Interview mit Schausteller-Chef Ist der Osnabrücker Jahrmarkt viel zu teuer geworden?

Von Matthias Liedtke


Osnabrück. Die erste halbe Stunde lang hieß es am Eröffnungstag „freie Fahrt“ auf allen Geschäften beim Osnabrücker Herbstjahrmarkt 2014. Warum das nicht zehn Tage so bleiben kann, erklärt Bernhard Kracke junior, Vorsitzender des Schaustellerverbandes Weser-Ems.

Herr Kracke, warum ist der Jahrmarktbesuch in den letzten Jahren immer teurer geworden?

Er ist nach der Euro-Umstellung eigentlich nicht teurer geworden als alles andere auch. Die Großanlagen haben außerdem zum Teil einen Anschaffungswert von bis zu zwei Millionen Euro. Das sind Kosten, die abgeschrieben werden müssen. Hinzu kommen überdurchschnittliche Ausgaben für mitunter aufwendige Sondertransporte und den kostenintensiven Aufbau der Anlagen. Dann jene für das feste Personal und die hohen Sicherheitsauflagen, die erfüllt werden müssen.

Wie setzt sich der Preis für eine Fahrt mit einem attraktiven Fahrgeschäft zusammen?

Das kann man pauschal schlecht sagen. In jedem Fall sind dort aber auch die Anfahrts-, Auf- und Abbau- sowie die Personalkosten mit drin. Dann natürlich die auch nicht ganz alltäglichen Stromkosten. Und die für eine regelmäßige Wartung oder Neuanschaffungen wie zuletzt die neuen Wagen für den Autoscooter. Das Publikum erwartet schließlich auch immer etwas Neues und – zu Recht – den neuesten technischen Stand und höchste Sicherheit. Zudem müssen auch spezielle Aktionen wie das Feuerwerk am Freitag gemeinsam finanziert werden. Nimmt man all dies zusammen, dann sind unsere Preise nur so hoch wie nötig und so weit unten wie möglich.

Wie viel Geld gibt man durchschnittlich für einen Jahrmarktbesuch aus?

Das hängt natürlich ganz von den individuellen Präferenzen ab und davon, wie viele von den zahlreichen Angeboten man überhaupt nutzen möchte. Bei einer Familie mit zwei Kindern sind es aber im Durchschnitt etwa 50 bis 70 Euro, wie wir einmal errechnet haben. Damit liegt der Osnabrücker Jahrmarkt im Mittelfeld aller vergleichbaren Veranstaltungen.

Wo und wann kann man sparen?

Neben den beiden Familienspaß-Sonntagen und dem großen Familientag am Mittwoch, bei dem es bis zu 30 Prozent Ermäßigungen gibt, wird es am Donnerstagabend zum ersten Mal eine Ladies’ Night geben, bei der ab 20 Uhr alle kleinen und großen Damen nur einen Euro für jedes Fahrgeschäft zahlen. Das rechnet sich für uns zwar nicht, ist aber als Dankeschön gedacht und hat natürlich auch einen Werbeeffekt.

Was hält der Schaustellerverband Weser-Ems, der ja die meisten Jahrmarktbeschicker stellt, von alternativen Bezahlmodellen wie zum Beispiel einer Flatrate oder einem einmaligen Tageseintritt?

Die Erfahrung hat gezeigt, dass bei Weitem nicht jedes Fahr- oder Laufgeschäft genutzt wird. Deshalb machen pauschale Preise wenig Sinn. Außerdem wollen wir auch sozial Schwächeren die Möglichkeit geben, einfach über den Jahrmarkt zu schlendern, ohne viel Geld auszugeben und zum Beispiel einfach nur zu gucken und einen Kaffee zu trinken.

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