Kabarettfestival in der Lagerhalle Lisa Politts Parforceritt durch Politik und Gesellschaft

Stimmgewaltig und böse: Lisa Politt.

            

              
              Foto: Hermann PentermannStimmgewaltig und böse: Lisa Politt. Foto: Hermann Pentermann

cby Osnabrück.Lisa Politt ist ein regelmäßiger Gast in Osnabrück. Deshalb bestritt sie auch beim Eröffnungswochenende des 25. Kabarettfestivals den zweiten Abend.

Osnabrück. Mit zahlreichen Gastspielen bereicherte Lisa Politt in den vergangenen dreißig Jahren das Lagerhallenprogramm. Nur folgerichtig also, dass die Hamburger Künstlerin, die zusammen mit ihrem Lebensgefährten Gunter Schmidt auch die Kabarettgruppe „Herrchens Frauchen“ bildet, dort, nach Volker Pispers tags zuvor, den Jubiläums-Auftakt zum 25. Kabarett-Festival bestritt.

Das glamouröse Kostüm blinkte und glitzerte, die divenhafte Geste wirkte echt und ungekünstelt. Mit süß säuselndem Tonfall intonierte Lisa Politt ihr Eröffnungsstück, um „Im Namen der Nächstenliebe“ schonungslos Alltagsegoismen und geheuchelte Weihnachtsharmonie aufeinanderprallen zu lassen.

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Beginn eines zweistündigen Parforceritts durch Politik und Gesellschaft, bei dem sich Musik und wortgewandte Reflexion ergänzten. Gunter Schmidt an Akkordeon, Harfe und Klavier, Wanja C. Hasselmann am Schlagzeug und Sven-Arne Schönemann an Gitarre und Bass schufen dabei einen virtuos vorgetragenen, ergänzenden Klangkosmos. Dass sich Politt zuweilen „hart an der Grenze“ bewegte, wie ihr gleichlautender Programmtitel bereits ankündigte, machten nicht nur ihre Bemerkungen zur „Kriegsministerin von der Leyen“ , der, so Politt, „blonden Fehlpressung einer Barbiepuppe“, deutlich. Auch ihre Bewertung der „Grünen“ als „FDP für Leute mit Eso-Klatsche“ spielte mit jenen provokativen Zuspitzungen und Überzeichnungen, bei denen das noch zuvor subtil Geäußerte blitzschnell einem groben rhetorischen Keil wich.

Mal verspielt und fast sanftmütig wirkend, dann plötzlich stimmröhrend und zornesbebend brachte Politt eine Bandbreite an Stimmungsbildern zum Ausdruck, die allerdings zuweilen recht sprunghaft und assoziativ wirkten.

Spitze Pfeile gegen zockende Banken

Als stetigem Bezugspunkt griff sie dabei immer wieder auf eine Pose entspannten Betrachtens zurück, von der aus sie, beiläufig und zuweilen auch abgeklärt wirkend, ihre kabarettistischen Pfeile verschoss. Ins Visier nahm sie dabei nicht nur Klerus und opportunistische Karrieristen, sondern vor allem auch jene elitären Kreise, für deren Selbstherrlichkeit und -zufriedenheit die Gesellschaft einen hohen Preis zu zahlen hat. Zockende Banken wurden so, ironisch zugespitzt, zum alltagstauglichen Vorbild für jedermann erklärt. „Mach mit und sei glücklich“ hieß es doch da in einem Stück, in dem Politt den grassierenden Selbstoptimierungsdrang persiflierte. Mit einer Adaption von Georg Kreislers „Ich fühl mich nicht zuhause“ schlug Politt dann leisere Töne an, um kurz darauf, in Ledermantel, Latexhose und eine Wodkaflasche schwenkend, die selbstverlorene Bitterkeit einer abgewimmelten Geliebten zu thematisieren.

Mit der Zugabe „Wenn es das schon war“, einer Reflexion über die Banalität der Dinge, schloss sich ein inhaltlicher Kreis, der dem geballten Wahnsinn des Alltags eine ebensolche Lebensenergie entgegensetzte.