Hoffen auf treue Kunden Osnabrücker Bäckerei Niemeyer stellt Insolvenzantrag

Von Rainer Lahmann-Lammert

Ein Familienbetrieb kämpft ums Überleben: Die Bäckerei Niemeyer hat Insolvenzantrag gestellt. Hier die Stammfiliale an der Laischaftsstraße in Osnabrück. Foto: Lahmann-LammertEin Familienbetrieb kämpft ums Überleben: Die Bäckerei Niemeyer hat Insolvenzantrag gestellt. Hier die Stammfiliale an der Laischaftsstraße in Osnabrück. Foto: Lahmann-Lammert

Osnabrück. Die Bäckerei Niemeyer hat Insolvenzantrag gestellt. Betroffen sind 50 überwiegend weibliche Mitarbeiter und zehn Flilialen, die meisten davon in Osnabrück und Bissendorf. Der vorläufige Insolvenzverwalter Dirk Rüffert sieht aber gute Chancen, das Familienunternehmen zu retten. Das könne gelingen, wenn die Kunden der Bäckerei die Treue hielten.

Schon seit einigen Monaten soll das Unternehmen in Zahlungsschwierigkeiten stecken. Nach Informationen unserer Zeitung haben zuerst die Krankenkassen wegen säumig gebliebener Beiträge die Initiative ergriffen. In dieser Woche zog Inhaber Rainer Niemeyer die Notbremse und stellte den Insolvenzantrag beim Amtsgericht Osnabrück.

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Die Bäckerei Niemeyer ist ein Familienbetrieb in der dritten Generation. Sie produziert die Backwaren vornehmlich im Gewerbegebiet Bissendorf. Brötchen werden aber auch in den einzelnen Filialen gebacken, um sie den Kunden möglichst frisch anbieten zu können. In Osnabrück gibt es sechs Filialen, darunter an der Laischaftsstraße, der Bierstraße und der Sutthauser Straße. Weitere Verkaufsstellen sind in Bissendorf, Melle, Bad Iburg und Oesede.

Die Frage, warum der Betrieb in wirtschaftliche Schwierigkeiten geraten ist, beantwortet Seniorchef Günter Niemeyer vor allem mit dem „enormen Preisdruck“ auf dem Markt: „Wir liefern ein Qualitätsprodukt, das können wir nicht zu jedem Preis verschleudern“. Die Bäckerei habe in der Vergangenheit im Ladengeschäft expandiert, aber einige Abnehmer wie Altenheime verloren. Die Vielfalt von Niemeyers Brötchen werde von der Kundschaft in Osnabrück geschätzt, etwa das alte Osnabrücker Springbrötchen. Die Familie sei zuversichtlich, dass es mit einem neuen Konzept gelingen werde, das Unternehmen zu retten. Mitarbeiter und Lieferanten hätten ihre Unterstützung zugesagt.

Rechtsanwalt Dirk Rüffert, der vorläufige Insolvenzverwalter, lässt durchblicken, dass nicht alle Zweige des Unternehmens wirtschaftlich arbeiten. Jedenfalls denkt er darüber nach, weniger rentable Bereiche zu schließen, um das Unternehmen als Ganzes zu retten. Zu Einzelheiten will er sich derzeit aber nicht äußern. Er habe aber den Eindruck, dass die Qualität von Niemeyers Backwaren stimme. Darauf lasse sich aufbauen, wenn die Kundschaft mitziehe.

Nach vielen Gesprächen, auch mit den Mitarbeiterinnen, sei er zuversichtlich, „dass wir den Betrieb halten können“. Bis zum Dezember will seine Kanzlei die Sanierungschancen ausloten und einen Restrukturierungsplan vorlegen, um die profitablen Teile des Unternehmens zu stärken. Mit dem erklärten Ziel, den Betrieb in der Hand der Familie zu lassen, wie Rüffert vermerkt.

Er weist darauf hin, dass die Zahlungen an die Mitarbeiter bis Ende Dezember gesichert seien, obwohl das eigentliche Insolvenzverfahren noch nicht eröffnet ist. Durch einen Bankkredit bleibe es den Beschäftigten somit erspart, drei oder vier Monate auf ihre Löhne zu warten. Die Bank werde sich das Geld anschließend von der Bundesagentur für Arbeit zurück holen.

Wilhelm Wolke, der Obermeister der Bäckerinnung, sieht neben betriebsspezifischen Problemen auch ungünstige Rahmenbedingungen für das Bäckerhandwerk . Discounter wie Aldi, Lidl oder Netto ließen in Großbackstuben produzieren, die von der Ökostromabgabe befreit würden. „Aber wir müssen zahlen!“, klagt der Obermeister. Dazu kämen neue Verordnungen, die dem Bäckerhandwerk das Leben schwer machten. Etwa die Verpackungsabgabe für den Grünen Punkt, die für einen Betrieb wie Niemeyer 2500 bis 3000 Euro pro Jahr ausmache. Und es sei ein Unding, dass jedem Bäcker in Zukunft auch noch die Lebensmittelkontrollen in Rechnung gestellt würden, sagt Wolke.