Blindgänger eine große Gefahr Bombe in Osnabrück: Kann man Sicherheit übertreiben?

Von Dietmar Kröger

Am Sonntag steht wieder eine Bombenräumung in Osnabrück an. Foto: Michael GründelAm Sonntag steht wieder eine Bombenräumung in Osnabrück an. Foto: Michael Gründel

Osnabrück. Es reißt nicht ab: Am kommenden Sonntag ist der nächste Blindgänger aus dem Zweiten Weltkrieg zur Entschärfung fällig. Diesmal im Fledder. Auch er ist nicht „geplant“, sondern eher eine Spontanentschärfung, die zwar im Vorfeld organisiert werden konnte, so aber zunächst nicht auf der Liste der Bombenräumer stand. Ein Zeitzeuge hat die Stadt auf die Bombe aufmerksam gemacht.

„Mittlerweile sind es 17 Hinweise von Zeitzeugen, die nach der letzten Räumung bei uns eingegangen sind und die wir nach und nach abarbeiten“, sagt Jürgen Wiethäuper, als Fachdienstleiter in der Stadtverwaltung Hauptverantwortlicher für die Hinterlassenschaften aus dem Weltkrieg und deren Beseitigung .

Kein leichter Job, der vor allem noch immer von einer großen Zahl von Osnabrückern eher als Beschwernisbeschaffer denn als Hilfeleistung verstanden wird. Warum muss denn das Evakuierungsgebiet so groß sein? Warum ist die eine Straßenseite mit drin, die andere nicht? Warum läuft die Grenze gerade an dieser Stelle entlang und nicht ein paar Meter weiter vorne? Fragen, die Wiethäuper und seine Kollegen – mal mehr mal weniger freundlich – häufig zu hören bekommen.

Zweifler an der Sinnhaftigkeit weiträumiger Absperrungen und Evakuierungen seien an die ungewollte Explosion eines Zehn-Zentner-Blindgängers vor etwas mehr als vier Jahren in Göttingen erinnert. Drei Menschen kamen damals ums Leben, allesamt mit der Bombenräumung befasst. Trümmerteile flogen ungehemmt durch die Luft. Eines davon, mehrere Kilo schwer, zerschlug das Dach eines Wohnhauses – in 900 Meter Entfernung vom Fundort. Die Dachwohnung wurde stark beschädigt. Menschen hielten sich zum Zeitpunkt des Einschlags nicht mehr in der Wohnung auf. Sie waren evakuiert worden. Das war ihr Glück.

Glück gehabt

Und die Straßensperrungen? „Wir müssen die Straßenzüge so sperren, dass wir keine Sackgasse bilden. Der Verkehr muss so gut wie möglich von den in das Evakuierungsgebiet einfließenden Straßen umgeleitet werden können“, sagt Wiethäuper. Dadurch könne es durchaus zu auf den ersten Blick befremdlich anmutenden Grenzziehungen für den abgesperrten Bereich kommen.

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Auch für die Evakuierung einer Straßenseite, während die andere von der Maßnahme unberührt bleibt, gibt es eine logische Erklärung: Evakuiert wird immer jene Seite, die der Bombe zugewandt ist. „Wir könnten sonst nicht sicherstellen, dass nicht doch jemand durch die Hintertür Richtung Bombe also in den Gefahrenbereich hineinspaziert. Schließlich können wir nicht an jedem Kellerausgang jemand postieren, der aufpasst, dass niemand das Haus auf diesem Weg verlässt“, erläutert Wiethäuper das Vorgehen. Außerdem müssten die Grenzen eines Evakuierungsgebietes klar definiert und überwachbar sein. Eine Wald- oder Wiesenfläche biete diese Voraussetzungen nicht. Deshalb orientierte sich die Linienführung möglichst an Straßenverläufen.

Sicherheit geht vor

Der Radius rund um den Fundort, in dem evakuiert werde, entspreche in der Regel den Empfehlungen der Experten vom Kampfmittelbeseitigungsdienst, so Wiethäuper. Die Radien richten sich dabei nach dem Kaliber des gefunden Objekts. Eine 50-Kilo-Bombe erfordert demnach einen Radius von 500 Metern, mithin einen Kreis mit einem Durchmesser von 1000 Metern rund um die Bombe. Der am Sonntag zu entschärfende Blindgänger ist entweder eine 250- oder 500-Kilo-Bombe. Hier ist ein Radius von 1000 Metern als Sicherheitsbereich angesagt. Dass dieser Radius Sinn macht, belegt das traurige Beispiel Göttingen – auch hier handelte es sich um einen 500-Kilo-Blindgänger.

Ob die bekannte Bombe am Sonntag die einzige bleibt, die entschärft wird, wird sich noch herausstellen. „Wir sondieren noch Verdachtspunkte in der Nähe“, sagt Wiethäuper. Sollte ein zweiter Blindgänger gefunden werden, wird auch dieser entschärft. Das würde die zweimalige Sperrung des gleichen Gebietes ersparen.

„Kann man Sicherheit übertreiben?“ fragt Wiethäuper. Die Antwort kann eigentlich nur ein beherztes „Nein“ sein.