Architektur in Osnabrück: Das Wohn- und Bürohaus Sökeland & Leimbrink

Von Tom Bullmann


Osnabrück. Moderne Architektur in natürlichem Umfeld mit Blick auf den Osnabrücker Stichkanal: In der Nähe des Urlaufs der Hase steht ein Ensemble aus drei Gebäuden, das der Osnabrücker Architekt Rainer Sökeland zwischen 1998 und 2009 am Fuß des Piesbergs errichten ließ. Auf harmonische Art werden in der Glückaufstraße 14a Arbeiten und Wohnen zu einer Einheit.

Ein Schild mit dem Schriftzug „Glückauf“ empfängt den Besucher des Areals auf der Grenze zwischen dem Stadtteil Hafen und Pye. Der traditionelle Bergarbeiter-Gruß erinnert an die Geschichte des Piesberg s als ehemaligen Standorts einer Steinkohlegrube. Hier wurde modern gebaut – in direkter Nachbarschaft zu historischen Gebäuden der Kohle- und Steinindustrie. Das Wohnhaus, das als Erstes an dieser Stelle in Sichtweite zum Piesberger Zechenbahnhof gebaut wurde, nimmt Bezug zur historischen Umgebung: Das ungewöhnliche Tonnendach aus Aluminium zitiert die Dachform des „Magazingebäudes“, das nicht weit entfernt zum Gebäudebestand des Museums Industriekultur gehört.

Mit den verschiedenen Geländeniveaus – die angrenzende Straße liegt höher als der Großteil des circa 5000 Quadratmeter umfassenden parkähnlichen Geländes – spielt der 2004 erbaute Carport mit seinem Flugdach und einem „Kellerbereich“ unter den Fahrzeug-Stellplätzen.

Ein 2009 errichtetes Doppelwohnhaus ist über eine Brücke mit der Straße verbunden und bietet den Mietern im Küchen- und Wohnbereich einen attraktiven Blick auf den Stichkanal: Großzügige Fensterflächen machen es möglich. Aber auch in diesem Gebäude wird gearbeitet. In dem der „Altbebauung“ zugewandten Bereich befinden sich Arbeits- und Besprechungsräume der Firma Sökeland & Leimbrink Architektur & Design , darüber Abstellräume, die gleichzeitig als Sichtschutz dienen. Alle drei Gebäude zeichnen sich durch die Verwendung von Stein, Glas, Stahl und Holz als Baumaterialien aus: Klare Linien verbinden verputzte, weiße Fassaden mit Natursteinmauern sowie mit dunkelgrau gerahmten Fensterflächen und Blendelementen aus Naturholz.

Die historische Lage wird im Park zusätzlich betont: Ein aus Bruchstein gemauerter Wassergraben durchzieht das Gelände. „Er diente früher dazu, das ständig aus dem Haseschacht gepumpte Wasser in die Hase zu leiten“, erklärt Sökeland. Er ließ den Graben freilegen, zerstörte Teile wieder aufmauern und mit Brücken aus Stein und Stahl versehen. So entstanden Sicht- und Fluchtlinien, die den Park strukturieren.

Zur optischen Bereicherung installierte Sökeland diverse selbst gestaltete Stelen und bunte Bänke im Garten, unter anderem eine Gruppe mit fünf „Tratschweibern“ aus Holz, zu der man sich gesellen kann, um die neuesten Neuigkeiten aus der Nachbarschaft zu erfahren.

Metropolenfaktor: Fünf von sechs Sternen
Stadtbildfaktor: Sechs von sechs Sternen
Wohlfühlfaktor: Fünf von sechs Sternen