„Ich hatte Tränen in den Augen“ Wallenhorster erlebte mit Helmut Kohl den Mauerfall

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Karl-Heinz Hornhues erinnert sich an den Mauerfall. 

            

              Foto: Christoph GraniecznyKarl-Heinz Hornhues erinnert sich an den Mauerfall. Foto: Christoph Granieczny

Wallenhorst. Der ehemalige Bundestagsabgeordnete Karl-Heinz Hornhues erinnert sich, wie er an der Seite von Helmut Kohl den 9. November 1989 erlebte. Der Wallenhorster Hornhues war damals stellvertretender Vorsitzender der CDU-Bundestagsfraktion und war zusammen mit Bundeskanzler Kohl vom polnischen Ministerpräsident Tadeusz Mazowiecki zum Abendessen in ein Hotel in Warschau eingeladen worden. Im Interview mit unserer Redaktion berichtet er, wie er vom Mauerfall erfuhr.

Herr Hornhues, wie erreichte Sie am Abend des 9. November 1989 die Nachricht vom Mauerfall?

Ich war damals zuständig für die Außenpolitik und sollte Kontakte zur neuen Solidarnosc-Regierung knüpfen. Deshalb war das eigentlich ein wichtiger Besuch. Dennoch hatte ich in von einem Moment auf den anderen das Gefühl, dass ich auf der falschen Party war. Bundeskanzler Helmut Kohl und der polnische Ministerpräsident hatten Tischreden gehalten und wir waren gerade beim Nachtisch angekommen, da reichte mir mein Gegenüber einen Zettel mit der Aufschrift: „Die Mauer ist offen.“

Was haben Sie dabei gefühlt?

Das hat mich umgehauen. Die Gefühle, die kann man gar nicht beschreiben. Es kam dazu, dass die Polen, die rechts und links neben mir saßen, mir die Hand drückten. Ich hatte Tränen in den Augen, als sie mir erzählten, dass die Abgeordneten im Bundestag die deutsche Nationalhymne singen. Es war eine tiefemotionale Angelegenheit. Und das blieb es in den kommenden Tagen auch.

Wie haben Sie reagiert?

Ich dachte: Wie kommen wir hier bloß weg? Auch die Journalisten tobten: „Wer hat uns bloß hierhin gelockt. Wie kommen wir jetzt nach Berlin?“ Auch alles aus der Wirtschaft, was Rang und Namen hatte, war mit dabei. Über die Standleitung ins Kanzleramt kamen nur ganz bruchstückhaft Informationen über und so erfuhren wir im Hotel erst übers Fernsehen in der Nacht, dass Hunderttausende die DDR verließen. Kohl ordnete aber danach an, dass die Abgeordneten in Warschau zu bleiben hätten, denn er habe den Polen versprochen, er komme wieder. Damit die das auch glaubten, müssten wir da bleiben. Kurz bevor es soweit war, sagte er dann aber doch zu uns: Ihr könnt auch mit.

Wie war ihre Ankunft in Berlin?

Vor dem Schöneberger Rathaus in Berlin empfingen uns nur etwa 5000 linke Chaoten, die pfiffen, als sie Kohl saßen. Kohl war verdutzt und fragte, wo sind denn die jubelnden Berliner? Die Hunderttausenden jubelnden Berliner empfingen uns dann endlich an der Gedächtniskirche. Da war dann endlich die ersehnte Party. Mehr kann man in meinem Buch zur Deutschen Einheit „Deutschland einig Vaterland“ lesen.

Mehr Berichte zum Mauerfall lesen Sie hier auf unserem Themen-Special zum Mauerfall.


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