Ein Mann ohne Krankheiten Arnon Grünberg las aus seinem Roman im Blue Note

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Arnon Grünberg im Blue Note. Foto: Hermann PentermannArnon Grünberg im Blue Note. Foto: Hermann Pentermann

Osnabrück. Am Montag las der 1971 in Amsterdam geborene Autor, Kolumnist und Blogger Arnon Grünberg im Blue Note bei der Littera-Veranstaltung der Buchhandlung zur Heide aus seinem aktuellen Roman „Der Mann, der nie krank war“.

Osnabrück. Der richtige Koffer, aber die falschen Kleider: „Nicht von mir.“ Wenn Arnon Grünberg die wachsende Ungeduld seines Protagonisten Sam schildert, für den Kleidung Identität bedeutet, wird seine niederländisch gefärbte Stimme schon mal lauter.

Am Montag las der 1971 in Amsterdam geborene Autor, Kolumnist und Blogger im Blue Note bei der Littera-Veranstaltung der Buchhandlung zur Heide aus seinem aktuellen Roman „Der Mann, der nie krank war“.

Dieser Mann heißt Samarendra „Sam“ Ambani, ist Schweizer Bürger mit indischem Vater und zeichnet sich im Gegensatz zu seiner körperbehinderten Schwester durch einen „Mangel jedweden Gebrechens“ aus, kombiniert mit einem ausgeprägten Bedürfnis nach Kontrolle, Hygiene und einer großen Portion Naivität.

Als Finalist eines obskuren Wettbewerbs reist der junge, ambitionierte Architekt in den kriegsgeschüttelten Irak, um in Bagdad eine Oper zu bauen. Mit der schier unerschütterlichen Neutralität eines „Musterschweizers“ stößt Sam auf eine ihm fremde Kultur, der er sich anzupassen versucht.

Untergebracht in einer schmuddeligen Absteige, lässt Sam sich angesichts unheimlicher Geräusche im Nebenzimmer mit dürftigen Erklärungen abspeisen oder spielt seine Qualen als misshandeltes Entführungsopfer im Schweizer Freundeskreis herunter („Es war auszuhalten“). Schließlich gerät der auf den äußeren Schein bedachte Sam in Dubai als vermeintlicher Spion in einen geradezu kafkaesken Gerichtsprozess, in dem das Urteil anderer über seine Identität zur Lebensfrage wird.

Verschiedene Kulturen, Inhaftierte ohne Strafprozesse, dazu eigene skurrile Erlebnisse mit Sicherheitsleuten – Beobachtungen seiner Aufenthalte in Afghanistan, Irak oder Guantánamo Bay ließ der in New York lebende Globetrotter Grünberg in seinen Roman über den westlich geprägten, anpassungsbereiten Unglücksraben Sam einfließen.

„Die Kontexte bestimmen uns mehr, als wir glauben“, erklärte Arnon Grünberg im Publikumsgespräch. Und dass der Titel seines Buches wörtlich übersetzt frei nach Robert Musil „Der Mann ohne Krankheiten“ heißt. Und der ist offenbar neutral bis zur Schmerzgrenze.

Arnon Grünberg. „Der Mann, der nie krank war“. Aus dem Niederländischen von Rainer Kersten. Köln: Verlag Kiepenheuer & Witsch. 240 Seiten. 18.99 Euro.


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