Ignition Racing Team electric Osnabrücker Hochschul-Autorennstall so gut wie nie

Von Sebastian Stricker


Osnabrück. Hinter dem Hochschul-Autorennstall Ignition Racing liegt die erfolgreichste Saison der Teamgeschichte. Mit ihrem selbst gebauten Elektroflitzer „IR-14 Infected“ schnitten die Osnabrücker bei Veranstaltungen der Formula-Student-Serie in Hockenheim und Barcelona hervorragend ab. In der Saison 2015 wollen sie mit einem überarbeiteten Fahrzeug noch schneller unterwegs sein.

Besonders der sechste Platz in der Gesamtwertung beim Deutschlandrennen Ende Juli/Anfang August – dem größten und wichtigsten seiner Art – übertraf die kühnsten Erwartungen. Für die Studenten selbst ist es das beste Resultat seit der Gründung des Rennstalls im Jahr 2006. Fast genauso hoch bewerten sie den neunten Rang beim Auftritt in Spanien vier Wochen später – wegen des starken Starterfelds.

„Damit hat keiner gerechnet. Unser Ziel war durchkommen“, sagt Teamleiterin Swenja Heuer mit Blick auf Hockenheim. Als eine von fünf „ Infected “-Piloten saß die 24-jährige Hochschulstudentin der Fahrzeugtechnik sogar selbst am Steuer. Die gelernte Kfz-Mechatronikerin aus Diepholz hat Benzin im Blut: Von 1998 bis 2010 fuhr sie Rennen im internationalen Kartsport. Dem Ignition Racing Team electric (Irte) gehört sie seit dem ersten Semester an. Kürzlich übernahm sie den Chefposten von Hendrik Münstermann.

Leichter, stärker, schneller

Dem Sommermärchen 2014 war monatelange Vorbereitung vorausgegangen. Denn um ihren batteriebetriebenen Rennwagen zu entwerfen, auf die Räder zu stellen und zu testen, blieb den Osnabrückern nur die Zeit neben dem Studium. Ihre Tüftelei in den heiligen, etwas versteckt liegenden Hallen zwischen Mensa und Bibliothek am Westerberg hatte vor allem ein Ziel: schneller werden. Im Motorsport erfordert das nicht nur einen starken Antrieb, sondern vor allem ein leichtes Auto.

Der „Infected“ erfüllt beide Bedingungen: Das nachtschwarze Geschoss mit dem giftgrünen Hinterteil wiegt keine fünf Zentner und schafft es dank 400-Volt-Akku mit 136 PS in weniger als drei Sekunden von null auf hundert. Das sollte sich auf der Formel-1-Piste von Hockenheim bezahlt machen. Im Beschleunigungsrennen über 75 Meter brauchte der IR-14 nur 4,154 Sekunden – Platz 10 von 40. Weil er auch im Ausdauerwettbewerb und anderen Disziplinen brillierte, erhielt das Team in der Endabrechnung sogar den Preis für das energieeffizienteste Elektroauto. „Das heißt, unser Wagen hatte gemessen an der Rundenzeit den geringsten Stromverbrauch auf der Strecke“, erklärt Swenja Heuer.

Stetige Entwicklung

In Barcelona bestätigten die Osnabrücker dann ihre gute Form: In allen Wertungen, bei denen gefahren wurde, landete der Hochschulrennstall in den Top 10. In den statischen Kategorien allerdings, bei denen beispielsweise das Konstruktionsverständnis überprüft wird, könne man noch mehr Gas geben, findet die Teamleiterin. Sie weiß auch wie: „Was wir brauchen, ist eine Datenbank, um die Wissensweitergabe zu verbessern.“ Andernfalls gehe zu viel Kompetenz verloren, wenn Irte-Mitglieder nach Ende ihres Studiums ausscheiden.

Schließlich erfindet der Rennstall das Rad nicht jedes Jahr neu. Im Gegenteil: Um zu erkennen, wie sich Veränderungen am Fahrzeug auswirken, bauen die meisten der sieben bislang entwickelten Boliden aufeinander auf. Pro Saison werden also nur manche Komponenten getauscht, die übrigen angepasst.

Um das Auto bis 2015 noch flotter zu machen, ist strenge Diät angesagt: Der alte Rahmen aus Stahlgitterrohr weicht einem einteiligen, 20 Kilogramm leichteren Fahrgestell aus Kohlefaser, Monocoque genannt. Weitere 15 Kilo Ersparnis verspricht sich Swenja Heuer vom Wechsel auf deutlich kleinere 10-Zoll-Räder. „200 Kilo Gesamtgewicht sind unser Ziel. Denn im Vergleich zu anderen Autos sind wir viel zu schwer.“ Wie konkurrenzfähig der IR-15 sein wird, zeigt sich dann erneut beim Formula-Student -Rennen in Hockenheim, für das die Hochschule Osnabrück dank des diesjährigen Erfolgs „so gut wie gesetzt“ ist. Außerdem peilt das Irte die Teilnahme an einem zweiten Wettbewerb an, mutmaßlich in Österreich oder Italien.

Sponsorentreffen in der Werkstatt

Am 14. November gewährt der Rennstall beim „Meet & Greet“ in seiner Campus-Werkstatt einen exklusiven Blick hinter die Kulissen. Teammitglieder stehen Rede und Antwort, der Erfolgsbolide „IR-14 Infected“ absolviert eine Showfahrt. Darüber hinaus lüften die Studenten das eine oder andere weitere Geheimnis rund um die Entwicklung des Nachfolgeautos. Eingeladen sind alle Partner des Ignition Racing Team electric sowie interessierte Unternehmen aus der Region, außerdem Professoren und Labormitarbeiter der Hochschule Osnabrück. Für Teamchefin Heuer „eine hervorragende Möglichkeit, um lukrative Kontakte zu knüpfen“.