Was tun Tiere bei Minusgraden? Zoo Osnabrück: Überwintern im Kühlschrank

Von Regine Hoffmeister


Osnabrück. Für Eisbären, Pinguine und Rentiere beginnt jetzt wieder die Zeit der Wohlfühl-Temperaturen. Je kälter, desto besser für sie. Doch andere Tiere, besonders solche aus südlichen Gefilden, sind von Natur aus nicht auf Minusgrade vorbereitet. Damit sie nicht erfrieren, treffen die Tierpfleger im Zoo schon seit Wochen Vorkehrungen, damit die temperaturempfindlichen Tiere gut über den Winter kommen.

Die 26 Griechischen Landschildkröten verbringen die kommenden Monate bis Ostern in Winterstarre. „Wir geben ihnen nach und nach weniger Futter und drehen die Heizung runter, damit ihr Stoffwechsel langsam herunterfährt“, erklärt Andreas Wulftange, wissenschaftlicher Mitarbeiter im Zoo Osnabrück. Zwischendurch werden die Tiere gebadet, damit sie sauber sind und sich der Darm vollständig entleert. Restfutter im Darm könnte die Schildkröte in der Winterstarre nicht mehr verdauen. „Das würde dann anfangen zu gären.“

Bett aus Blättern

Wenn diese Vorbereitungen abgeschlossen sind, wird jede Landschildkröte einzeln in eine mit Laub gefüllte Kiste gebettet und in die Kühlkammer gebracht, in der konstante Temperaturen von drei bis vier Grad Celsius herrschen. „Ab und zu kontrollieren wir, ob auch keins der Tiere vorzeitig aus der Winterstarre erwacht“, sagt Wulftange. Das würde nämlich enormen Stress für die Reptilien bedeuten.

Andere Tiere sind im Winter so aktiv wie immer: Die Seehunde Bine, Alice und Max drehen weiterhin Runden in ihrem Wasserbassin, das aber auch bei Minusgraden nicht beheizt wird. „Wir geben den Robben derzeit ein Drittel mehr Fisch als üblich. Also etwa 40 Heringe pro Tag für jedes Tier, damit sie sich wie in der Natur auch ihre Winterspeckschicht – den sogenannten Blubber – anfressen können. Damit sind sie gut geschützt gegen die Kälte“, versichert Wulftange.

Rein oder raus?

Tiere wie Löwen und Giraffen , die sich von Natur aus gar nicht an die sinkenden Temperaturen anpassen können, werden im Winter je nach Witterung nur noch kurz in die Außengehege gelassen. Die Affen dürfen frei wählen, ob sie nach draußen möchten oder nicht: Über Verbindungsklappen können sie selbstständig rein und raus.

Die Schimpansen müssen ihre 2500 Quadratmeter große Außenanlage im Zoobereich Takamanda für die nächsten Monate gegen das viel kleinere Tropenhaus eintauschen. Dafür erwartet die Menschenaffen dort eine besondere Attraktion: „Über den Sommer lassen wir die Anlage zuwachsen“, berichtet Zoopädagoge Henning Borgstädde. Besonders den Jungtieren mache es dann im Winter viel Spaß, mit dem Grün und den Früchten zu spielen und sie zu fressen.

Fellmantel und Strohteppich

Andere Tiere spüren wegen der geringeren Tageslichtmenge, dass es Zeit fürs Winterfell ist. Die Polarfüchse tauschen ihr graues Sommerfell gerade gegen das dicke, weiße Winterfell mit viel Unterwolle. Den Trampeltieren wächst ein wärmender Wintermantel. Andreas Wulftange: „Zusätzlich bekommen die Kamele eine dicke Strohschicht in ihr Haus, damit sie es warm haben.“

Besonders kuschelig wird es bei den Erdmännchen. „Die drängen sich im Winter immer ganz dicht zusammen unter die Wärmelampe in ihrem Häuschen“, weiß Borgstädde. Nur die Jungtiere seien manchmal doch neugierig auf den ersten Schnee. „Sie spielen aber nur kurz damit, dann merken sie, wie kalt das weiße Zeug ist.“