Erfolgreiche Aktion wirkt in die Zukunft Freiwillige Fotomodelle für die Kunsthalle und Michael Beutler

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Osnabrück. Die Einladung war in dicken Lettern und mit Ausrufezeichen verfasst: „250 Fotomodelle für die Kunsthalle Osnabrück gesucht!“ Ganz so viele waren Sonntagmittag nicht gekommen. Aber immerhin waren genug Modelle da, um im Chorraum der einstigen Kirche die Bankreihe von Michael Beutler und Etienne Descloux zu füllen.

Nach zehn Minuten sagt Christian Grovermann „ist fertig“. Die meisten der rund 80 Besucher in der Kunsthalle haben da noch gar nicht gemerkt, dass die Fotoaktion überhaupt schon begonnen hat. Tuschelnd sitzen sie brav nebeneinander auf jener Bank, die das Künstlerduo Michael Beutler und Etienne Descloux aus den alten Ausstellungswänden gezimmert hat ; es hat durchaus eine sakrale Anmutung. Fehlt nur der Priester.

Foto-Dokumentation über die Beutler-Ausstellung

Stattdessen hat Grovermann seine Kamera aufgebaut. Leicht nach oben blickt das Objektiv; der Fotograf hat Glück, weil die Novembersonne durch die gotischen Glasfenster des Kirchenschiffs scheint und bezaubernde Lichtspiele auf die gegenüberliegende Wand wirft. Aber auch ohne das warme Mittagslicht hätte Grovermann seine Fotosession durchgezogen: Sein Auftrag ist es, die derzeitige Ausstellung zu dokumentieren – morgens, mittags, nachts.Eine spannende Aufgabe, denn seit mit dem Umbau der Kunsthalle die Leuchttraversen verschwunden sind, steht in der Kunsthalle ausschließlich Tageslicht zur Verfügung.

Jetzt ist das Licht ausgesprochen gut; Grovermann dirigiert seine Modelle noch ein bisschen, lässt die Gäste ganz vorne ein kleines Stück weiter nach hinten rücken, sagt „Anlehnen! Gut!“, die Kamera piept kurz, dann klackt der Spiegel. „Ja, so ist`s richtig“, sagt der Fotograf, und kurz darauf: „fertig“. Wenig später ist er umringt vom Publikum; er deutet auf sein MacBook, auf das die Bilder drahtlos übertragen werden.

Seit einer Woche arbeitet Grovermann in der Kunsthalle, um den Raum in unterschiedlichen Situationen festzuhalten. Dabei konnte er auch schon einen prominenten Gast fotografisch inszenieren: „Am Freitag musste Reinhold Messner die Laterne schwenken“, sagt Grovermann. Der Bergsteiger, Autor und Museumsleiter war auf Einladung von Kunsthallenleiterin Julia Draganovic gekommen; die beiden hatten sich bei einer Podiumsdiskussion anlässlich der Verleihung des Courage-Preises an Messner kennengelernt.

Bindeglied zur nächsten Ausstellung

Die Fotoaktion mit den Osnabrücker Modellen versteht Kunsthallen-Mitarbeiterin Christel Schulte als „Bindeglied“ zwischen der aktuellen Ausstellung von Beutler und Descloux und der kommenden Schau. Ab Februar wird die Kunsthalle zur Bühne für Performances, „und das war eine erste Performance“, sagt Schulte. Im Hintergrund steht dabei unter anderem die Frage nach dem Verhältnis von Publikum und Kunst – die ja auch Beutler und Descloux bereits stellen: „Es geht dabei ja darum, zu sitzen und den Raum wahrzunehmen“, sagt Schulte – in Umkehrung der konventionellen Ausstellungssituation wendet sich der Zuschauer von der Wand ab und „der Kommunikation mit dem Gegenüber zu“. Dass das funktioniert, zeigte sich im Anschluss an das Fotoshooting: Nicht nur Grovermann war umringt von Zuschauern, auch Schulte wurde mit etlichen Fragen konfrontiert. Die kommende Ausstellung geht dann einen Schritt weiter und will das Publikum direkt ins Geschehen einbeziehen. „Partizipation“ nennt die Kunstwelt das; die Fotoaktion von Christian Grovermann war ein erster Schritt dahin.


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