Kurzweilig und tiefgründig „Ich habe sie geliebt“ kommt in Osnabrücker Zimmertheater gut an


Osnabrück. Was steckt eigentlich in einem Menschen? Aus welchen Gründen handelt er? Warum entscheidet er sich für eine Beziehung, die ihn nicht glücklich macht, und lässt die große Liebe ziehen? Um diese Fragen dreht sich der Bestseller-Roman „Ich habe sie geliebt“ von Anna Gavalda. Adam Dechent hat dazu eine Bühnenfassung geschrieben, die jetzt im Ersten Unordentlichen Zimmertheater uraufgeführt wurde.

Chloe (Susanne Rolf) staunt nicht schlecht: „Das weißt du alles noch? Daran erinnerst du dich?“, fragt sie ihren Schwiegervater Pierre (Adam Dechent). Bislang hat sie ihn für ein ichbezogenes Familienoberhaupt gehalten, das auf alle anderen aus ferner Distanz herabblickt und stets sein eigenes Süppchen kocht. Doch als sie von ihrem Mann – seinem Sohn – verlassen wird, fährt er mit ihr und ihren beiden Kindern in das Ferienhaus der Familie. Dort haben sie Zeit für lange Gespräche, die Chloe erst wegen ihrer seelischen Verletzungen verhindert. Stattdessen schießt sie ordentlich Pfeile ab.

Glaubwürdig transportiert Susanne Rolf ihre Figur mit all ihren Facetten: die verletzte Verlassene, die Wütende, die Traurige, die Staunende, die Liebende. Adam Dechent hingegen spielt seine Figur durchweg nachdenklich, zurückhaltend, gelassen, beobachtend, voller Selbstzweifel ob seiner Entscheidung für seine Frau Suzanne und gegen Mathilde.

Sie ist die Dritte im Bunde des Stücks und wird in wenigen Momenten des Rückblicks überzeugend von Heike Bennewitz verkörpert. Sie spielt die Frau, die viel versucht, um den Geliebten zu halten, und sich in den entscheidenden Momenten aus Selbstschutz zurückzieht.

Mit Daniel Auteuil, Marie-Josée Croze und Florence Loiret Caille in den Hauptrollen war der Roman von Anna Gavalda 2009 in den Kinos. Es war die zweite Verfilmung eines Buchs der französischen Schriftstellerin, die zuvor mit „Zusammen ist man weniger allein“ (Hauptrolle: Audrey Tautou) im Kino Erfolge gefeiert hatte.

Auf der Bühne im Zimmertheater sind die 168 Seiten in 80 Minuten auserzählt. Sie sind unterhaltsam, regen zum Nachdenken an. Keinen Moment aber stellen sie die Figuren mit all ihren Niederlagen, Fehlern und Unsicherheiten bloß. „Ich habe sie geliebt“, ist ein Titel, der eine schlichte Liebesschnulze vermuten lässt. Dechents Bühnenfassung zeigt auf kurzweilige Weise, dass das nicht so ist. Eine allseits gültige Lösung bietet er indes nicht. Und so steht Chloes Frage, was das nun alles für sie und ihre gescheiterte Ehe bedeutet, wie ein großes Fragezeichen vor dem anerkennenden Applaus des Publikums und seinen Bravo-Rufen.