Auswirkungen für Fahrgäste GDL-Streik schlägt am Osnabrücker Bahnhof zu

Von Sarah Engel


Osnabrück. Am frühen Donnerstagmorgen sind die Auswirkungen des Rekordstreiks der GDL direkt zu spüren. Nur wenige Fahrgäste verirren sich heute an den Osnabrücker Bahnhof. Und wenn doch vereinzelt Menschen an den Gleisen stehen, warten diese meist auf private Zuganbieter.

Die Anzeigetafel in der Wartehalle des Osnabrücker Bahnhofs zeigt, wie bereits erwartet, keine erfreulichen Nachrichten an. „Auf Grund von Streik der GDL ist der Zugverkehr beeinträchtigt. Bitte achten Sie auf Anzeigen und Ansagen und informieren Sie sich im Internet“ rät die Deutsche Bahn ihre Kunden. Die einzelnen Verbindungsnachweise darüber weisen daraufhin, dass heute nur wenige Züge von Osnabrück in die Ferne führen.

Fahrgäste auf Umwegen

Stefanie Köplin hat sich an den Ratschlag der Bahn gehalten und bereits im Voraus im Internet recherchiert. Gemeinsam mit ihrem Kater Jimber besuchte sie ihre Schwester in Osnabrück. Heute soll es nun zurück nach Göttingen gehen. „Ich hatte mir extra eine kurze und schnelle Strecke ausgesucht, damit mein Kater nicht so lange Zugfahren muss“, sagt sie. Doch daraus wird heute nichts. Am Informationsschalter helfen ihr die Mitarbeiterinnen der Bahn, eine neue Verbindung zu finden. Tatsächlich kommt Köplin heute noch nach Göttingen. Doch dafür muss sie eine Zugfahrt von dreieinhalb Stunden in Kauf nehmen und in Bielefeld und Hannover umsteigen. An den Streiktagen dürfen Reisenden mit ihrem Ticket alle verfügbaren Züge der Deutschen Bahn nutzen. Aber das ist für Stefanie Köplin nur ein kleiner Trost. Vielmehr sorgt sie sich um ihr Tier. „Ich hoffe, dass es für meinen Kater nicht zu stressig wird“, sagt sie, bevor sie mit Koffer und Reisekäfig zu ihrem Gleis läuft.

Mit Humor nimmt Jürgen Vogt die Ausfälle im Reiseverkehr. Dabei ist der Schwabe schon seit mehr als neun Stunden unterwegs. Von Leonberg in der Nähe von Stuttgart ging es am Vorabend um 22 Uhr los. Vogt muss beruflich nach Bad Oeynhausen, sein eigentliches Ticket war auf Donnerstagmorgen ausgestellt. Aufgrund des Streiks nahm er daher eine nächtliche Fahrt mit der Bahn in Kauf. „Eigentlich wollte ich mir einen Mietwagen nehmen“, sagt er. „Aber in meiner Heimatstadt waren schon alle Wagen ausgebucht.“ Gegen 7.44 Uhr wird Vogt in Bad Oeynhausen ankommen, gute zehn Stunden war er dann unterwegs. Um die Mittagszeit will er dann den Rückweg nach Baden-Württemberg antreten. Dieses Mal aber mit dem Mietwagen. „Hier habe ich zum Glück noch ein Gefährt ergattert“, sagt er und lacht. Zwischen und fünf und sechs Stunden rechnet er für die Rückfahrt ein, falls er nicht im Stau steht. Damit verschafft der Streik ihm einen sehr langen Arbeitstag.

Einbußen für Händler, Profit für private Zuganbieter

Über zu viel Arbeit können sich die Angestellten der Bäckerei Coors an diesem Tag nicht beschweren. „Es ist viel weniger los als sonst um diese Uhrzeit“, sagt eine Verkäuferin. „Deshalb bieten wir heute auch nur die Hälfte unserer Ware an.“ Schon beim letzten GDL-Streik hätte sich dieser massiv auf den Umsatz ausgewirkt und Coors arbeitete mit weniger Personal. Verständnis haben sie und ihre Kollegin für den Streik nicht. „Am Ende bekommen die Lokführer mehr Geld und wer muss es dann ausbaden? Wir natürlich, weil die Ticketpreise wieder erhöht werden.“

Hier finden Sie alle Informationen von www.noz.de zum GDL-Rekordstreik

Rund ein Drittel des Zugverkehrs versucht die Bahn in diesen Tagen aufrecht zu erhalten. Ob ihr dies gelingen wird, bleibt abzuwarten. Wer von dem GDL-Rekordsreik besonders profitiert, sind die privaten Anbieter. Das zeigt sich auch am Osnabrücker Bahnhof: Die Nordwestbahn wartet mit einem Zug in Richtung Oldenburg, die Westfalenbahn fährt nach Münster und der HKX sichert den Bahnverkehr nach Köln und Hamburg. Der Hamburg-Köln-Express plant sogar, weitere Waggons an seine Züge zu hängen. An den Gleisen der Privatbahnen herrscht heute auch weiterhin Betrieb – ein Glück für die Osnabrücker Pendler, die Richtung Norden oder Westen fahren.