Großbaustelle in Osnabrück Ab Dienstag verschwindet der Rest vom Neumarkttunnel

Von Sebastian Stricker


Osnabrück. Mit Kanalbauarbeiten ausgangs der Großen Straße beginnt am Dienstag der weitere Abbruch des Neumarkttunnels. Anschließend wird auf dem Platz links und rechts der Fußgängerzone gegraben, geräumt und verfüllt. Bis zum Sommer soll alles fertig sein. Bis dahin bleibt die größte Baustelle der Osnabrücker Innenstadt für Autos gesperrt.

Auch wenn die Pläne ursprünglich anders lauteten: Zur bewährten Verkehrsregelung am wichtigsten Knotenpunkt der City gebe es keine Alternative, sagt Stadtbaurat Frank Otte. Sie ermögliche nicht nur ein beschleunigtes Arbeiten, sondern diene vor allem der Sicherheit. Der erste Bauabschnitt habe gezeigt, dass Busse, Fahrräder und Fußgänger gemeinsam hier „nicht einfach zu handhaben“ seien.

Unfälle vermeiden

Vor allem Letztere hätten lange gebraucht, um sich an gefahrlose Wege am Neumarkt zu gewöhnen. Außerdem sehe Otte nach wie vor Falschfahrer , die – überwiegend ortsfremd – ihre Wagen stur in den Sperrbereich steuerten. Weil die Probleme im zweiten Bauabschnitt nicht weniger würden, sei es deshalb „die richtige Entscheidung“, den Autoverkehr herauszuhalten. Findet übrigens auch André Kränzke, Chef des Verkehrsbetriebs: „Wir wollen Unfälle vermeiden!“ Die Stadtbusse seien wegen der Großbaustelle ohnedies auf allen Linien mit teils satten Verspätungen unterwegs. Gleichwohl sei der Neumarkt als Ziel- und Umsteigebahnhof weiterhin die beliebteste Anlaufstelle. „80 Prozent aller Fahrgäste nutzen ihn täglich.“

Riesige Löcher

Vor den Überbleibseln der unterirdischen Passage verschwinden zunächst die Reste eines Düker-Bauwerks aus dem Boden. Dabei handelt es sich um eine siphonartige Regenwasser-Unterquerung samt Spülanlage, die so alt ist wie der Tunnel. Sie wird durch einen schnurgeraden Kanal zwischen Großer Straße und Johannisstraße ersetzt. „Drei bis vier Wochen“ veranschlagt Projektleiter Lutz Vorreyer vom städtischen Fachdienst Straßenbau für diesen Teil der Arbeiten.

Links und rechts der Düker-Grube werden sich bis zur Neumarkt-Mitte ungleich größere Löcher öffnen: Reste des Tunnels liegen in Richtung Hasehaus zwischen der Abwasserrinne vor der Ladenzeile bis hin zum Geschäft Sportarena. In Richtung VGH-Gebäude schlummert das größtenteils unsichtbare Relikt vor H&M und reicht bis hinter den Bussteig, der bis auf einen schmalen Streifen entlang der Fahrbahn aufgegeben wird. Folglich muss auch der zuletzt vom Nize-Club zur Werbung genutzte Glaspavillon weichen. „Der wird wohl im Februar demontiert“, kündigt Vorreyer an.

Die Stadtwerke nutzen den Rückbau, um Gas-, Wasser- und Stromleitungen in diesem Bereich anzupassen. „Wichtig ist, dass die Versorgung nicht unterbrochen wird“, erklärt Technikleiter Ingo Hannemann.

Shoppingevents

Dann nämlich wäre der Aufschrei der überwiegend gewerbetreibenden Anlieger wohl unüberhörbar. Bekanntlich tut sich der Einzelhandel an dieser prominenten Stelle sowieso recht schwer mit der Dauergroßbaustelle und ihren Folgen, weil er eine abschreckende Wirkung auf die Kundschaft und somit Nachteile für das Weihnachtsgeschäft befürchtet. Zumindest diese Sorge möchte das Stadtmarketing zerstreuen. Geschäftsführerin Petra Rosenbach betont, dass wie bisher „alle Parkhäuser gut zu erreichen“ seien, und verweist auf das erprobte Verkehrsleitsystem. Ein 20.000-fach gedrucktes Faltblatt fasse alles Wesentliche zusammen: Infos, Karten, Kontakte. Zudem listet es die kommenden Einkaufserlebnistage auf: etwa den Weihnachtsmarkt vom 26. November bis 22. Dezember, das Weihnachtsshopping am Nikolaustag von 10 bis 20 Uhr (mit kostenlosen Busfahrten in die Innenstadt), die verkaufsoffenen Sonntage am 28. Dezember sowie am 29. März und 26. April, die Osnabrücker Maiwoche 2015 vom 8. bis 17. Mai sowie den verkaufsoffenen Westfalentag am 4. Juni (Fronleichnam).

Baum in Gefahr

Wem der haushohe Ahorn vor dem Neumarkt-Carrée im Laufe der Jahrzehnte ans Herz gewachsen ist – sei es als Schattenspender im Sommer oder als Lichtermeer im Winter –, sollte sich allerdings keine großen Hoffnungen auf dessen Fortbestand machen. Zwar sei es „im Augenblick nicht geplant, den Baum zu fällen“, erklärt Stadtbaurat Otte. Er habe jedoch „große Bedenken, ihn erhalten zu können“. Wahrscheinlich werde es beim Tunnelrückbau nötig, tragende Wurzeln zu kappen. Falls das die Standsicherheit gefährdet, müsse der Baum wohl oder übel weichen.


Detaillierte Informationen über Fußwege zu den Haltestellen und Abfahrtspositionen der Busse hat die Verkehrsgemeinschaft Osnabrück im Internet zusammengefasst. Livebilder von der Baustelle am Neumarkt bieten die Webcams der Stadt Osnabrück.