Früherer EU-Parlamentspräsident Osnabrücker Kreis-CDU verabschiedet Hans-Gert Pöttering

Von Jean-Charles Fays


Bramsche. Der frühere Präsident des Europäischen Parlaments Hans-Gert Pöttering zeigte sich überwältigt, als seine Parteifreunde ihn auf dem CDU-Kreisparteitag in Bramsche mit einem Porträt von Konrad Adenauer verabschiedeten.

Auf Pötterings Bitte hin wurde er nach 35 Jahren als Mitglied ( von 2007 bis 2009 als Präsident) des Europäischen Parlaments „ganz normal auf einem Parteitag verabschiedet“, wie der CDU-Kreisvorsitzende Christian Calderone erklärte. Der am Freitag wiedergewählte Calderone hatte ihn im Herbst 2010 als CDU-Kreisvorsitzender beerbt.

Die Würdigung übernahm zunächst aber nicht Calderone, sondern der frühere Bundestagsabgeordnete Burkhard Ritz. Der 83-Jährige hob den Dreiklang „Heimat, Deutschland, Europa“ im Leben des Marathon-Europäers hervor. „Der Kreisvorsitz war für mich ein Mittel, diese Verwurzelung in der Heimat mit Leben zu füllen“, sagte der 69-Jährige, der von 1990 bis 2010 CDU-Kreisvorsitzender war, unserer Redaktion später. „Ich wusste, dass die Arbeit getragen wird von der Partei.“

Sein Ziel war der Bundesstaat Europa

Ritz erinnerte sich, dass niemand schon in der Jungen Union „so leidenschaftlich über Europa nachgedacht“ hat. Ritz konstatierte: „Wer hätte damals für möglich gehalten, was sich finanzpolitisch in Europa verändert. Hans-Gert Pöttering war ein Vorkämpfer für diese Ideen in Europa.“ Als Parlamentsabgeordneter, als Vorsitzender der Fraktion der Europäischen Volkspartei (Christdemokraten) und Europäischer Demokraten (EVP-ED) sowie zum Höhepunkt als Präsident im Europäischen Parlament habe er immer gesagt, dass dieses europäische Parlament mehr Vollmachten bekommen müsse. Im Hinblick darauf, dass das Europäische Parlament mittlerweile gleichberechtigter Gesetzgeber mit dem Ministerrat ist, betonte Ritz: „Und auch da hat er viel erreicht, wie wir heute wissen. Seine Lebensleistung wird weiterwirken“, lobte Ritz. Ob sie sogar soweit wirkt, dass irgendwann sein Ziel, der Bundesstaat Europa, erreicht wird, sei noch offen.

Christian Calderone ergänzte danach: „Du hast Europa im Werden erlebt und mitgestaltet. Trotz deiner Tätigkeit in Europa warst du unser Kreisvorsitzender.“ Deshalb sei es für den Quakenbrücker „eine große Freude“, sein Nachfolger sein zu dürfen. Im Namen der Kreispartei dankte er ihm mit einem mit einem Fotoporträt von Konrad Adenauer und wünschte ihm damit weiterhin viel Glück als Vorsitzender der Konrad-Adenauer-Stiftung. Gleichzeitig überreichte er ein Fernrohr mit den Worten: „Damit du weiter aus der Ferne die Dinge in deinem Kreisverband betrachten kannst.“

Hans-Gert Pöttering: „Ich war überwältigt von der Reaktion meiner Parteifreunde.“

Pöttering war gerührt und sagte unserer Redaktion später: „Ich war überwältigt von der Reaktion meiner Parteifreunde.“ Es sei nach so langer Zeit als Politiker nicht immer der Fall, mit so einer Wertschätzung verabschiedet zu werden. Er werde dem Kreisvorstand als Ehrenvorsitzender als lebenslänglich erhalten bleiben und weiterhin mit Rat zur Seite stehen. Da er trotz des Engagements bei der Konrad-Adenauer-Stiftung in Berlin seinen Wohnsitz in Bad Iburg behalten werde, würde der gebürtige Bersenbrücker auch weiterhin die Kreisparteitage besuchen.

Als größtes Wunder unserer Zeit sieht Pöttering, „dass die Teilung Deutschlands mit der Einheit überwunden wurde, und Europa eins wurde“. Das stelle er auch in seiner Biografie „Wir sind zu unserem Glück vereint. Mein europäischer Weg“ in den Fokus. Wichtig sei, die EU als eine Wertegemeinschaft zu verstehen: „Wir sehen in der Ukraine, dass der Frieden nicht für alle Zeiten gesichert ist.“ Das Recht sichere den Frieden. Das sei wichtig in der Wertegemeinschaft der EU. „In einer Familie bleibt man zusammen und spricht über die Dinge.“

Hans-Gert Pöttering: Die Arbeit allein ist schon ein Geschenk für ihn

Seine weitreichenden Kontakte in Europa nutzt Pöttering als Vorsitzender der Konrad-Adenauer-Stiftung seit 2010, um die CDU-nahe Stiftung voranzubringen. Deshalb sagt er: „Ich gehe in großer Dankbarkeit. Ich habe eine wunderbare Aufgabe in der Konrad-Adenauer-Stiftung.“ Diese Arbeit allein sei schon ein Geschenk für ihn.