Streik in Osnabrück Ameos: Mehr Unterstützung durch die Politik erwünscht

Meine Nachrichten

Um das Thema Osnabrück Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.


Osnabrück. Sechs Wochen Streik und noch immer keine Reaktion vom Arbeitgeber: Die Mitarbeiter des Ameos-Klinikums machten am Donnerstagmittag auf dem Nikolaiort mit einer Aktion auf sich und ihre Forderungen aufmerksam.

Statt Stars aus Film und Fußball feierten 300 Streikende, Unterstützer und Passanten die „wirklichen Stars des Lebens, all diejenigen, die durch ihre Arbeit die Gesellschaft funktionieren lassen“, wie Klaus-Peter Becker von Verdi sagte. Und so schritten Ergotherapeuten, Physiotherapeuten, Lehrer, Verwaltungsangestellte und andere Mitarbeiter des Ameos-Klinikums über einen roten Teppich und ließen sich feiern.

Dabei würden sie gerne etwas anderes feiern: die Aufnahme von Gesprächen für einen neuen Tarifvertrag . Seit der Ameos-Konzern vor einem Jahr den Tarifvertrag gekündigt hatte, ist der alte Tarifvertrag zwar noch in der Nachwirkung gültig, neue Mitarbeiter sind aber deutlich schlechtergestellt.

Von den 100 Auszubildenden bekomme der letzte Kurs 18 Prozent weniger als die anderen. Dabei sei die Ausbildungsvergütung in voller Höhe in den Pflegesatz eingerechnet, sagte Martina Kampe von der Ameos-Pflegeschule. Die Auszubildenden würden auch nicht mehr übernommen, kritisierte Kampe. Der Schweizer Konzern verzichte schlicht auf „hoch motivierten und gut ausgebildeten“ Nachwuchs.

Egbert Meer, Physiotherapeut in der Forensik für schuldunfähige Straftäter , berichtete von einer großen Unterstützung durch die Patienten: „Sie backen uns Brot und Kekse und schicken das in unsere Streikzentrale.“ Beide Seiten, Patienten und Mitarbeiter, bewegt ein Wunsch: möglichst bald wieder zur Normalität zurückzukehren.

Gerade bei psychisch kranken Menschen sei eine Therapie wichtig, erläuterte Ria Reddemann, die mit depressiven Patienten arbeitet: „Sie sollen Sicherheit, Zufriedenheit und Selbstvertrauen erlangen. Das kann ich aber nicht vermitteln, wenn ich das selbst nicht fühle“, sagte sie unter Applaus der Umstehenden.

Allein die Pfleger können sich nicht an dem Streik beteiligen, weil sie den Notdienst aufrechterhalten müssen. Nach der Notdienstvereinbarung müssen 90 Kräfte pro Schicht anwesend sein, sagte Verdi-Mitarbeiterin Nicole Verlage unserer Redaktion. Im Ameos arbeiteten rund 280 Personen in der Pflege, 80 davon seien durch einen Sozialdienstleister eingestellt. Diese Gruppe darf während eines Streiks nicht arbeiten. „Wir haben die Nachtschicht aus dem Streik herausgenommen, sonst könnten wir mit der dünnen Personaldecke nicht mal die Notdienstvereinbarung aufrechterhalten“, erklärte Verlage.

Mit der Aktion auf dem Nikolaiort wollten sich die Ameos-Mitarbeiter in Erinnerung rufen. Sie fühlen sich in der Diskussion um Lokführer- und Pilotenstreiks vergessen. Auch wenn sporadisch Vertreter der Politik ins Streiklokal kommen, wünschen sie sich mehr Rückendeckung von Rat und Landesregierung. Unterstützung gab es am Mittwoch von anderen Gewerkschaften. Astrid Müller von der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft fühlt sich durch Ameos „ins 19. Jahrhundert zurückversetzt“.

Ein Passant, der sich bei den Zuschauern der Protestaktion erkundigte, worum es geht, und hörte, dass hier die Beschäftigten gegen den Ameos-Konzern demonstrieren, meinte lakonisch: „Aha, die Ausbeuter.“


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN