Eine Mauer voller Geschichten Osnabrücker Schüler bereiten Pogromnacht-Gedenken vor

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Eine Mauer aus weißen Kisten bildet das Bühnenbild des Theaterstücks zur Pogromnacht, das die BBS im Marienheim eingeübt hat. Foto: Klaus LindemannEine Mauer aus weißen Kisten bildet das Bühnenbild des Theaterstücks zur Pogromnacht, das die BBS im Marienheim eingeübt hat. Foto: Klaus Lindemann

Osnabrück. Eine große Mauer aus weißen Kisten wird am Sonntag das Bühnenbild bei der Gedenkfeier zur Pogromnacht bilden. Nach und nach werden die Schüler der Berufsbildenden Schulen (BBS) im Marienheim einzelne Kisten herausziehen und dem Publikum zeigen, was sich darin verbirgt: Eine zerbrochene Brille, ein Bild, eine Puppe, ein Rucksack sind einige der Requisiten, anhand derer sie authentische Geschichten der Opfer des Nazi-Regimes erzählen werden.

„Unsere Schüler haben sich im Vorfeld sehr intensiv mit den Stolpersteinen in Osnabrück auseinandergesetzt“, berichtete Schulleiterin Schwester Eva-Maria Siemer bei der Hauptprobe für die Aufführung im Schloss. Einige schlüpfen in die Rollen der Opfer. Pia Bußmann (18) zum Beispiel spielt Alma Flatauer, die 1943 in Auschwitz starb. „Im Stück führe ich ein Modegeschäft“, erklärt die Schülerin. „Eine meiner Kundinnen wird vor der Tür von zwei BDM-Mädchen abgepasst und beschimpft, weil sie bei einer Jüdin eingekauft hat.“ Die Kundin spielt ihre Mitschülerin Alina Ehrenbrink (17): „Wir haben viel über das Leben von Alma Flatauer gelesen und eigene Texte darüber geschrieben, wie sie sich wohl zu dieser Zeit gefühlt haben muss.“ Andere Mitschüler haben sogar Interviews mit Zeitzeugen geführt, die die Zeit der Judenverfolgung im Dritten Reich noch selbst miterlebt haben.

Kathrin Orth und Ralf Siebenand vom Musiktheater Lupe haben das Stück gemeinsam mit den Berufsschülern entwickelt und während der Herbstferien einstudiert. „Die Schüler konnten frei entscheiden, welche Stolperstein-Geschichten sie besonders interessierten. Daraus haben wir mit ihnen zusammen dann kleine Spielszenen entwickelt“, sagt Orth. Untermalt wird das Ganze von Klezmermusik und Instrumentalstücken aus dem Film „Schindlers Liste“. „Wir zeigen auf der Mauer und den Seitenwänden zwischendurch kleine Videos zu den Stolpersteinen und den Lebensgeschichten der Ermordeten“, erklärte Klarinettistin Sofie Jankowski (18), die diese Projektionen musikalisch begleiten wird.

„Für uns ist die Gestaltung des Gedenktages am 9. November eine große Ehre“, betont Maria Hinz, stellvertretende Schulleiterin der BBS. Erinnerungskultur sei ein großes Thema an ihrer Schule, weshalb auch regelmäßig Zeitzeugen eingeladen würden. „Im Unterricht findet die Auseinandersetzung mit der Nazi-Zeit ja eher kognitiv statt, beim Theaterspielen fühlen sich die Schüler in die Schicksale der Opfer unmittelbar ein“, betont sie.

Die Theaterstücke, die seit 2001 immer am 9. November von einer anderen Osnabrücker Schule vorbereitet werden, machen das Gedenken an die Pogromnacht lebendig, betont Christine Grewe vom städtischen Büro für Friedenskultur. Es bilde das Herzstück des Veranstaltungsprogramms, das auch Filme, Vorträge, Lesungen und Ausstellungen einschließe.

Im Anschluss an die Aufführung um 11.30 Uhr im Schloss wird ein Gedenkgang zum Ort der zerstörten alten Synagoge an der Alte-Synagogen-Straße stattfinden. Dort werden Kränze niedergelegt.


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