Ursula Rittwage und ihr Führerschein Mit Herrenwinkern im Fiat 500

Meine Nachrichten

Um das Thema Osnabrück Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.

Nur ein Strafmandat in all den Jahren: Ursula Rittwage und ihr Führerschein von 1965.Foto: Jörn MartensNur ein Strafmandat in all den Jahren: Ursula Rittwage und ihr Führerschein von 1965.Foto: Jörn Martens

Osnabrück. Zwei Kandidaten waren schon durchgefallen, als Ursula Rittwage ans Steuer des Fahrschulwagens gelassen wurde. Kein gutes Vorzeichen für die 23-Jährige, die damals noch Mühlmann hieß. Aber bei ihr lief alles glatt. Vielleicht, so mutmaßt sie, lag es ja an den weicheren Polstern ihres Prüfungswagens, in die sich der Mann vom TÜV mit einem zufriedenen „Gott sei dank“ plumpsen ließ.

Es war im Oktober 1965, die junge Osnabrückerin fühlte sich nach 15 Praxisstunden „gut gedrillt“, wie sie sagt. Ihr Fahrlehrer hatte vorher als Ausbilder bei der Bundeswehr ein härteres Regiment geführt. „Nur die Ruhe macht‘s, Fräulein“, war so ein Spruch, den Ursula Rittwage häufig zu hören bekam.

Einmal blieb der Fahrschulwagen mitten auf der Kreuzung am Petersburger Wall stehen, der Tank war leer. Seelenruhig, so erinnert sich die 70-Jährige, holte ihr Fahrlehrer einen Benzinkanister aus dem Kofferraum und füllte den Sprit auf.

Das Passbild in ihrem dunkelgrauen Führerschein zeigt sie im typischen 60er-Jahre-Look mit „Herrenwinkern“, so wurden die nach vorne gedrehten Löckchen an der Schläfe genannt. „Total brav“ findet sich Ursula Rittwage auf dem Foto von damals. Und weil sie so brav war, ließ sie sich beim Autokauf wenige Tage später gleich übers Ohr hauen. Für 3500 Mark kaufte sie einen nicht mehr ganz taufrischen Fiat 500, „das war verdammt viel Geld“, wie sie heute sagt. Gleich in der ersten Nacht wurden alle vier chromblitzenden Radkappen gestohlen, eine Gemeinheit, die sie heute noch empört. Schon nach kurzer Zeit musste ein kapitaler Bremsschaden für weitere 350 Mark repariert werden, und dann war da noch der ständige Kampf gegen den Rost, der ihr die Freude an dem kleinen Italiener manchmal verdarb. Aber geliebt hat sie ihn trotzdem.

Als angehende Berufsberaterin arbeitete sie damals in Vechta, und der Fiat brachte sie selbst bei hohem Schnee dorthin. Über die Landstraße natürlich, denn die Autobahn war noch nicht fertig. Da konnte eine Fahrt auch schon mal drei Stunden dauern, wie sich Ursula Rittwage verständnisvoll erinnert.

Zwei Jahre war der Zwerg aus Turin ihr ständiger Begleiter, dann wurde er durch einen VW 1300 ersetzt. Ihren Führerschein von 1965 hat die leidenschaftliche Autofahrerin nie gegen eine Plastikkarte ausgetauscht. Und nur einmal bekam sie ein Strafmandat: Für falsches Parken. Kostenpunkt: fünf Mark.

Zeigen Sie uns Ihren Führerschein, Ihren Studentenausweis oder Ihren alten Reisepass. Auf das Passbild kommt es an und auf die Geschichte, die Sie uns dazu erzählen. Schicken Sie uns eine Mail, gerne mit Foto, an osnabrueck@noz.de. Oder rufen Sie uns an: 0541/ 310-631.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN