Harsche Kritik am Affentempel Allwetterzoo Münster ätzt gegen Zoo Osnabrück

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Osnabrück. Tierhaltung schlecht, Gehege effekthascherisch, Planung am Bedarf vorbei: In einem Interview mit einer Fachzeitschrift greift der Direktor des Allwetterzoos in Münster die Konkurrenz aus Osnabrück hart an. Der hiesige Zoo staunt über die Lästereien und lässt Kritik abperlen.

Jörg Adler nimmt kein Blatt vor den Mund, als er dem kirchlich orientierten Gesellschaftsmagazin Publik-Forum im Oktober für einen Beitrag über Aufgabe und Bedeutung von Zoos Rede und Antwort steht. Leidenschaftlich begründet er ihren Beitrag zur Zucht und Arterhaltung, beschreibt wortreich den Bildungsauftrag wissenschaftlich geführter Tiergärten und zeigt sich auch manchen Tierrechtlern gegenüber tolerant.

Doch was der Allwetterzoo -Direktor an einer Stelle des Gesprächs mit dem Titel „Im Beiboot der Arche“ in Richtung Schölerberg vom Stapel lässt, stößt den Kollegen dort sauer auf. Denn auf die Frage nach dem Zoo der Zukunft schwingt der Münsteraner verbal die Keule.

„Schwachsinnige Scheinwelten“

Mit eindeutigem Bezug auf die asiatisch anmutende Neugestaltung von Affenfelsen und Tigergehege , den im selben Stil geplanten Umbau des Menschenaffenhauses und die passend dazu vorgesehene Herrichtung der Elefantenanlage im Zoo Osnabrück sagt Jörg Adler: „Ich hoffe, der Kulissenwahn, diese Kunstwelten mit Dschungelpalast für Elefanten oder künstliche Tempelanlagen aus Spritzbeton für Affen und Tiger kommen schnell wieder außer Mode. Solche Scheinwelten sind Schwachsinn.“

Im Vordergrund müssten die Bedürfnisse der Tiere stehen, nicht das Fernweh der Besucher, fährt der Allwetterzoo-Direktor fort. Ein Freigelände mit Bäumen sei für Affen viel besser als ein Nachbau der kambodschanischen Tempelanlage Angkor Wat „in einem deutschen Zoo“, sprich: Osnabrück. Schließlich lässt er sich zu folgendem Satz hinreißen: „Die Affen haben es seit deren Eröffnung schlechter – und eine Verhöhnung der echten Tempelanlage ist es zudem.“

Affenhaltung verbessert

Was Adler bei dieser Breitseite ritt, weiß der Geier. Urlaubsbedingt stehe er unserer Redaktion nicht vor Mitte November für eine Stellungnahme zur Verfügung, teilt der Allwetterzoo mit. Der Zoo Osnabrück hingegen sieht sich veranlasst, die öffentliche Stichelei aus Münster mittels Fakten zu parieren – und Adlers Behauptungen als falsch zu widerlegen.

Auf Nachfrage erklärt das wissenschaftliche Team um Zoodirektor Michael Böer, den Osnabrücker Schweinsaffen gehe es auf dem 2012 eröffneten Affentempel „sehr gut“. Das zeige auch der aktuelle Nachwuchs. Viel mehr noch als der alte Betonfelsen , dessen Abbruch für den Zoo Osnabrück „unbezahlbar gewesen wäre“, erfülle die heutige Anlage alle Bedingungen für eine optimale Haltung der Affen: Die Tiere hätten genug Raum und Möglichkeiten zum Klettern. Sie verfügten über nötige Rückzugsecken, Wasserstellen sowie Sonnen- und Schattenplätze.

Die fernöstlich inspirierte, ruinenhafte Gestaltung der Anlage beruhe gleichsam auf Tatsachen. „Es ist nicht von der Hand zu weisen, dass viele Affenarten in der Wildbahn auf Tempelanlagen leben“, heißt es. Das gelte auch für Schweinsaffen in Südostasien. „Unzählige Fotos“ hätten den Erbauern des Osnabrücker Affentempels als Vorlage gedient , und Reliefs seien „extra in Indonesien nach entsprechenden Kunstwerken aus Angkor Wat angefertigt“ worden. Zwar sei der Affentempel rein äußerlich insbesondere für die Besucher gestaltet worden, räumt der Zoo Osnabrück ein. Doch das aus gutem Grund, wie Sprecherin Lisa Josef erklärt: „Da für unseren heutigen Geschmack reine Betonklötze als unattraktiv gesehen werden und viele dadurch automatisch annehmen, dass es den Tieren dort schlecht geht.“ Auf die Belange der Affen habe die wissenschaftliche Abteilung jedoch zu allen Zeiten geachtet – „wie in jedem Gehege im Zoo Osnabrück“.

Ungleicher Wettbewerb

Geschäftsführer Andreas Busemann gibt zu, er sei „irritiert“ über die Adler-Attacke. Über die Gründe für die Angriffslust des Allwetterzoo-Direktors könne er nur spekulieren. Abseits von Geschmacksfragen sei die Kritik inhaltlich nicht nachvollziehbar.

Busemann hält es aber für möglich, dass dem Münsteraner der anhaltende wirtschaftliche Erfolg des Osnabrücker Zoos ein Dorn im Auge ist, ebenso der wachsende Publikumszuspruch. Beide Zoos würden jährlich um die eine Million Besucher anlocken. Tendenz in Osnabrück steigend, in Münster stagnierend. Doch am Schölerberg funktioniere der laufende Betrieb ohne nennenswerte öffentliche Zuschüsse, während der Allwetterzoo pro Jahr über vier Millionen Euro von der Stadt kassiere. Auch seine Investitionen müsse sich der Zoo Osnabrück – im Gegensatz zum westfälischen Mitbewerber – „hart am Markt erarbeiten“.

„Wir ticken als Zoo ganz anders, haben eine ganz andere Philosophie“, sagt der Geschäftsführer. Zoos weiterzuentwickeln, sei „unwahrscheinlich schwierig“ geworden. Der Osnabrücker Weg gründe eben nicht auf öffentlichen Subventionen, sondern auf Unterstützung durch Partner und Sponsoren – und dem Erfolg bei der Kundschaft. Deshalb beinhalte er auch die Erschaffung von Erlebniswelten. „Ich finde daran nichts Schlimmes. Tiergefängnisse schaut sich doch keiner mehr an. Wir müssen die Besucher mitnehmen!“, sagt Busemann.

Fortlaufende Zufriedenheitsbefragungen unter den Gästen würden seine strategischen Entscheidungen der letzten 18 Jahre stützen. So lange lenkt Andreas Busemann bereits den Zoo Osnabrück. Und will das auch noch eine ganze Weile tun – im Gegensatz zu Jörg Adler, der 2015 aufhört. Busemann: „Das hier ist eine Lebensaufgabe für mich.“


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