ADFC verurteilt „schändliche Tat“ Gedenktafeln an Osnabrücker „Ghostbikes“ gestohlen

Von Christian Lang

Seit Freitag stehen zwei „Ghostbikes“ an der Ecke Johannistorwall/Kommenderiestraße – nun fehlt ihnen die Gedenktafel. Der ADFC geht von einer vorsätzlichen Tat aus. Foto: Christian LangSeit Freitag stehen zwei „Ghostbikes“ an der Ecke Johannistorwall/Kommenderiestraße – nun fehlt ihnen die Gedenktafel. Der ADFC geht von einer vorsätzlichen Tat aus. Foto: Christian Lang

Osnabrück. Unbekannte haben in der Nacht zu Dienstag die Gedenktafeln an den beiden Ghostbikes entwendet, die an der Ecke Johannistorwall/Kommenderiestraße stehen. Das zweite komplett weiß lackierte Fahrrad war erst am vergangenen Freitag bei der „Critical Mass“ aufgestellt worden. Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club Kreisverband Osnabrück (ADFC) hat bei der Polizei Strafanzeige gestellt.

Die weiß gestrichenen Fahrräder stehen als Mahnmale für im Straßenverkehr verunglückte Radfahrer am Ort des Unfalls. An der Ecke Johannistorwall/Kommenderiestraße sind seit vergangenem Freitag nun zwei dicht nebeneinander platziert.

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Das erste war im April an der Stelle aufgestellt worden, an der am 4. März ein 20-jähriger Radler tödlich verunglückt war. Vorausgegangen war ein harter Kampf mit der Stadt Osnabrück, die Ghostbikes zunächst ablehnend gegenüberstand. Die Fahrräder würden eine zu große Ablenkung im Straßenverkehr darstellen, hieß es zunächst. Vor zwei Monaten folgte dann das zweite Ghostbike in Osnabrück: Aktivisten und der ADFC haben Fahrrad damals an der Kreuzung Bohmter Straße/Liebigstraße aufgestellt – in Gedenken an eine 74-jährige Frau, die kurz zuvor bei einem Unfall verstorben war.

Zehn Radfahrer seit 2004 tödlich verunglückt

Ende Oktober verunglückte ein 47-jähriger Radfahrer an der Ecke Johannistorwall/Kommenderiestraße , wenige Tage später erlag er seinen Verletzungen. Er war bereits das zehnte Opfer in der Stadt, das seit 2004 bei einem Fahrradunfall ums Leben kam. In einer stillen Zeremonie wurde deshalb am vergangenen Freitag während der „Critical Mass“ ein weiteres vollkommen weiß gestrichenes Fahrrad aufgestellt – direkt neben dem, das seit April dort steht. Die Teilnehmer legten still Blumen an den Unfallort.

„Wir wollten die Aktion nicht so an die große Glocke hängen“, sagt Uwe Schmidt, Vorsitzender vom ADFC Osnabrück. Wie an dem anderen Ghostbike an der Stelle wurde auch an dieses eine kleine Gedenktafel angebracht, um an Toten zu erinnern. Auch der Name des Radfahrers wurde dieses Mal auf Wunsch der Angehörigen auf der Tafel platziert.

Strafanzeige bei der Polizei

Doch am Dienstag der Schock: Der Inhaber eines benachbarten Geschäfts informierte Schmidt morgens per SMS darüber, dass die Tafeln an den Fahrrädern entfernt worden seien. „Die Tat muss irgendwann zwischen Montagabend um 19 Uhr und Dienstagmorgen um 7 Uhr passiert sein“, so Schmidt.

Sofort hat der ADFC Strafanzeige bei der Polizei gestellt. Zwar sei der materielle Wert der Tafeln nicht besonders hoch, der ideelle Wert dagegen sei mit nichts aufzuwiegen. „Das ist eine schändliche Tat. Dadurch werden die Angehörigen der Toten verhöhnt“, sagt der Vorsitzende. Schmidt geht davon aus, dass es sich um eine vorsätzliche Tat handelt. „Das war kein jugendlicher Leichtsinn oder ähnliches. Es wurde ja sonst nichts weiter zerstört, sondern nur die Tafeln entwendet“, sagt er.

Er kann nicht verstehen, warum man einen solchen Weg wählt. Zwar sei nicht jeder von dem Konzept der Ghostbikes überzeugt. Kritiker sollten jedoch eher in einen konstruktiven Dialog mit den Radfahrern treten. Die Ermittlungen der Polizei laufen.