Letzte Reserve für monumentale Bauten Neue Pläne für den Berliner Platz in Osnabrück

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Osnabrück. Am Berliner Platz stecken noch Potenziale, die Osnabrück zu mehr Großstadtflair verhelfen könnten. Um in dem ungeordneten Nebeneinander eine planvolle Entwicklung zu ermöglichen, will die Stadt ein städtebauliches Gutachten in Auftrag geben. Es soll sich auch der Verkehrssituation widmen.

Hier ein Hochhaus, dort ein Parkplatz, überall Baulücken und sogar Altlasten: Der Berliner Platz bietet sich nicht gerade als Postkartenmotiv an, es sei denn, um den Gegensatz von beklemmender Tristesse und nach Bewunderung gierender Baukunst zu thematisieren.

Immerhin besteht die Aussicht, dass sich am Berliner Platz in nächster Zeit einiges ändern wird. Nach Auskunft von Stadtbaurat Frank Otte gibt es immer wieder Anfragen von Investoren, die auf der Suche nach geeigneten Baugrundstücken sind. Der Parkplatz an der Kleiststraße bietet vielleicht die letzte Chance, ein citynahes Großprojekt zu realisieren.

Schon 2005 war diese Fläche als neuer Standort für ein Justizzentrum im Gespräch. Eine Investorengruppe wollte das denkmalgeschützte Landgericht am Neumarkt zum Entree für ein Einkaufszentrum umbauen, viel größer als das jetzt geplante Center jenseits der Johannisstraße. Dafür hätte die Justiz einschließlich des Amtsgerichts und der Justizvollzugsanstalt ausziehen müssen. Die Pläne lösten sich aber nach kurzer Zeit in Luft auf.

Inzwischen investiert das Land Niedersachsen Millionensummen in das Justizzentrum am Standort Neumarkt. Die Freifläche zwischen Wittekindstraße und Kleiststraße steht also für weitere Planspiele zur Verfügung. Rund um den Berliner Platz bahnen sich aber noch weitere monumentale Überraschungen an.

Die gültigen Bebauungspläne lassen auch für die seit Jahrzehnten klaffenden Lücken zum Teil generöse Lösungen zu. Vor einigen Jahren warb ein Immobilienunternehmen mit dem Hinweis, die südliche Ecke an der Kreuzung von Wittekindstraße und Goethering sei zehngeschossig bebaubar. Aber so einfach geht das nicht.

Wer so hoch hinauswill, müsste sich nämlich zugleich auf eine unterirdische Passage nach Art des Neumarkttunnels einrichten. So etwas will heute niemand mehr, aber so steht es noch im Bebauungsplan von 1970. Das veraltete Regelwerk müsste also erst einmal auf den neuesten Stand gebracht werden.

Mit dem städtebaulichen Gutachten will die Stadt dafür die Voraussetzungen schaffen. 150000 Euro veranschlagt die Bauverwaltung für das Verfahren, an dessen Ende ein Entwicklungskonzept stehen soll. Das Gebiet, für das sich die Stadtplaner konkrete Empfehlungen erhoffen, ist 3,6 Hektar groß, wobei etwa die Hälfte von Straßen eingenommen wird. Es umfasst den größten Teil der Karlstraße und reicht vom Hannoverschen Bahnhof bis zum Hochhaus der Sparkasse.

Bis zur Kleiststraße

Einbezogen wurden so gegensätzliche Gebäude wie das Verlagshaus NOZ Medien am Breiten Gang und das sanierungsbedürftige Hochhaus gegenüber, ebenso das frühere Tankstellengelände, auf dem sich eine Altlast im Boden befindet. Südlich der Wittekindstraße reicht das Plangebiet bis zur Kleiststraße. Neben dem Parkplatz der OPG wartet auch das ehemalige Gelände von Opel Schiermeier auf eine neue Nutzung, das zuletzt von einem Taxiunternehmen genutzt wurde. Die Planer haben außerdem die trostlose Fußgängerunterführung zur Bohmter Straße einbezogen.

Aufgabe des Planers soll es auch sein, die Verkehrssituation am Berliner Platz zu verbessern. Der Verkehrsknoten müsse leistungsfähiger gestaltet werden, sagt Franz Schürings, der Leiter des Fachbereichs Städtebau. Dabei gehe es etwa um separate Abbiegespuren und um eine bessere Radwegführung.

Der Berliner Platz stehe in einer direkten Verbindung zum Neumarkt, vermerkt Schürings. Dem müsse auch gestalterisch Rechnung getragen werden. Schon bei der Ausarbeitung des Masterplans Neumarkt sei zum Beispiel das Ziel formuliert worden, den Hannoverschen Bahnhof stärker ins Blickfeld zu rücken. Darauf müsse geachtet werden, wenn das frühere Tankstellengelände an der Ecke Karlstraße/Wittekindstraße geschlossen werde.


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