„Tag der Religionen“ in Osnabrück Boris Pistorius: Fanatikern nicht Deutungshoheit überlassen

Von Franziska Kückmann

Landesinnenminister Boris Pistorius . Foto: Swaantje HehmannLandesinnenminister Boris Pistorius . Foto: Swaantje Hehmann

Osnabrück. Landesinnenminister Boris Pistorius (SPD) hat dazu aufgerufen, Fanatikern nicht die Deutungshoheit über Religion zu überlassen. „Wir dürfen es nicht zulassen, dass eine kleine Gruppe das Bild einer Glaubensgemeinschaft bestimmt“, sagte er in seiner Rede beim „Tag der Religionen“ in Osnabrück.

Als Beispiel nannte er radikale Salafisten, die eben nicht mit der großen Mehrheit der Muslime in Deutschland oder dem Islam an sich gleichgesetzt werden dürften.

Pistorius sprach zum Thema „Religionsgemeinschaften zwischen Religionsfreiheit und Verfassungstreue“. Er wies darauf hin, dass Religionsfreiheit als Grundrecht in Deutschland ein hohes Gut sei. „Sie ist jedoch nur dann möglich, wenn die Religion ihre Grenzen in unserem Rechtsstaat kennt“, sagte der SPD-Politiker. Diese Grenzen würden durch die Verfassung und Gesetze definiert. Wer sie durch sein Handeln breche, könne sich nicht auf die Religionsfreiheit berufen, betonte der Innenminister.

Salafisten nannte er „Menschen, die ihre Religion missbrauchen, um ihre fanatische Vorstellung von einem fehlgeleiteten Islam zu realisieren. Sie missachten bewusst unsere Rechtsordnung“. Pistorius stellte klar: „Dafür darf nicht der Islam als solcher in Haftung genommen werden.“ Religion an sich sei nichts Schlechtes, Gewalttätiges.

Zugleich verurteilte er scharf die Hooligan-Demonstration vor knapp zwei Wochen in Köln, die sich gegen Salafisten gerichtet hatte und bei der es zu schweren Ausschreitungen gekommen war. „Das Ziel der Landesregierung ist es, eine geplante Hooligan-Veranstaltung in Hannover zu verhindern “, sagte Pistorius. „In unserem Land gibt es keinen Platz für Rechte, Rassisten und Feinde unserer freiheitlich-demokratischen Grundordnung.“

Den „Runden Tisch der Religionen in Deutschland“, der den „Tag der Religionen“ veranstaltet, nannte der Innenminister „beispielhaft dafür, wie Religionen miteinander in Dialog treten und sich für Verständigung einsetzen können“. Der bundesweite „Tag der Religionen“ fand zum zweiten Mal nach 2005 in Osnabrück statt. Initiatoren sind Vertreter der Kirchen, der Islamverbände, der jüdischen Religionsgemeinschaft, der Baha’i und der Buddhisten.

Die Mitglieder des Gremiums riefen bei ihrem Treffen in Osnabrück zu einem friedlichen Miteinander der Gläubigen auf. „Wir müssen das friedfertige Potenzial von Religion in den Vordergrund rücken“, sagte der evangelische Bischof Martin Hein aus Kassel. „Es ist unsere Aufgabe, in unserer säkularen Gesellschaft den Wert von Religion hochzuhalten.“