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Solidarität mit Kulturverein Petersburg Koch-Aktion: Osnabrücker protestieren gegen Zwangsräumung


Osnabrück. Mit einer Aufmerksamkeit erregenden Koch-Aktion hat die Selbstständige Kulturinitiative Osnabrück (SKIO) am Samstag auf dem Nikolaiort an zentraler Stelle in der Innenstadt auf die von der Zion GmbH erwirkte Zwangsräumung der Freiflächen des Kulturvereins Petersburg am Güterbahnhof reagiert.

Dabei war das öffentliche Schnippeln überschüssiger Zutaten für einen schmackhaften Eintopf nicht nur ein Signal gegen den Verschwendungswahn. Die Organisatoren verfolgten auch den Zweck, auf die prekäre Raumsituation im „Kulturschutzgebiet“ hinzuweisen. „Wir möchten die Öffentlichkeit nicht nur an unsere Initiative heranführen, sondern auch darauf aufmerksam machen, dass wir bis auf weiteres keine Räumlichkeiten mehr dafür zur Verfügung haben“, erklärt Patrick Meyer (26), der als Sprecher der Initiative auf Angebote neuer Freiräume und eine entsprechende Lösung „spätestens bis zum nächsten Frühjahr“ hofft.

Der Kulturverein Petersburg musste den Güterbahnhof wegen einer Räumungsklage der Zion GmbH verlassen. Der Streit wird weiterhin vor Gericht verhandelt.

„Schnippel-Partys“

Bislang konnte seit Gründung der Osnabrücker Lebensmittelretter im Dezember letzten Jahres die Küche des Kulturvereins für „Schnippel-Partys“, Kochaktionen und die Lagerung der geretteten Lebensmittel genutzt werden. Ein öffentlicher „Verteiler“-Kühlschrank steht dort allen zur Verfügung, die über optische Schönheitsfehler bei Obst und Gemüse hinwegsehen können.

Denn das ist einer der Hauptgründe, weshalb noch verzehrbare Lebensmittel aussortiert und weggeworfen werden. Damit dies nicht passiert, vereinbaren die Lebensmittelretter Abholtermine bei den kooperierenden Betrieben, die zum Beispiel über die Facebook-Seite der Initiative Kontakt mit den nachhaltigen „Entsorgern“ aufnehmen können.

Schmackhafte Reste

Bislang nutzen dieses schmackhafte Angebot die beiden Wochenmärkte am Dom - und Ledenhof sowie ein Bio-Supermarkt, wobei erst die Osnabrücker Tafel bedient wird und nur das, was dann noch übrig bleibt, im Kühlschrank der Lebensmittelretter landet. „Wir holen regelmäßig und pünktlich zum vereinbarten Termin ab“, betont die 21-jährige Studentin Annika, die seit Juni mithilft. Denn in diesem Zusammenhang sei es „wichtig , zuverlässig zu sein“.

Positive Resonanz

Die Resonanz auf die angemeldete und vom Ordnungsamt als „Kundgebung“ genehmigte Protest-Aktion mit Mehr- und Nährwert im Zentrum der Fußgängerzone, an der sich auch eine Trommelgruppe und die offene Werkstatt des Freiraums Petersburg beteiligten, fiel durchgehend positiv aus. Viele interessierte Passanten zeigten Verständnis für das Anliegen der Kulturinitiative und äußerten mitunter gleichzeitig Unverständnis über das Vorgehen und die Pläne der Zion GmbH, anstelle des Kulturzentrums am Güterbahnhof eine große Kirche zu bauen.

Vor Wut kochen

„Wir wollen aber nicht auf die Leute gucken, die uns aufhalten, sondern auf diejenigen hoffen, die uns nach vorne treiben“, richtet Lebensmittelretter Patrick Meyer zweckoptimistisch den Blick auf die Zukunft. Und tut gut daran. Denn kurzfristig buchstäblich vor Wut zu kochen bringt in diesem Fall schließlich nur dann etwas, wenn es langfristig bewirkt, eine neue Küche zu finden.


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