Rosengarten des Schreckens Osnabrücker und Niederländer erarbeiten Theaterstück

Von Ulrike Schmidt


Osnabrück/Amersfoort. Ein Rosengarten – welch schöne Vorstellung. Nicht für die Menschen im niederländischen Amersfoort. Denn im Kamp Amersfoort, einem polizeilichen Durchgangslager in Zeiten des Nationalsozialismus, war der Rosengarten ein von Stacheldraht umzäumtes Gelände, in dem Gefangene bewegungslos ausharren mussten, anderenfalls drohten drakonische Strafen.

Dieses dunkle Kapitel der deutsch-niederländischen Geschichte wurde nun in einer zweisprachigen Theaterproduktion aufgearbeitet: Katrin Orth und Ralf Siebenand vom Musiktheater Lupe in Osnabrück haben mit der niederländischen Tänzerin Lenna Schouten und dem niederländischen Künstler Theo van Delft ein Stück erarbeitet, an dem Laienschauspieler aus beiden Ländern mitwirken. Nach Aufführungen im Kamp Amersfoort folgen nun Vorstellungen in der Gedenkstätte Augustaschacht.

Zwischen beiden Stätten gibt es auch direkte Verbindungen. Denn einige Niederländer wurden in Amersfoort registriert und schließlich zur Zwangsarbeit zum Augustaschacht gebracht. Die wahre Geschichte eines Niederländers, der sich im Altenheim an diese Zeit erinnert, gehört zum Stück „Rosengarten“.

Zehn Tage lang erarbeiteten deutsche und niederländische Jugendliche, Erwachsene und Senioren unter der Leitung der vier Künstler das Stück. Sie lernten auch voneinander, wie vier der Darsteller im Gespräch mit unserer Redaktion berichten. Am Ende gab es keine Unterschiede zwischen den Generationen und Nationalitäten mehr. „Wir waren wie eine große Familie“, sagen Cara Beste und Christian Anchante.

Die mit 14 Jahren jüngste Darstellerin Cara spielt ein Mädchen, das sich in einen jungen Niederländer verliebt. Der fast 19-jährige Christian tritt in einer Szene als NS-Scherge auf. „Wie du da in diesem langen Ledermantel reinkommst, da wurden böse Erinnerungen wach“, bekennt Elisabeth Jarvers. Beklemmend war für sie auch der Rosengarten. Zwar hat die fast 77-Jährige die NS-Zeit als Kind erlebt, „aber ich habe auch Gefangene hinter Stacheldraht gesehen am Haseschacht“. Und die bedrohlichen Männer in langen Ledermänteln.

Nelly Rölker, gebürtige Niederländerin, die schon Jahrzehnte in Deutschland lebt, stellt zwei verschiedene Deutsche dar: die brutale Aufseherin und die hilfsbereite Mitarbeiterin im Arbeitsamt.

Wie tief die Erinnerung an die deutsche Besatzung im Gedächtnis verankert ist, erlebten die Darsteller bei den ersten Vorstellungen in Amersfoort. Cara sah, wie einige Zuschauer weinten, auch bei ihr kamen Tränen, erzählt sie freimütig. Als Geste der Versöhnung reichten sich viele Zuschauer und Darsteller, Deutsche und Niederländer, nach der Vorstellung die Hände.

Die Aufführungen im Augustaschacht werden nicht die letzten bleiben, berichten Katrin Orth und Ralf Siebenand: Am 27. Januar, dem Tag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz, ist die Gruppe eingeladen, „Rosengarten“ im ehemaligen KZ Neuengamme aufzuführen. Zum 3. Mai, dem Tag der Befreiung und Nationalfeiertag in den Niederlanden, könnte das Stück im ehemaligen Konzentrationslager Vught gezeigt werden.

Die Darsteller würde es freuen: „Wir haben uns vorgenommen, uns in einem Jahr auf alle Fälle wieder zu treffen“, erzählen Nelly Rölker und Elisabeth Jarvers.

Vorstellungen in der Gedenkstätte Augustaschacht finden am Sonntag, 16. November, um 17 und 19.30 Uhr statt. Schulvorstellungen folgen am 17. und 18. November jeweils um 9.30 und 11.30 Uhr. Eine Anmeldung ist erforderlich. Kartenreservierungen unter Telefon 05405/ 8959270 oder info@augustaschacht.de .