Ein „Querkopf“ im Wilden Westen Träger des Inklusionspreises des Landkreises Osnabrück probt Stück

Von Horst Troiza

Die Darsteller von „Querkopf“ in Bühnenkostümen bei den Proben zur neuen Produktion, einem Western. Links sitzend Gaby Bartkowski-Goedecke und Olli Borg, die das Amateur-Ensemble leiten. Foto: Swaantje HehmannDie Darsteller von „Querkopf“ in Bühnenkostümen bei den Proben zur neuen Produktion, einem Western. Links sitzend Gaby Bartkowski-Goedecke und Olli Borg, die das Amateur-Ensemble leiten. Foto: Swaantje Hehmann

Bramsche. Als Erfolg und Ermutigung empfinden Verantwortliche und Mitglieder der integrativen Musik- und Theatergruppe „Querkopf“ die Verleihung des erstmalig ausgelobten Inklusionspreises des Landkreises Osnabrück, den die Truppe gemeinsam mit einem weiteren Preisträger zugesprochen bekam. Die Proben für das neue Stück „Fünf Uhr mittags“, einen Western, haben dadurch weiteren Schwung erhalten.

Hier geht alles normal zu. Auf der Bühne der Alten Webschule sind mehr Indianer als Häuptlinge, die anwesenden Cowboys tragen Hüte und haben Colts im Holster, und ein Lagerfeuer gibt es auch. Das Ensemble „Querkopf“ ist aber anders als „normal“ – hier spielen Theaterbegeisterte mit und ohne Behinderung zusammen, seit fast zwei Jahrzehnten.

„Ja, wir sind richtig gut drauf. Das sind wir eigentlich immer gewesen, seit wir uns vor 18 Jahren gegründet haben“, kommentiert Gaby Bartkowski-Goedecke. Die pädagogische Leiterin des „Querkopf“-Projekts hat bemerkt, dass der Spaßfaktor der Beteiligten mit der Verleihung des Inklusionspreises noch merklich gestiegen ist. „Wir sind stolz und freuen uns natürlich über diese Auszeichnung. Es passt, dass wir uns gerade jetzt wieder in einer neuen Produktion befinden.“

Weitere Auftritte

Ob sich durch den Preis etwas verändert hat? „Auf alle Fälle“, erklärt sie. Bisher sei die Außenwirkung von „Querkopf“ im überschaubaren Bereich gewesen, nun sehe die Sache anders aus. So habe Bramsches neu gewählter Bürgermeister Heiner Pahlmann anfragen lassen, ob die Gruppe bei seiner offiziellen Amtseinführung am 27. November auftreten könne. „Er hat in der Neuen OZ davon gelesen und hätte gern, dass wir einen oder zwei Beiträge liefern.“

Die Theatergruppe unter dem Dach des Vereins Universum war Ende September zusammen mit der Baumschule Trentmann aus Bad Rothenfelde mit dem Inklusionspreis ausgezeichnet worden. Kreisrat Matthias Selle hatte damals hervorgehoben, mit „Querkopf“ ein Projekt zu würdigen, das „bereits seit einer Reihe von Jahren Inklusion vorgelebt hat“. Das Amateur-Ensemble, 1996 gegründet, war mit dem weiteren Preisträger von einer Experten-Jury , darunter NOZ-Redakteur Jean-Charles Fays, aus einem Feld von 24 Bewerbern ausgewählt worden.

Seit seiner Gründung bietet es Menschen mit und ohne Behinderung ein Forum für gemeinsame künstlerische Tätigkeiten. In dieser Zeit hat „Querkopf“ zusammen mit seinem künstlerischen Leiter Olli Borg eine Vielzahl von Eigenproduktionen entwickelt, darunter Musicals, Filme, Theaterstücke. Ein fester Stamm von etwa 20 Mitgliedern, alle aus dem nördlichen Landkreis, entwickelt jeweils die Idee und prüft die Machbarkeit, dann wird der Eigendynamik freier Lauf gelassen. „Jeder baut eine Rolle für sich in den Plot ein und ist für seinen Text zuständig“, beschreibt Borg den Prozess, der bis zur Aufführung mitunter zwei Jahre Zeit benötigt.

Bartkowski-Goedecke und Borg haben in den Jahren gelernt, die Projekte mit öffentlichen Mitteln aus verschiedenen Töpfen fördern zu lassen. Das sei nicht immer leicht, gebe der Gruppe aber die Gelegenheit, die eigenen Vorstellungen realisieren zu können. „Das ist enorm wichtig für jeden von uns, denn so merken wir, dass wir etwas bewegen können“, sagt die Pädagogin. Und sie wollen noch so einiges bewegen auf dem Weg, Inklusion als das Normalste von der Welt erscheinen zu lassen.