Vor 25 Jahren: Cliff Barnes tourte durch die DDR

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Osnabrück. Der Kontakt zwischen einem Osnabrücker Musikproduzenten und der DDR-Rocktruppe City führte dazu, dass die Band Cliff Barnes And The Fear Of Winning (CBATFOW) sich im Jahr 1989 plötzlich auf den Bühnen des sozialistischen Arbeiter-und-Bauern-Staates wiederfand. Womit die Musiker aus der Region Osnabrück nicht gerechnet hatten: Ihre DDR-Tour fiel genau in die Zeit der Demonstrationen und Unruhen, die einen Monat später zum Fall der Mauer führten.

„Mutti“ musste dafür sorgen, dass CBATFOW in Dresden am 4. Oktober 1989 überhaupt in ihr Hotel kamen. Gerade waren sie von einem Auftritt in Ostberlin zurückgekehrt, als die Geschichte zuschlug: Es war der Tag, an dem das DDR-Politbüro den Menschen in der Prager Botschaft überraschend die Ausreise in die BRD genehmigt hatte. Da die Züge mit den Ausreisenden durch Dresden fahren mussten, versuchten offenbar Bürger, im Bahnhof auf die Waggons aufzuspringen. Daher hatten Volkspolizei und Nationale Volksarmee die Dresdener Innenstadt rund um den Bahnhof hermetisch abgeriegelt.

„Mutti“, das war der Spitzname, den die Band ihrer offiziellen Begleiterin Vera gegeben hatte, weil die sich während der Tour durch die DDR um alles kümmerte. Wie auch in dieser Nacht. Sie schaffte es, Band samt Entourage vorbei an Straßensperren und Kontrollen in das Hotel zu lotsen. Hinter ihnen wurden die Türen sofort wieder von einem bewaffneten Polizisten verriegelt. „Da herrschte eine total merkwürdige Atmosphäre. Das Hotelpersonal stand weinend hinter dem Rezeptionstresen, weil es nicht wusste, was da passierte“, erzählt Heinz Rebellius , damals unter dem Pseudonym Doug Latrine Bassist von CBATFOW. Bob Giddens alias Sänger Bobby Tijuana erinnert sich an einen Frauenkegelclub, der wie sie in dem Hotel eingesperrt war: „Die Frauen waren ängstlich und hilflos, fühlten sich wie auf einem Pulverfass“, so der gebürtige Brite. Am geöffneten Fenster hörten sie marschierende Stiefel, Schreie, später zerberstende Scheiben, als circa 5000 Menschen versuchten, am Bahnhof zu demonstrieren. „Die Situation eskalierte. Wir konnten es von unserem Hotel aus beobachten“, so Rebellius. Ebenfalls merkwürdig gestalteten sich die Auftritte der Band. Ein von dem Musikproduzenten Mick Franke extra für den DDR-Markt produziertes Livealbum sollte im Rahmen der Tour beworben werden. Also war ein Vertrag mit der „Künstler-Agentur der Deutschen Demokratischen Republik“ über sechs „Country-Konzerte“ abgeschlossen worden. Kurioserweise stand in der Formular-Rubrik „Land: BRD/USA“, weil die Behörden offenbar dem Promotion-Gag geglaubt hatten, dass es sich bei den Musikern um Texaner handelt, die wegen ihrer aufmüpfigen Texte ihre US-Heimat hatten verlassen müssen. Da musste es sich doch um anti-imperialistisches Versgut gehandelt haben. Jedenfalls traten CBATFOW am nächsten Tag in Karl-Marx-Stadt auf. Bob Giddens konnte sich eines Kommentars nicht enthalten, daher widmete er einen Song all den Menschen, die für Freiheit und Reisefreiheit auf die Straße gegangen waren.

„Es herrschte tödliche Stille, weil das Publikum zum Teil aus Funktionären bestand. Nur auf den billigen Plätzen, wo die einfachen Leute saßen, wurde geklatscht“, so Giddens, der sich noch gut an seine weichen Knie erinnern kann.

Im Endeffekt profitierten die Musiker allerdings von dem Fall der DDR: Die Gage, ein hoher fünfstelliger Ostmark-Betrag, legten sie auf ein Bankkonto in Ostberlin, weil sie das Geld weder tauschen, noch ausführen, noch sich etwas Sinnvolles dafür kaufen konnten. Nach dem Mauerfall konnten sie es dann doch in West-Mark eintauschen…


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