des Verfahrens bis zur Verhängung einer Jugendstrafe reichte jetzt die Palette an Beschlüssen und Urteilen in einem Diebstahlsprozess vor dem Amtsgericht Osnabrück. Angeklagt waren drei Männer zwischen 15 und 21 Jahren aus Bramsche und Osnabrück.

Wegen unklarer Aktenlage ließ das Gericht im Vorfeld neun Zeugen laden. Doch nicht einen von ihnen brauchten die Prozessbeteiligten zu hören. Denn alle drei Angeklagten räumten die ihnen vorgeworfenen Taten ein.

15-Jähriger gesteht Diebstahl

Schnell beendet war der Prozess deshalb für einen 15-jährigen Bramscher. Er gestand, in einem Supermarkt vier Tafeln Schokolade im Wert von zwei Euro gestohlen zu haben. Weil er sich bis dahin noch nie etwas hatte zuschulden kommen lassen, stellte der Richter das Verfahren gegen ihn ein. Allerdings nur vorläufig: Leiste der Jugendliche die ihm aufgebrummten zehn Arbeitsstunden nicht ab, sehe man sich vor Gericht wieder, gab der Richter dem Jugendlichen mit auf den Weg.

Diebstahl und drei weitere Delikte

Beim Schokoladenklau assistiert hatte ihm ein 18-jähriger Osnabrücker. Weil dieser in dem Supermarkt eigentlich Hausverbot hatte und dem Ladenpersonal somit hinlänglich bekannt war, war die krumme Tour der beiden schnell aufgeflogen.

Zum Vorwurf des Diebstahls von geringwertigen Sachen kamen bei dem 18-Jährigen noch drei weitere Delikte hinzu. So räumte er den Diebstahl eines Smartphones aus der Wohnung eines Bekannten ein. Zudem hatte er Fotografien von Choreografien aus dem Vereinsheim der Violet Crew, einer „Ultra“-Fangruppierung des VfL-Osnabrück, gestohlen.

Zusammen mit dem dritten Angeklagten, einem 21-Jährigen, war er nach einer Zechtour in die Klubräume der Fußballfans eingedrungen. „Die Tür war aber offen, und er hat nur die überall rumliegenden Bilder mitgenommen“, gestand auch der 21-Jährige seine Tatbeteiligung. Von dem von der Violet Crew zusätzlich aufgelisteten Diebesgut wie Bargeld, einem Tower-PC und einer hochwertigen Kameraausrüstung sowie mehreren Flaschen Alkohol hätten sie nichts gesehen, geschweige denn etwas mitgenommen, beteuerten beide. Auch umfangreiche Hausdurchsuchungen waren erfolglos geblieben.

Hohe Mauer überwunden

Nachdem sie die Vereinsräume der „Ultras“ verlassen hatten, verschafften sie sich Zutritt zu einem weiteren Haus auf dem ehemaligen Güterbahnhofgelände. Der 21-Jährige überwand zusätzlich eine drei Meter hohe Mauer und landete in einem Büro, wo er eine Tasche mit einem Laptop fand. „Ich nahm sie, und in dem Moment kamen zwei Männer rein“, schilderte der 21-Jährige. Sie verlangten seinen Ausweis, schlugen ihm zwei blaue Augen und ließen ihn dann ziehen. Sein Personaldokument entdeckten wenig später Polizisten, die auch den 18-Jährigen bei dieser Gelegenheit in den anderen Büroräumen aufspürten.

Den jüngeren Mann verurteilte der Richter zu der vom Staatsanwalt beantragten Strafe: Da der 18-Jährige zeitlebens mit einer geistigen Einschränkung zu leben hat, wird er wegen dreier Diebstähle und eines Falls von Hausfriedensbruch zunächst einmal zu Freizeitarrest verurteilt. „Zweitens müssen Sie nun bald ein Praktikum bei den Beschützenden Werkstätten beginnen. Machen Sie das nicht, geht es für vier Wochen in den Arrest“, entschied der Richter.

Wegen versuchten Diebstahls bekam der 21-Jährige eine sechsmonatige Jugendstrafe ohne Bewährung aufgebrummt. Für eine Bewährung erwies sich sein Vorstrafenregister als einfach zu lang. Außerdem hatte der junge Mann nach Ansicht des Gerichts seit den letzten Straftaten zu wenig Anstrengungen unternommen, um sein Leben in bessere Bahnen zu lenken. Noch im Gericht kündigte seine Anwältin Berufung gegen das Urteil an.