Landkreis bleibt außen vor Niedersachsen-Ticket gilt ab 2015 in Osnabrück

Von Sebastian Stricker

Mit dem Niedersachsen-Ticket können Osnabrücker und Belmer ab 2015 ihre Bahnreise an der Bushaltestelle vor der Haustür beginnen. Foto: dpaMit dem Niedersachsen-Ticket können Osnabrücker und Belmer ab 2015 ihre Bahnreise an der Bushaltestelle vor der Haustür beginnen. Foto: dpa

Osnabrück. Gute Nachricht für Bus- und Bahnkunden in Osnabrück und Belm: Ab 1. Januar 2015 gilt endlich auch hier das Niedersachsen-Ticket. Der Landkreis bleibt allerdings außen vor – zum großen Bedauern der heimischen Nahverkehrslobby.

Mit der neuen Regelung wird der Anbieter Niedersachsentarif GmbH (Nitag) in Hannover seinem Werbeversprechen, „einfach unterwegs“ zu sein, wieder ein Stückchen mehr gerecht. Auch die Stadtwerke Osnabrück als örtlicher Verkehrsbetrieb kommentieren die neue Partnerschaft geradezu euphorisch.

„Wir sind begeistert, dass die Osnabrücker jetzt mit dem Niedersachsen-Ticket ihre Reise direkt vor der Tür an der eigenen Haltestelle beginnen können. Damit schließt sich in der Mobilitätskette zwischen Bus und Bahn eine wichtige Lücke und macht eine umweltfreundliche Verbindung bis zum Reiseziel in Niedersachsen möglich“, wird Vorstand Stephan Rolfes in einer am Montag verbreiteten, gemeinsamen Mitteilung zitiert. In diesen Jubel stimmt Nitag-Geschäftsführer Andreas Meyer ein: Schließlich erweitert sein Unternehmen mit der Aufnahme des Oberzentrums ihr Portfolio beträchtlich. „Die Stadt Osnabrück ist mit vielfältigen Sehenswürdigkeiten ein attraktives Ausflugsziel “, findet er und glaubt, dass der Kombifahrschein für Bahn und Bus deshalb „nicht nur für die Osnabrücker Bürger interessant sein“ dürfte.

Licht und Schatten

Womit er Recht und Unrecht zugleich hat. Zwar freuen sich auch regionale Fahrgastverbände und ÖPNV-Befürworter über die erweiterte Gültigkeit des Niedersachsen-Tickets. Schließlich erfüllt sie einen lang gehegten Wunsch . Allerdings geht ihnen das Angebot nicht weit genug. Die Begrenzung auf Busfahrten in der Preisstufe 0 (Osnabrück/Belm) halten sie schlicht für unzureichend.

„Der Vorteil für die Stadt ist ein Affront für den Landkreis Osnabrück“, sagt Thomas Polewsky von der Stadtbahn-Initiative . Und Johannes Bartelt, Sprecher der Initiative Haller Willem , fordert: „Osnabrück kann nur ein Anfang sein. Das Umland muss möglichst bald folgen!“

Auf Nachfrage unserer Redaktion versicherten am Dienstag sowohl Nitag als auch Stadtwerke, dass es sich bei der nun getroffenen Vereinbarung um einen „ersten Baustein“ handele. Das Interesse der Kunden aus dem Speckgürtel am Niedersachsen-Ticket sei keineswegs aus dem Blick geraten. Es unmittelbar zu berücksichtigen, hätte jedoch die zum Jahreswechsel vorgesehene Anerkennung des Fahrscheins in der Stadt unmöglich gemacht.

„Wir wollten erst einmal das hinkriegen, was den meisten Nutzen bringt“, sagt Nitag-Sprecher Thilo Knoblich. Ein Ausklammern des Landkreises nennt er deshalb logisch. „Die Nachfrage auf dem Land dürfte deutlich geringer sein.“ Exakte Kalkulationen „für jeden weiteren Bahnhof im Umland“ hätten nach Ansicht der Nitag „den Gesamtprozess erheblich verzögert“.

Katja Diehl vom Osnabrücker Verkehrsbetrieb spricht von einem „Testballon“. Die Ausdehnung des Fahrscheins über Osnabrück und Belm hinaus könnte ein nächster Schritt sein, um die Tarife für den Übergang zwischen Bus und Bahn grundsätzlich zu verbessern. Dafür seien weitere Untersuchungen nötig – auch zum Schutz der übrigen neun Partner in der Verkehrsgemeinschaft Osnabrück (VOS). „Wir wollen keine Konkurrenz schaffen.“

Wie für die Kunden mache die 2015 greifende Neuerung aber für die Fahrer der Stadtbusse einiges leichter. Diehl: „Sie müssen am Hauptbahnhof dann nicht mehr erklären, warum das Niedersachsen-Ticket bei uns nicht gilt.“


Mit dem Niedersachsen-Ticket fahren bis zu fünf Reisende einen Tag lang gemeinsam mit allen Nahverkehrszügen in Niedersachsen, Bremen und Hamburg. Es kostet 23 Euro (gültig ab 1. Januar 2015) für eine Person. Maximal vier Mitfahrer zahlen jeweils 4 Euro. Erhältlich ist das Niedersachsen-Ticket beispielsweise an Fahrkartenautomaten, in DB-Reisezentren, bei der Nordwestbahn im Hauptbahnhof Osnabrück, im Mobilitätszentrum der Stadtwerke Osnabrück am Neumarkt sowie im Internet unter www.ticex.de und www.bahn.de . Zusätzlich ist das Niedersachsen-Ticket ab 1. Januar 2015 im Osnabrücker Stadtgebiet in den Bussen der Verkehrsgemeinschaft Osnabrück (VOS) erhältlich. Werktags ist das Niedersachsen-Ticket ab 9 Uhr gültig, am Wochenende und an niedersächsischen Feiertagen bereits ab Mitternacht. Beim 1- und 2-Personen-Ticket fahren beliebig viele eigene Kinder oder Enkelkinder unter 14 Jahren kostenfrei mit. Nach Auffassung des Anbieters Niedersachsentarif GmbH stellt der Einheitsfahrschein damit insbesondere für Familien und Kleingruppen eine preiswerte Alternative zu Reisen mit dem eigenen Auto, sonstigen Bahnfahrkarten und Fernbussen dar. Zusätzlich zur neuen Anerkennung in Osnabrück ist mit dem Niedersachsen-Ticket die Nutzung der öffentlichen Verkehrsmittel in folgenden Verbünden gestattet: GVH (Region Hannover), VRB (Region Braunschweig), VBN (Bremen/Niedersachsen), VSN (Süd-Niedersachsen) und HVV (Hamburg in den Tarifringen A und B). Daneben gilt das Niedersachsen-Ticket auch in Intercity- und Eurocity-Zügen auf der Strecke von Bremen Hauptbahnhof nach Norddeich Mole.

Der Niedersachsentarif ist der gemeinsame Tarif aller Eisenbahnunternehmen in Niedersachsen (DB Regio, Nordwestbahn, Westfalenbahn, Erixx, Metronom und EVB Elbe-Weser) und gilt seit 9. Juni 2013. Anbieter ist eine gleichnamige Gesellschaft, kurz Nitag . Sie gehört zur Hälfte den genannten Eisenbahnunternehmen und zur Hälfte den Aufgabenträger Landesnahverkehrsgesellschaft Niedersachsen (LNVG), Region Hannover und Zweckverband Großraum Braunschweig. Als zentraler Dienstleister verteilt die Nitag monatlich die Einnahmen der Eisenbahnunternehmen anteilig an alle Vertragspartner.