Gericht entscheidet über Unterbringung Schizophrenie ließ Osnabrückerin zum Schwert greifen

Von Dietmar Kröger

Im Schwurgerichtssaal des Landgerichts wurde jetzt über eine 48-Jährige verhandelt, die mit einem Samuraischwert unter anderem eine Hotelangestellte bedroht hatte. Symbolfoto: Michael GründelIm Schwurgerichtssaal des Landgerichts wurde jetzt über eine 48-Jährige verhandelt, die mit einem Samuraischwert unter anderem eine Hotelangestellte bedroht hatte. Symbolfoto: Michael Gründel

Osnabrück. An Schizophrenie leidet die 48 Jahre alte Frau, die im Januar diesen Jahres mit einem Samuraischwert zunächst in einem Hotel an der Johannisstraße und danach in einem Linienbus für Schrecken sorgte. Diese Diagnose stellte der psychiatrische Sachverständige jetzt vor der Großen Strafkammer des Landgerichts Osnabrück.

Die Kammer hatte darüber zu befinden, ob die Osnabrückerin per Gerichtsbeschluss in eine psychiatrische Klinik eingewiesen werden muss. Die drei Berufsrichter und zwei Schöffen kamen zu dem Schluss, dass eine Unterbringung angezeigt sei, diese aber zur Bewährung ausgesetzt werden könne.

Da eine Schuldfähigkeit, bedingt durch das Krankheitsbild, ausgeschlossen werden konnte, fand sich die Frau nicht in einem Strafverfahren wieder, sondern vielmehr in einem sogenannten Sicherungsverfahren.

Was sich im Januar 2014 abgespielt hat und nun zu der Verhandlung vor dem Landgericht führte, schilderte die Staatsanwältin wie folgt: Die 48-Jährige habe zunächst in einem Hotel an der Johannisstraße die Rezeptionistin an der Eingangstür mit einem Faustschlag ins Gesicht verletzt und die Frau danach mit einem Samuraischwert bedroht. Dabei habe sie mit der etwa einen Meter langen Klinge des Schwertes vor ihr herumgefuchtelt. Danach bestieg die Frau einen Linienbus am Rosenplatz, nachdem sie diesen mit einem Schlag des Schwertes beschädigt hatte. Im Bus habe sie die Fahrgäste, die nicht geflohen seien, bedroht, dabei aber niemanden verletzt. Als dritter Vorwurf stand der Widerstand gegen die Festnahme und die Bedrohung eines Polizeibeamten in der Anklageschrift.

Die Zeugenaussagen bestätigten diese Vorwürfe weitestgehend. Während aber die Körperverletzung zwischen Rechtsanwalt und Anklagevertretung nahezu unstrittig war, herrschten ob dem Tatbestand der Bedrohung unterschiedliche Ansichten. Sah die Staatsanwältin eine Bedrohung als gegeben an, wurde diese vom Rechtsanwalt der Beschuldigten verneint.

Das Gericht folgte in seinem Urteilsspruch in diesem Punkt der Sicht des Verteidigers. Der Abstand zwischen der Rezeptionistin und ihrer Angreiferin sei so groß gewesen, dass man von einer Bedrohung nicht sprechen könne. Zumal auch noch der Tresen der Rezeption, die beiden voneinander getrennt habe. Bei dem Vorfall im Bus sei ebenfalls nicht von einer Bedrohung auszugehen. Das Gericht berief sich hier auf die Aussage einer Zeugin, die während der Beweisaufnahme erklärt hatte, sie habe sich von der Beschuldigten nicht persönlich bedroht gefühlt. Auch bei der Festnahme an der Meller Straße sei eine Bedrohung der Polizeibeamten auszuschließen. Auch den Widerstand gegen die Beamten wertete das Gericht als nicht relevant. Die Beamten seien durch ihr schnelles und entschiedenes Handeln beidem zuvor gekommen.

Dass das Gericht sich in seinem Urteil für eine Unterbringung in einer psychiatrischen Einrichtung entschied, begründete der Vorsitzende Richter mit der Tatsache, dass die Beschuldigte eine Gefahr für die Allgemeinheit darstellen könne. Es bestehe die Befürchtung, dass sie neue Straftaten begehen könne. „Wäre nicht das Samuraischwert im Spiel gewesen, würden wir hier heute wahrscheinlich gar nicht sitzen“, sagte der Vorsitzende, um damit gleichzeitig zu verdeutlichen, welche Gefahr aber auch von der 48-Jährigen ausgehe.

Die Krankheitsgeschichte der Osnabrückerin zeige, dass sie nach ihrer ersten Einweisung in die Psychiatrie vier Jahre zuvor problemfrei gelebt habe. Erst als sie auf eigenen Beschluss die Medikation abgesetzt habe, sei es zu dem Vorfall gekommen. Deshalb sei die Unterbringung für drei Jahre zur Bewährung auszusetzen. Allerdings muss sich die Frau einigen Auflagen unterwerfen. Unter anderem bekommt sie einen Bewährungshelfer an die Seite gestellt, der die regelmäßigen Arztbesuche inklusive der Verabreichung einer Depotspritze, die die Krankheit im Zaum hält, kontrollieren soll.

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.