„Swingende Notwendigkeit“ in der Osnabrückhalle Fabelhafte Swing-Show von und mit Bodo Wartke

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Was kann der tanzen: Bodo Wartke mit „Swingende Notwendigkeit“ in der Osnabrückhalle. Foto: Hermann PentermannWas kann der tanzen: Bodo Wartke mit „Swingende Notwendigkeit“ in der Osnabrückhalle. Foto: Hermann Pentermann

dö Osnabrück. Bodo Wartke, steht für gewitzte Texte, pointierte Songs, Klasse am Klavier. Am Sonntagabend zeigt er eine weitere Facette: die des Entertainers. Mit dem Capital Dance Orchestra stellt er in der Osnabrückhalle sein Programm „Swingende Notwendigkeit“ vor – drei fabelhafte Stunden.

Zu Beginn des zweiten Teils geht ein vernehmliches „Aaaah“ durch die Ränge im Europasaal der Osnabrückhalle. Denn Bodo Wartke tritt allein auf die Bühne, setzt sich ans Klavier, spielt seinen Song „Kompromissbereit“. Zu richtig schön swingendem Stride-Piano singt er über Männer und Frauen und die geschlechtsspezifische Diskrepanz zwischen Schein und Sein - so kennen die Menschen ihn,  so haben sie ihn schon oft in Osnabrück und im Fernsehen erlebt, das ist sein „Kerngeschäft“, wie er sagt. Doch an diesem Abend ist Bodo Wartke nicht der Klavier-Kabarettist. Heute ist er der perfekte Entertainer mit satter Big Band im Rücken .

Was kann der tanzen!

Los geht der Abend mit rasantem Jungle-Swing, so wie ihn Duke Ellington und Cab Calloway Ende der Zwanziger in Harlem prägten und wie ihn Benny Goodman im berühmten „Sing, Sing, Sing“ aufgreift. Und während das Capitol Dance Orchestra unter David Canisius kräftig im im Swing-Topf rührt, kommt, nein: tanzt Bodo Wartke auf die Bühne. Und was kann der Mann tanzen! Allein zu sehen, wie er da ein paar Swing-Schritte aufs Bühnenparkett legt, ist ein Genuss, und das nicht nur gemessen daran, dass er hauptberuflich lediglich am Klavier sitzt. Am Mikro wird er dann zu dem Mann, der, immer das treibende Jungle Orchester im Rücken, den Rap erfunden haben könnte: Wartke hat viel zu sagen. Singen reicht dafür nicht, also fällt er in eine eilige Art des wohlgesetzten Sprechgesangs – brillant.

Authentischer Swing

Ganz jung ist die Renaissance dieser Form der Unterhaltung indes nicht mehr: Schon 1990 ließ Madonna mit „Dick Tracy“ die Swing-Ära wieder aufleben, 2001 machte Robbie Williams mit Anzug und locker gebundenem Schlips auf Crooner à la Frank Sinatra, und in Deutschland schaffte Roger Cicero um 2006 den Durchbruch, weil er sich den Trilby-Hut aufsetzte und mit Big Band im Stil der Dreißiger und Vierziger swingte. Wartke aber ist authentischer als all die Vorgänger zusammen.

Er tanzt und singt im weißen Dreiteiler mit Hut, vor allem aber komponiert und textet er selbst – und da liegt der Kern des ganzen Abends. Seine Lieder tragen den Swing bereits in sich, seine Texte sind aus sich heraus witzig und gekonnt, und Arrangeur Jonas Schoen-Philbert hat das klangsinnig aufs große Format übertragen – und das Orchester spielt hervorragend und hellwach. Da genügt ein Luftholen nach langer Pause als Zeichen für den Einsatz, und ein Stück wie „Konstanze“ ist schlichtweg brillant in seinem Anspielungs- und Zitatenreichtum – textlisch wie musikalisch.

So wird der Abend zur Tour d’horizon durch die Geschichte der Unterhaltungsmusik: Denn den Sechsa-chtel-Marsch kannte die Revue der Dreißiger auch schon, Latin und Salsa sowieso, und Rhythm ’n‘ Blues und Rock ’n‘ Roll gehören seit den 50ern ganz selbstverständlich zur hohen Kunst der Unterhaltung.

Dabei orientiert sich die Ausstattung klar an den Dreißigern: Das Orchester weist mit je drei Blech- und Holzbläsern, Rhythmusgruppe und zwei Geigen die typische Besetzung früher Big Bands auf, aber auch wenn Michael Brandt beim Charleston das Banjo klampft, jault beim Rock die E-Gitarre. Zwei Background-Sängerinnen – Lucy Flournoy und Anita Hopt – komplettieren das Aufgebot für einen Abend, dessen Motto treffend nicht gewählt sein könnte. Denn die Big-Band-Version von Wartkes Klavier-Kabarett ist kein Gimmick, sondern tatsächlich eine „Swingende Notwendigkeit“.


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