Ein Autor mit Trennungsangst Arne Dahl bei seiner Lesung in der Stadtbibliothek

Von Anne Reinert

Arne Dahl 
              Foto: HehmannArne Dahl Foto: Hehmann

Osnabrück. Der schwedische Krimiautor Arne Dahl las in der Osnabrücker Stadtbibliothek aus „Neid“, dem dritten Band von vier Bänden über die Opcop-Polizeieinheit.

Osnabrück. Lokführer und Lesungen haben auf den ersten Blick nicht zwingend etwas gemeinsam. Wohl aber, wenn Erstere ihre Arbeit niederlegen. Der Bahnstreik setzte der Lesung mit dem schwedischen Bestsellerautor Arne Dahl in der Stadtbibliothek Osnabrück ein klares Zeitlimit.

Irgendwie stellt man sich Bestsellerautoren ja doch überlebensgroß und unberührbar vor. Und dann sind sie auch nur Menschen. Im Fall von Arne Dahl ist das keine unangenehme Feststellung nach dem Motto „Der ist aber…“. Vielmehr kommt der 51-Jährige bei seiner Lesung als sehr sympathischer Mensch rüber. Fast ein bisschen unauffällig in seiner schwarzen Kleidung und dem grauen Jackett.

Für die meisten wohl eine Überraschung: Arne Dahl spricht Deutsch. Und das sehr gut. Lange habe er bei seinen Lesungen in Deutschland lieber Englisch gesprochen, weil sein Deutsch nicht perfekt sei, berichtet Dahl. Doch inzwischen könne er akzeptieren, dass er kleine grammatische Fehler mache. Das Lesen überlässt er an diesem Abend trotzdem der mit ihm gekommenen Journalistin und Literaturkritikerin Margarete von Schwarzkopf. Dahl selbst liest nur kleine Auszüge auf Schwedisch. Immerhin verstehen vier von rund 70 Zuhörern diese Sprache.

Vorgestellt wird „Neid“, der dritte von vier Bänden über die Opcops, eine in ganz Europa ermittelnde Polizeieinheit. Ein renommierter Wissenschaftler wird auf offener Straße erstochen. Das Handy mit sensiblen Daten kann er noch im letzten Moment in den Hut eines blinden Bettlers werfen, der nur scheinbar eine Randfigur ist, wie im Gespräch zwischen Dahl und Schwarzkopf zu erfahren ist. Mehr wird natürlich nicht verraten.

Die Euro-Krimis von Arne Dahl – der eigentlich Jan Arnald heißt und auch unter seinem bürgerlichen Namen Bücher veröffentlicht hat – sind Bestseller. In den 90ern veröffentlichte er unter diesem Pseudonym die ersten Fälle um die ebenfalls europaweit ermittelnde A-Gruppe. Zehn Krimis in zehn Jahren habe er damals schreiben wollen, erzählt Dahl. Das kam ihm am Anfang wie eine Ewigkeit vor. Doch als die Reihe vollendet war, „hatte ich Trennungsangst“. Und so folgten die vier Bände um die Opcops, in denen einige Polizisten aus der Reihe vorher wieder auftauchen.

Die für Deutschland so typischen Ein-Wort-Titel „Gier“, „Zorn“, „Neid“ und demnächst der letzte Band „Hass“ haben nichts mit den Originaltiteln zu tun. Überhaupt hätten die Todsünden nicht viel mit dem eigentlichen Inhalt zu tun, kritisiert Schwarzkopf. Auf Schwedisch tragen die Bücher stattdessen nach Kinderspielen benannte Titel wie „Blinde Kuh“. Weil es den Titel seines ersten Bandes („Stille Post“) aber schon in Deutschland gab, habe der Verlag andere Titel genommen, erklärt Arne Dahl, der außerdem durchblicken ließ, dass er derzeit viele deutsche Krimis lese. Seine Lieblinge sind aber die englischen und amerikanischen wie etwa die von James Ellroy. Der Wermutstropfen bei dieser Lesung: Wegen des Bahnstreiks stand sie unter Zeitdruck. Eigentlich war geplant, dass Arne Dahl über Nacht in Osnabrück bleibt. Doch wegen des am Donnerstag auch im Personenverkehr einsetzenden Bahnstreiks nahmen er und Margarete von Schwarzkopf noch am selben Abend den Zug nach Hannover. So verschwanden Dahl und Schwarzkopf pünktlich um Viertel vor neun in der Dunkelheit der Nacht.