Pläne kläglich gescheitert Osnabrück-Arena bleibt noch lange ein schöner Traum

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Osnabrück verfügt über keine Arena für große Konzerte und Sport. Vier Anläufe hat es zwischen 2008 und 2011 gegeben. Auf dem Gelände des alten Güterbahnhofs hätte sie entstehen können. Foto: Gert Westdörp/Grafik: Mathias MichelOsnabrück verfügt über keine Arena für große Konzerte und Sport. Vier Anläufe hat es zwischen 2008 und 2011 gegeben. Auf dem Gelände des alten Güterbahnhofs hätte sie entstehen können. Foto: Gert Westdörp/Grafik: Mathias Michel

Osnabrück. Lingen, Quakenbrück, Halle, Bielefeld, Oldenburg, Münster, Nordhorn. Nur Osnabrück nicht. Die Friedensstadt verfügt über keine multifunktionale Veranstaltungshalle für große Konzerte und Sport. Drei vergebliche Anläufe hat es zwischen 2008 und 2001 gegeben. Die Chance ist verpasst – für lange Zeit.

2011 brach der damalige Oberbürgermeister Boris Pistorius frustriert alle Gespräche mit den neuen Eigentümern des Güterbahnhofes ab. Es war sein letzter Versuch, eines seiner Lieblingsprojekte doch noch auf den Weg zu bringen: den Bau einer Arena für Konzerte, Shows und großen Sportveranstaltungen . Vor seiner Wahl zum Stadtoberhaupt hatte Pistorius dieses Projekt zum Wahlkampfthema gemacht. Es wurde nichts daraus, weil sich der Stadtrat am Ende eines mehrjährigen Diskussionsprozesses für den Umbau der Osnabrückhalle entschied und damit das Arena-Projekt der kommenden Generation übertrug.

Osnabrück verzichtet damit auf einen Entwicklungsschritt, den andere Städte rundherum wagten, und verharrt auf dem Status quo. Die neue Osnabrückhalle ist für 23 Millionen Euro optisch und technisch auf den Stand der Zeit gebracht worden und ist, mit dem neuen Hotel an der Seite, auf gutem Weg, Marktanteile im Tagungswesen zurück zu gewinnen. Aber das Oberzentrum Osnabrück verfügt über keine Halle für Sportveranstaltungen mit mehr als 700 Zuschauern und für Messen sowie Konzerten mit mehr als 3000 Besuchern. Und das wird für einige Zeit so bleiben.

Drei Arena-Anläufe hat es gegeben, drei Mal kam die Stadt nicht über das Stadium grober Planungen und Wirtschaftlichkeitsanalysen hinaus. Einzig über den Standort herrschte irgendwann Einigkeit. Der Güterbahnhof sollte es sein, erschlossen über einen östlichen Eingang zum Hauptbahnhof und einer neuen Straße.

Erster Anlauf 2008

Die Firma Contech erstellte im Auftrage der Stadt eine Machbarkeits- und Wirtschaftlichkeitsanalyse . Die Experten empfahlen, eine multifunktionale Arena zu bauen und die Stadthalle aufzugeben. Nach ihren Schützungen wäre eine neue Halle mit 4000 Plätzen für rund 29 Millionen Euro zu realisieren. Die Stadt müsste den Betrieb jährlich mit 2,2 Millionen Euro subventionieren. Sollte es gelingen, Erstliga-Sport – zum Beispiel die Basketballer aus Quakenbrück – als Dauernutzer zu gewinnen, würde der jährliche Zuschuss auf 1,7 Millionen Euro sinken. Zu dem Zeitpunkt trug die Stadt den Betrieb der Stadthalle mit jährlich 1,5 Millionen Euro.

Die wichtigste Voraussetzung: Die Stadthalle musste verkauft werden, denn ein Parallelbetrieb von Stadthalle und Arena wäre pure Geldvernichtung gewesen. Der Verkaufserlös sollte den Grundstock für die Finanzierung der Arena legen. Als Käufer kam eigentlich nur das Land Niedersachsen in Betracht, das die Stadthalle in die Hochschulentwicklung einbringen sollte. Sportler und Unternehmerkreise stärkten Pistorius damals den Rücken. „Tun Sie‘s. Unsere Unterstützung haben Sie“, sagte der Manager eines Osnabrücker Großunternehmens während einer Info-Veranstaltung im Rathaus.

Er tat es nicht. Denn 2009 brachte eine Entscheidung des damaligen Wissenschaftsministers Lutz Stratmann die Arena-Pläne zu Fall. Das Land kaufte die Stadthalle nicht, sondern konzentrierte die Hochschul-Entwicklung auf den Westerberg.

Zweiter Anlauf 2010

Das absehbare Ende der 40 Jahre alten Schlosswallhalle ließ im Februar 2010 den Arena-Plan wieder auferstehen. Um die in die Jahre gekommene Sporthalle für sportliche Großveranstaltungen zu ertüchtigen, hätte die Stadt nach internen Berechnungen 13,4 Millionen Euro aufwenden müssen. Illusorisch angesichts der Tatsache, dass auch das Carolinum schon jahrelang auf den Neubau einer Sporthalle wartete. Der Stadtrat stimmte schließlich für eine kleine und doppelte Lösung: Die Schlosswallhalle wurde für sieben Millionen Euro runderneuert, das Fassungsvermögen der Tribüne auf rund 700 Besucher begrenzt. Und das Carolinum erhielt eine neue Halle.

Dritter Anlauf 2011

Die Renovierung der Stadthalle war schon beschlossene Sache. 13 Millionen Euro waren dafür grob kalkuliert. Aber als im Sommer 2011 die Experten tiefer in die Innereien der Osnabrückhalle eindrangen, stellten sie fest: Der Umbau wird mindestens 20 Millionen Euro kosten. Da überrumpelte der damalige OB Pistorius den Rat mit der Ankündigung, er werde den Arena-Bau noch einmal durchrechnen lassen. Vielleicht wäre ein Neubau ja günstiger als eine Renovierung der Stadthalle?

Stadthallen-Chefin Sandra Gagliardi, die Gutachter der Firma Contech und der damalige Finanzchef Horst Baier empfahlen am Ende des Prüfprozesses den Bau einer zweigeteilten Arena am Güterbahnhof . Eine „Jeans-Arena“ mit 4600 Sitzplätzen sollte Raum für Sport, Show und populären Konzerten bieten, eine hochwertige „Anzug-Arena“ (900 Sitzplätze) für konzertante Musik und Kongresse. Die Häuser sollten durch ein gemeinsames, flexibel nutzbares Foyer verbunden werden.

Auch dieses durchaus tragfähige Konzept versandete. Erstens stand noch immer der Ratsbeschluss, die Osnabrückhalle zu modernisieren. Zweitens gab es immer noch keinen Kaufinteressenten für die Stadthalle. Und drittens: Der Güterbahnhof stand plötzlich als Standort nicht mehr zur Verfügung. Es war etwas peinlich für die Stadtspitze, zugeben zu müssen, dass die Bahn-Tochter Aurelis das 22,1 Hektar große Areal an zwei Immobilienhändler verkauft hatte, ohne das Rathaus zuvor in Kenntnis zu setzen oder der Stadt den ersten Zugriff zu gewähren. Mit den beiden Neueigentümern (die vorübergehend mit dem Bau einer riesigen Fotovoltaikanlage auf dem Gelände liebäugelten) wurden Pistorius und seine Unterhändler nie warm. Im Dezember 2011 brach der OB die Gespräche wegen „völlig abwegiger“ Preisforderungen der Eigentümer ab.

Das war das Ende aller Arena-Träume.


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