Technische Neuheit in Niedersachsen Filmpassage Osnabrück mit D-Box Motion Seats ausgestattet

Von Nadine Grunewald

Bequem und beweglich: die Motion Seats bewegen sich passend zur Handlung des Films. Der Geschäftsführer der Filmpassage, Anja Thies, gefällt die Technik.Foto: Gert WestdörpBequem und beweglich: die Motion Seats bewegen sich passend zur Handlung des Films. Der Geschäftsführer der Filmpassage, Anja Thies, gefällt die Technik.Foto: Gert Westdörp

Osnabrück. Die Filmpassage Osnabrück wartet mit etwas für niedersächsische Kinos ganz Neuem auf. Zwei Säle wurden mit insgesamt 19 D-Box Motion Seats ausgestattet. Die Sessel bewegen sich passend zur Handlung des jeweiligen Films.

Die Leinwand ist noch schwarz, nur ein Geräusch erfüllt den Kinosaal – und der Sitz vibriert. Als der Gitterfahrstuhl das Bild ausfüllt, in dem Thomas auf die Lichtung gefahren wird, ruckelt der Stuhl. In der Filmpassage sieht und hört der Zuschauer nicht mehr nur einen Film, er fühlt ihn jetzt auch. Zumindest, wenn er einen Platz auf einem D-Box Motion Seat bucht.

Mit 19 dieser schwarzen Sessel mit Bewegungseffekt hat die Geschäftsführerin Anja Thies zwei Säle der Filmpassage aufrüsten lassen. „Wir wollen den Gästen etwas Besonderes bieten. Alles, was möglich ist, und der Markt hergibt, wollen wir anbieten“, sagt Thies. Das ist ihr mit den Motion Seats gelungen: Die Filmpassage ist bislang das einzige Kino in Niedersachsen, das mit dem D-Box-System ausgestattet ist – in Osnabrück wird es das dank eines Exklusivvertrags mit dem Anbieter auch bleiben.

Dafür musste die Filmpassage tief in die Tasche greifen. Rund 5000 Euro kostet ein Sessel. Bis sich das Geschäft rechnet, dauere es Jahre. Und zur Haltbarkeit der Stühle gibt es bisher kaum Erfahrungswerte. „Ich hoffe, dass sie mindestens zehn bis 15 Jahre halten“, sagt Thies.

Um den Bewegungseffekt nutzen zu können, muss der ausgestrahlte Film ein D-Box-Film sein. D-Box-Filme sind mit einer Motion-Spur unterlegt – ähnlich einer Tonspur, nur dass dabei die Bewegung des Sessels auf die Handlung des Films abgestimmt ist. Und das geht nicht nur bei Actionfilmen.

Fünf D-Box-Filme werden zurzeit in der Filmpassage angeboten. Neben Maze Runners sind auch Interstellar, Teenage Mutant Ninja Turtles, Annabelle und The Equalizer D-Box-Filme. Vor, zurück, zur Seite, hoch und runter bewegt sich der Stuhl, dazu gibt es eine Vibrationsfunktion. Der Kinobesucher kann dabei zwischen drei Intensitätsstufen wählen – oder die Funktion ganz ausschalten.

Allerdings wackelt der Sessel nicht während jeder Szene und man wird auch nicht komplett durchgeschüttelt. „Die Bewegung ist nicht so extrem wie im Moviepark oder auf der Kirmes. Davon wollen wir uns abgrenzen“, betont Thies. „Der Zuschauer will ruhige Szenen ja auch in Ruhe genießen.“ Bei Maze Runners etwa bleibt der Sessel zeitweise so lange bewegungslos, dass man direkt auf das nächste Ruckeln wartet.

Jeweils elf alte Sitze mussten in Saal sechs und sieben für die neuen weichen. Die D-Box-Sessel brauchen etwas mehr Platz als ihre Vorgänger. Außerdem will Thies eine Art Loge um die Plätze einrichten: Neben mehr Beinfreiheit als üblich werden noch Tische vor die Plätze gestellt. Den Boden ziert ein roter Teppich und eine Kordel soll den Bereich noch abtrennen. „Es soll eben etwas Besonderes sein“, so Thies. Sie ist mit der Technik bereits in Kontakt gekommen, als sie noch für eine andere Kino-Kette gearbeitet hat, und war davon so begeistert, dass sie die Motion Seats für die Filmpassage haben wollte.

Dass nicht ein kompletter Saal mit den Motion-Stühlen ausgestattet worden ist, hat nicht nur finanzielle Gründe: „Nicht jeder soll dazu verpflichtet werden, sechs Euro mehr zu zahlen. Der Kunde soll sich selbst aussuchen, ob er die Bewegung möchte oder nicht.“

Seit Inbetriebnahme am vergangenen Samstag sind die Plätze noch nicht bei jeder Vorstellung ausgebucht. Die beiden Test-Stühle, die seit vier Wochen im Foyer der Filmpassage stehen, seien aber auf viel Resonanz gestoßen. Und auch bei den Kartenvorbestellungen für den Film „Die Tribute von Panem – Mockingjay“ würden die besonderen Plätze stark nachgefragt. Corinna Taube und Marcel Jordan aus Melle etwa sind im Internet auf die Neuerung gestoßen und haben für Maze Runners die Motion-Seats gebucht. „Wir waren neugierig und wollten es mal ausprobieren“, sagt Taube. „Es ist mal was Neues“, ergänzt Jordan.

Ob es dem Zuschauer mit all den Wahlmöglichkeiten zwischen 3D, 2D, HFR 3D und D-Box-Motion nicht irgendwann zu viel wird? Das müsse dieser selbst entscheiden, meinen Thies und ihr Assistent Robin Ehlert. Sie wissen nur, dass Kinobetreiber heute mehr tun müssen. „Wir müssen uns vom Home-Entertainment absetzen und ein Erlebnis bieten“, erklärt Ehlert. Und Letzteres solle Kino ja schließlich sein.


Das Unternehmen D-Box, das die Motion Seats herstellt, hat seinen Sitz in Kanada. Der erste D-Box-Film war der im Jahr 2009 veröffentlichte Fast & Furious. In unseren Nachbarländern Frankreich und den Niederlanden hatten bereits einige Kinos D-Box-Filme im Angebot, bevor die ersten deutschen Kinos mit den Motion Seats ausgestattet wurden.